Europäer zockt Thai-Frauen ab

Europäer zockt Thai-Frauen ab
KI-generierte Illustration, erstellt von Google Gemini.

Abgezockt im Paradies: Wenn Europäer Thai-Frauen ausbeuten

Die Luft in der Soi Bangla auf Phuket ist auch spät am Abend noch drückend heiß. Es ist eine dieser typischen Nächte in denen der Bass der Diskotheken den Rhythmus des Herzschlags übernimmt. Aom, eine 29-jährige Thailänderin, sitzt in einer der etwas ruhigeren Bars am Rand des Geschehens. Sie arbeitet tagsüber hart in einem Kosmetikstudio und genießt ihren freien Abend.

Dann tritt er in ihr Leben: Julian. Ein Mann, wie er im Buche steht. Groß, blond, blaue Augen, ein maßgeschneidertes Leinenhemd, das lässig, aber teuer wirkt. Er ist kein typischer Rucksacktourist, der jeden Baht zweimal umdreht. Er strahlt eine Aura von Weltgewandtheit und Wohlstand aus. Er bestellt einen Drink, lächelt Aom an und bittet höflich darum, sich an ihren Tisch setzen zu dürfen.

Der Beginn einer Illusion

Das Gespräch fließt erstaunlich leicht. Julian erzählt, er komme aus Deutschland und sei als Projektentwickler für Luxusimmobilien in Asien unterwegs. Er sei müde von den oberflächlichen Bekanntschaften und suche etwas „Echtes“. Für Aom, die schon oft von Männern enttäuscht wurde, klingen seine Worte wie Balsam für die Seele.

Er wirkt aufrichtig interessiert an ihrer Kultur und ihrer Familie. Er fragt nach ihren Träumen und Sorgen. Anders als viele andere Ausländer, die nur auf ein schnelles Abenteuer aus sind, spricht Julian von Respekt und Werten. Er bezahlt die Rechnung für ihre Getränke, ohne mit der Wimper zu zucken, und lädt sie für den nächsten Abend zum Essen ein.

Das erste Date im Luxusrestaurant

Am nächsten Abend führt Julian sie in eines der besten Meeresfrüchte-Restaurants der Insel. Der Tisch steht direkt am Strand, Kerzenschein beleuchtet die Szenerie. Sie bestellen Hummer, edlen Wein und diverse Vorspeisen. Die Rechnung beläuft sich am Ende auf 4.000 Baht. Umgerechnet sind das bei dem aktuellen Kurs etwa 108 Euro – für Aom fast ein Viertel ihres Monatsgehalts.

Julian zückt lässig eine Platin-Kreditkarte. Er wirkt souverän, fast gelangweilt von der Höhe des Betrags. Für Aom ist das der Beweis: Dieser Mann spielt in einer anderen Liga. Er erzählt ihr von seinem Penthouse in München und dass er plant, eine Villa auf Phuket zu kaufen, um sich niederzulassen. Er deutet an, dass er dafür die richtige Frau an seiner Seite brauche.

Die Strategie des Love Bombing

In den nächsten zehn Tagen sind Aom und Julian unzertrennlich. Psychologen bezeichnen das Verhalten, das Julian an den Tag legt, als „Love Bombing“. Er überhäuft Aom mit Komplimenten, Aufmerksamkeit und Zukunftsvisionen. Er spricht bereits davon, wie ihre gemeinsamen Kinder aussehen würden und dass er ihr helfen möchte, einen eigenen Schönheitssalon zu eröffnen.

Er zieht vorübergehend bei ihr ein, da sein Hotel angeblich gerade renoviert wird und er die Nähe zu ihr sucht. Aom ist stolz. Sie stellt ihn ihren Freundinnen vor, die sie beneiden. Ein gutaussehender, reicher Europäer, der es ernst meint – das ist in Thailand für viele immer noch das ultimative Symbol für sozialen Aufstieg und Sicherheit.

Der erste Riss im Gemälde

Der Wendepunkt kommt schleichend. Eines Abends, sie sind in einer schicken Skybar, möchte Julian die Rechnung begleichen. Doch das Lesegerät lehnt seine Karte ab. Er runzelt die Stirn, wirkt aber nicht panisch. Er erklärt Aom ruhig, dass seine Bank in Europa wohl wegen der vielen Transaktionen im Ausland eine Sicherheitssperre aktiviert habe. Das passiere wohlhabenden Kunden öfter.

Er bittet Aom, die Rechnung von 2.000 Baht, also rund 54 Euro, auszulegen. Er würde sofort bei seiner Bank anrufen und das klären. Natürlich gibt sie ihm das Geld. In der thailändischen Kultur ist das „Gesicht wahren“ essenziell. Ihn in dieser Situation bloßzustellen, wäre undenkbar. Sie zahlt, und er küsst sie dankbar auf die Stirn.

Die Spirale beginnt sich zu drehen

Am nächsten Tag ist das Problem mit der Bank angeblich noch nicht gelöst. Julian zeigt ihr auf seinem Smartphone E-Mails, die täuschend echt aussehen. Ein Bankberater entschuldigt sich darin für die Unannehmlichkeiten und verspricht eine Freischaltung innerhalb von 48 Stunden. Bis dahin, so Julian, habe er keinen Zugriff auf seine Konten.

Er bittet Aom, ihm für die nächsten Tage mit Bargeld auszuhelfen. Er brauche Geld für Taxis, Essen und kleine Besorgungen. Aom gibt ihm täglich zwischen 1.000 und 3.000 Baht. Das sind umgerechnet etwa 27 bis 81 Euro. Für Julian ist das Taschengeld, für Aom sind es ihre eisernen Ersparnisse. Doch sie zweifelt nicht, denn er ist ja „gut für das Geld“.

Die kulturelle Falle

Warum Aom so handelt, lässt sich nur verstehen, wenn man das thailändische Konzept von „Greng Jai“ und „Nam Jai“ kennt. Es bedeutet Rücksichtnahme und Herzlichkeit. Jemandem, den man liebt und der offensichtlich vermögend ist, in einer Notsituation nicht zu helfen, gilt als hartherzig. Zudem spielt der Status eine Rolle: Einen reichen Europäer verdächtigt man nicht so schnell des Betrugs wie einen mittellosen Rucksacktouristen.

Julian nutzt dieses kulturelle Verständnis meisterhaft aus. Er spielt den gestressten Geschäftsmann, dessen Millionen gerade kurzzeitig eingefroren sind. Er verspricht Aom, ihr das Geld doppelt zurückzuzahlen. Er spricht davon, ihr als Dankeschön ein neues Auto zu kaufen, sobald die Überweisung aus Deutschland da ist.

Die Eskalation der Forderungen

Nach zwei Wochen wird die Situation dramatischer. Julian behauptet, er müsse dringend eine Gebühr für die Eigentumsübertragung einer Immobilie leisten, sonst verfalle seine Option auf das Traumhaus. Es geht um 50.000 Baht, also rund 1.350 Euro. Wenn er das nicht sofort bar einzahle, sei der Deal geplatzt und ihre gemeinsame Zukunft gefährdet.

Aom hat dieses Geld nicht mehr. Ihre Ersparnisse sind aufgebraucht. Julian setzt sie unter emotionalen Druck. Er fragt, ob sie ihre Familie fragen könne oder ob sie Schmuck verpfänden könne. Es sei doch nur für zwei Tage. Er appelliert an ihr Vertrauen: „Liebst du mich nicht? Vertraust du mir nicht?“

Der Weg zum Geldverleiher

Verzweifelt und voller Hoffnung auf die versprochene Zukunft geht Aom einen gefährlichen Schritt. Sie kontaktiert einen informellen Geldverleiher in ihrer Nachbarschaft. Sie nimmt einen Kredit über 50.000 Baht auf, zu einem Zinssatz, der jenseits aller gesetzlichen Regelungen liegt. Sie übergibt Julian das Bargeld in einem Umschlag.

Er wirkt erleichtert, umarmt sie fest und verspricht, alles zu regeln. Er müsse nur kurz zu einem Geschäftstermin fahren, um das Geld zu übergeben. Er nimmt ein Taxi. Aom sieht ihm nach, ein flaues Gefühl im Magen, das sie aber schnell verdrängt. Er wird zurückkommen. Er muss zurückkommen.

Das böse Erwachen

Stunden vergehen. Julian meldet sich nicht. Aom ruft ihn an, doch sein Handy ist ausgeschaltet. Sie wartet die ganze Nacht. Am nächsten Morgen fährt sie zu dem Hotel, in dem er angeblich seine Sachen gelagert hat, bevor er zu ihr zog. An der Rezeption kennt man keinen Julian. Er war dort nie Gast.

Langsam sickert die Realität in Aoms Bewusstsein. Sie überprüft sein Facebook-Profil. Es ist gelöscht. Sie schreibt ihm auf Line, doch die Nachrichten bleiben ungelesen. Der Mann, dem sie ihre Liebe und ihr Geld geschenkt hat, existiert in dieser Form gar nicht. Er ist ein Geist, der verschwunden ist, sobald er hatte, was er wollte.

Rechtliche Hürden

Aom geht zur Polizei, doch dort erwartet sie die nächste Enttäuschung. Die Rechtslage in Thailand ist komplex. Da sie Julian das Geld freiwillig übergeben hat und es keinen schriftlichen Darlehensvertrag gibt, stuft die Polizei den Vorfall oft als zivilrechtliche Streitigkeit ein, nicht als kriminellen Betrug.

Ohne Vertrag steht Aussage gegen Aussage. Zudem ist Julian wahrscheinlich gar nicht sein richtiger Name. Die Polizei erklärt ihr, dass es schwer sei, einen Ausländer ohne klare Identitätsnachweise zu verfolgen, besonders wenn er sich wahrscheinlich schon in einer anderen Provinz aufhält.

Das Profil der neuen Täter

Fälle wie der von Aom häufen sich. Experten beobachten eine Veränderung im Täterprofil. Es sind nicht mehr nur die anonymen Internet-Scammer aus Übersee. Es sind zunehmend Europäer vor Ort, oft gutaussehend und eloquent, die gezielt Frauen ausnutzen, um ihren luxuriösen Lebensstil in Asien zu finanzieren.

Diese Männer reisen oft von Ort zu Ort – von Phuket nach Pattaya, von Samui nach Chiang Mai. Sie hinterlassen verbrannte Erde und gebrochene Herzen. Sie nutzen Dating-Apps wie Tinder oder Bumble, um gezielt nach Frauen zu suchen, die Englisch sprechen, einen festen Job haben und somit kreditwürdig sind.

Die psychologischen Folgen

Für Aom ist der finanzielle Schaden immens, aber der emotionale Schaden wiegt fast noch schwerer. Sie schämt sich. Sie muss ihrer Familie beichten, dass sie Schulden bei einem Kredithai hat. Das Gesicht, das sie wahren wollte, hat sie nun verloren. Viele Frauen in ihrer Situation ziehen sich zurück und isolieren sich.

Das Vertrauen in Männer ist zerstört. Die Vorstellung, dass jemand Gefühle nur vorspielt, um an Geld zu kommen, ist traumatisch. Aom arbeitet nun Doppelschichten im Salon, um die Zinsen des Kredithais bedienen zu können. Jeder Baht, den sie verdient, fließt in die Tilgung der Schulden, die Julian verursacht hat.

Warnsignale erkennen

Opferschutzorganisationen versuchen, durch Aufklärung gegenzusteuern. Es gibt klare Warnsignale: Wenn ein angeblich reicher Mann plötzlich keinen Zugriff auf sein Geld hat, sollten alle Alarmglocken läuten. Technische Probleme mit Bankkarten können passieren, aber sie dauern keine Wochen.

Ein weiteres Signal ist der Druck. Betrüger erzeugen künstliche Notsituationen, die sofortiges Handeln erfordern. Sie lassen ihren Opfern keine Zeit zum Nachdenken. Auch der Wunsch, sofort zusammenzuziehen oder sehr schnell von Heirat zu sprechen, ist oft Taktik, um emotionale Abhängigkeit zu schaffen.

Die Rolle der sozialen Medien

Inzwischen organisieren sich die betroffenen Frauen. In geschlossenen Facebook-Gruppen und Line-Chats teilen sie Fotos und Geschichten, um andere zu warnen. Gesichter werden unkenntlich gemacht oder nur teilweise gezeigt, um die strengen thailändischen Verleumdungsgesetze (Defamation Laws) nicht zu verletzen, aber die Warnungen sind eindeutig.

Durch diese Vernetzung gelingt es manchmal, Täter zu enttarnen. Frauen stellen fest, dass sie mit demselben Mann zusammen sind, der bei der einen als Immobilienmakler, bei der anderen als Erbe eines Unternehmens auftritt. Diese kollektive Intelligenz ist oft effektiver als die behördliche Verfolgung.

Behördliche Maßnahmen

Die thailändischen Behörden haben renovierte Einreisebestimmungen eingeführt, um „Begpackers“ und kriminelle Touristen besser zu überwachen. Biometrische Erfassungen sind Standard. Doch Betrüger, die sich illegal im Land aufhalten (Overstay), finden immer noch Nischen. Sie wohnen privat, melden sich nicht bei der Immigration und zahlen alles bar.

Wenn ein solcher Betrüger gefasst wird, ist der Grund meist nicht der Betrug an der Frau, sondern der abgelaufene Aufenthaltsstatus. Die Abschiebung ist die Folge. Das hilft den Opfern zwar emotional, bringt ihnen aber ihr Geld meist nicht zurück.

Prävention ist der beste Schutz

Der wichtigste Rat an thailändische Frauen lautet heute: Überprüfe die Identität. Ein Foto vom Reisepass, ein Besuch am angeblichen Arbeitsplatz oder ein Videocall mit der Familie in der Heimat können helfen, die Geschichte zu verifizieren. Wahre Liebe hält Überprüfungen stand.

Es ist ein schmerzhafter Lernprozess in einer Gesellschaft, die traditionell sehr gastfreundlich ist. Aber die Globalisierung des Betrugs zwingt zu mehr Vorsicht. Aom hat ihre Lektion auf die harte Tour gelernt. Sie hofft nun, dass ihre Geschichte anderen Frauen hilft, nicht auf die schönen Augen und die falschen Versprechen hereinzufallen.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer

Drei Monate später gibt es eine kleine Wendung in Aoms Fall. Durch die Vernetzung in einer der Online-Warn-Gruppen meldet sich eine Frau aus Hua Hin. Sie hat einen Mann wiedererkannt, der auf die Beschreibung passt. Er nennt sich dort „Markus“, aber die Masche mit der gesperrten Kreditkarte ist identisch.

Aom und die andere Frau koordinieren sich und gehen gemeinsam zur Polizei. Mit zwei Anzeigen und identischem Modus Operandi steigt das Interesse der Beamten. Es ist nun kein privater Streit mehr, sondern gewerbsmäßiger Betrug am Touristenort, was dem Image Thailands schadet.

Das Ende des falschen Prinzen

Die Polizei in Hua Hin stellt dem Mann eine Falle. Bei einer inszenierten Geldübergabe klicken die Handschellen. Es stellt sich heraus, dass Julian alias Markus seit zwei Jahren ohne gültiges Visum in Thailand lebt. Er wird wegen illegalen Aufenthalts und Betrugs angeklagt.

Zwar ist das Geld, das Aom ihm gab, längst ausgegeben, doch die Genugtuung ist groß. Er wird nicht ungestraft davonkommen. Aom hat immer noch Schulden, insgesamt über 2.000 Euro, die sie abarbeiten muss. Aber sie hat ihre Würde zurückgewonnen, indem sie nicht geschwiegen hat. Sie ist vom Opfer zur Kämpferin geworden.

Anmerkung der Redaktion

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3 Kommentare zu „Europäer zockt Thai-Frauen ab

    1. Andersrum wurde oft erklärt , dass viele Thais arm sind und eine Familie unterstützt werden muss. In Deutschland sind die Sozial Kassen leer, Arbeitsplätze gehen verloren oder sind stark gefährdet, die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Viele haben dadurch finanzielle Probleme, so wendet sich das Blatt. Zocken Frauen ab, arbeiten ohne Arbeitserlaubnis und abgelaufenen Visum.

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