Sie schlendern durch das MBK Center in Bangkok, genießen die Klimaanlage und wollen eigentlich nur „kurz die Kette reparieren lassen“. Zack – Schmuck abgegeben. Doch Vorsicht: In der Millionenstadt mit ihren unzähligen Goldshops kann eine vermeintlich harmlose Reparatur schnell zur bösen Überraschung werden. Gerade kleine Läden wirken freundlich, haben aber nicht immer seriöse Absichten. Immer wieder berichten Kunden, dass ihre Kette nach der Rückgabe plötzlich weniger wiegt – oder anders glänzt. Wer an seinem Erbstück hängt, sollte nicht leichtfertig vertrauen.
MBK: Gold-Reparatur mit Risiko
Im fünften Stock des MBK, in der Nähe von Don Don Donki und dem Parkdeck, reihen sich Dutzende kleine Goldshops aneinander – manche davon gelten unter Einheimischen als Geheimtipp. Viele arbeiten sauber und schnell. Doch auch hier gilt: Augen auf. Freundliches Lächeln und das Wort „original“ sind keine Garantie. Es lohnt sich, während der Reparatur persönlich anwesend zu bleiben. Das geht in vielen Fällen problemlos – und erschwert unlautere Eingriffe am Schmuck erheblich.
Was bedeutet thailändisches Gold?
Thailand verwendet fast ausschließlich Gold mit 96,5 % Reinheit, was etwa 23 Karat entspricht. Dieses Gold ist reiner als die meisten westlichen Legierungen, dafür aber auch weicher und empfindlicher. Zum Vergleich: In Deutschland und den USA sind häufig 14 Karat (58,5 %) oder 18 Karat (75 %) üblich. Wer also westlichen Schmuck nach Thailand mitbringt und reparieren lässt, muss wissen: Die Materialsysteme sind unterschiedlich, und das kann beim Löten oder Ersetzen zu Problemen oder sogar zu Betrug führen.
So erkennen Sie seriöse Goldhändler
Der wichtigste Tipp: Fragen Sie nicht andere Touristen – fragen Sie Thais. Die Einheimischen wissen aus eigener Erfahrung, wo gutes Gold zu fairen Preisen verkauft und auch zuverlässig repariert wird. Viele vertrauenswürdige Läden liegen nicht in den touristischen Hauptzonen, sondern in ruhigeren Vierteln – etwa rund um Chinatown (Yaowarat) oder im Bang Rak District. Lokales Wissen schützt vor teuren Fehlern.
Vor allem Gegenden wie die Khaosan Road oder Silom sind darauf spezialisiert, Touristen alles zu verkaufen, was glänzt – leider oft zu überhöhten Preisen. Sprachbarrieren, Unkenntnis über den Goldwert und fehlende Vergleichsmöglichkeiten führen dazu, dass viele Besucher Mondpreise für mangelhafte Ware zahlen. Besonders problematisch: Manche Händler nutzen die Unwissenheit gezielt aus und ersetzen hochwertige Stücke durch minderwertige Varianten.
Unser Rat: Lassen Sie sich beim Kauf oder bei der Reparatur immer den Goldtest vor Ort zeigen – wiegen, prüfen und analysieren geht meist in wenigen Minuten. Seriöse Händler haben kein Problem damit, die Waage auf den Tresen zu stellen, die Legierung zu erklären und den Preis transparent aufzuschlüsseln. Wer das verweigert, hat womöglich etwas zu verbergen. In diesem Fall: Abstand nehmen und lieber einen anderen Shop aufsuchen.
Westschmuck in Gefahr: 18 Karat rein – weniger zurück?
Viele westliche Touristen oder Expats bringen ihren Schmuck aus Europa oder den USA mit – oft 14 oder 18 Karat. Wer solche Stücke in Thailand zur Reparatur gibt, sollte besonders vorsichtig sein. Es gab Fälle, in denen der Schmuck nach dem Löten oder Polieren plötzlich weniger wog oder anders aussah. Der Verdacht: Teile wurden unbemerkt gegen thailändisches Gold oder minderwertige Legierungen ausgetauscht. Gerade weil thailändisches Gold weicher und glänzender ist, fällt Laien der Unterschied nicht sofort auf.
Unser Tipp: Notieren Sie vor der Abgabe das Gewicht, machen Sie Fotos und halten Sie die Karatangabe fest. Wenn möglich: bleiben Sie beim Vorgang persönlich anwesend. Nur so lässt sich später nachvollziehen, ob wirklich alles beim Alten geblieben ist.
Emotionaler Wert schützt nicht vor Betrug
Oft hängen an einer Kette nicht nur Goldwerte, sondern Erinnerungen an verstorbene Angehörige, Partner oder besondere Momente. Umso schmerzhafter, wenn der Schmuck durch Pfusch ruiniert oder sogar Teile entwendet werden. Die Hektik in Bangkok ist kein Grund, nachlässig zu sein. Wer sein Erinnerungsstück erhalten will, sollte sich bewusst für einen Händler mit guter Reputation entscheiden – auch wenn das mehr Zeit und Geld kostet.
Finger weg bei „billig & schnell“
„Reparatur in 10 Minuten“ klingt verlockend – ist aber selten ein gutes Zeichen. Billige Shops sparen oft an allem: Material, Werkzeug und Fachkenntnis. Gerade bei Lötarbeiten droht Gefahr. Eine unsaubere Naht kann sich beim nächsten Tragen lösen – und im schlimmsten Fall ist das ganze Stück verloren. Wer billig kauft, zahlt doppelt. Besser: einen professionellen Goldschmied wählen, der für Qualität bürgt – und auf Wunsch ein Echtheitszertifikat ausstellt.
Hinweis für unsere Leserinnen und Leser:
Haben Sie gute oder schlechte Erfahrungen mit Goldreparaturen in Bangkok gemacht? Oder möchten Sie eine vertrauenswürdige Werkstatt empfehlen? Diskutieren Sie mit in den Kommentaren Unter diesen Artikel – und helfen Sie anderen, ihre Schätze zu bewahren.



