„Cannabis-König“: Anutin lacht, Ministerin tobt!

„Cannabis-König“: Anutin lacht, Ministerin tobt!
FT website

Cannabis-König Anutin empört Thailand 

Financial Times-Schlagzeile sorgt für politischen Aufruhr in Bangkok 

Medienskandal Thailand! Eine Schlagzeile der renommierten Financial Times, die den designierten Premierminister Anutin Charnvirakul als „Thailands Cannabis-König“ bezeichnet, hat eine politische Kontroverse ausgelöst. Während einige Politiker empört reagieren, zeigt sich seine eigene Bhumjaithai-Partei überraschend gelassen. Der 58-jährige Bhumjaithai-Anführer gewann am Freitag die Unterstützung von 311 Abgeordneten im Repräsentantenhaus als Thailands 32. Premierminister, unter einer Vereinbarung mit der Oppositionspartei Volkspartei, die eine Parlamentsauflösung binnen vier Monaten vorsieht. 

Anutins frühere Unterstützung für die Cannabis-Entkriminalisierung ist gut dokumentiert, und viele internationale Nachrichtenagenturen erwähnten dies in ihren Berichten über den plötzlichen Wandel in der thailändischen Politik. Doch es war die ehrwürdige britische Wirtschaftszeitung, die es am einprägsamsten formulierte. Diese Bezeichnung sorgte für heftige Reaktionen, besonders von Theerarat Samrejvanich, einer stellvertretenden Innenministerin der Pheu Thai-Partei. In einem Facebook-Post äußerte sie ihre tiefe Besorgnis über die internationale Wahrnehmung Thailands. „Wenn die internationale Gemeinschaft uns so wahrnimmt, wirft das ernste Fragen über die möglichen Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft, Investitionen und den Tourismus auf“, schrieb sie alarmiert.

Bhumjaithai-Sprecherin kritisiert oberflächliche Medienrezeption scharf

Die Hauptsprecherin der Bhumjaithai-Partei, Nan Bunthida Somchai, konterte am Samstag mit scharfer Kritik an der oberflächlichen Medienrezeption. Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass Theerarat sich nur auf die Schlagzeile konzentrierte, ohne den vollständigen Artikel zu lesen, der Anutin überhaupt nicht negativ darstelle. Nan Bunthida betonte, dass die Cannabis-Politik der Partei immer ausschließlich auf medizinische Nutzung fokussiert gewesen sei. „Heutzutage sollten wir den ganzen Artikel lesen, nicht nur eine Schlagzeile oder nur einen Teil einer Geschichte verwenden, um andere zu diskreditieren“, erklärte sie scharf. „Was die Ministerin zu tun versucht hat, war beschämend.“ 

Die Sprecherin erklärte, die Partei sei seit Freitag Ziel vieler kritischer Kommentare gewesen, sei aber zuversichtlich, alle Vorwürfe klären zu können, ob sie nun Anutin oder andere Mitglieder betreffen. Nan Bunthida sagte, einige Kommentare seien auf Missverständnisse zurückzuführen. In jedem Fall sei Bhumjaithai keine Partei, die jeden verklagt. Der Post von Theerarat erhielt fast 3.000 Likes und etwa 300 Shares, wobei viele Internetnutzer der Pheu Thai-Politikerin zustimmten. Die Kontroverse zeigt die tiefen Meinungsverschiedenheiten über die Cannabis-Politik in Thailand auf.

Bangkok Post

Cannabis-Entkriminalisierung als gut gemeinte Regulierung verteidigt

Kharom Phonphonklang, ein Bhumjaithai-Mitglied und ehemaliger stellvertretender Regierungssprecher, verteidigte die gut gemeinte Cannabis-Politik seiner Partei zur Regulierung traditioneller Kräuternutzung und Verhinderung von Kriminalisierung. Kritiker haben jedoch argumentiert, dass die Entkriminalisierung 2022 ohne begleitendes Gesetz oder klare Regulierung stattfand, was zu einer unbeabsichtigten Explosion bei der Freizeitnutzung führte. Die scheidende Pheu Thai-Regierung hat versucht, Cannabis wieder zu regulieren, um Missbrauch zu verhindern. 

Kharom sagte, die Financial Times-Schlagzeile könnte dazu führen, dass einige Menschen den baldigen Premierminister missverstehen, und er bat um faire Behandlung. „Anutin hat versprochen, nationale Herausforderungen innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens anzugehen“, erklärte Kharom. Er verwies auf verschiedene öffentliche Sorgen, einschließlich der Khao Kradong-Landstreitigkeit und mutmaßlicher Senats-Absprachen, die im rechtlichen Rahmen voranschreiten würden. Kharom bat die Menschen, sich keine Sorgen zu machen und Anutin zu erlauben, seine Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Die Verteidigung zeigt, wie umkämpft die Cannabis-Frage in Thailand bleibt und wie sehr sie Anutins politisches Image prägt.

Internationale Wahrnehmung versus politische Realität in Thailand

Der Streit um die „Cannabis-König“-Bezeichnung verdeutlicht die Herausforderungen thailändischer Politik im internationalen Rampenlicht. Während Theerarats Sorgen über das Länderimage berechtigt erscheinen – schließlich könnten internationale Investoren und Touristen durch solche Schlagzeilen beeinflusst werden, argumentiert die Bhumjaithai-Partei, dass oberflächliche Medienrezeption das eigentliche Problem darstelle. Die Financial Times hatte in ihrem vollständigen Artikel durchaus eine differenzierte Darstellung geliefert, doch die eingängige Schlagzeile überschattete den Inhalt. Dies zeigt ein typisches Medienproblem: Komplexe politische Positionen werden auf griffige Formeln reduziert. 

Anutins Rolle bei der Cannabis-Entkriminalisierung 2022 als Gesundheitsminister war in der Tat kontrovers, da sie zu einer ungeregelten Ausbreitung des Cannabis-Konsums führte. Die Pheu Thai-Regierung hatte anschließend versucht, die Regulierung zu verschärfen. Nun steht Anutin vor der Aufgabe, als Premierminister diese Cannabis-Kontroverse zu überwinden und sich als seriöser Staatslenker zu etablieren. Die internationale Aufmerksamkeit wird zeigen, ob Thailand unter seiner Führung das Image als „Cannabis-Paradies“ abstreifen kann oder ob dieser Titel seine Amtszeit überschatten wird. 

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.