SAMUT PRAKAN – Eine 47-jährige Frau verstarb nach exzessivem Alkoholkonsum, weil niemand medizinische Hilfe rief. Die Anwesenden hielten sie für betrunken. Die Polizei ermittelt wegen unterlassener Hilfeleistung.
Todesfall erst nach Stunden entdeckt
Gegen 18:30 Uhr am 19. Januar trafen Polizei und Rettungskräfte in einem Haus nahe dem Wat Rat Pho Thong ein. Im Erdgeschoss fanden sie die leblose Warinthorn (47). „Sie war bereits seit mindestens drei Stunden tot“, so ein Ermittler vor Ort.
Neben ihr standen leere Alkoholflaschen und Essensreste. Es gab keine Anzeichen eines Kampfes oder äußerer Gewalteinwirkung. Die Umstände deuteten auf einen medizinischen Notfall hin, der nicht rechtzeitig erkannt wurde.
Zeugen berichten vom Tagesablauf
Die Hausbesitzerin Khanittha (64) kannte die Verstorbene seit zwei Jahren. Es war der erste Besuch zum gemeinsamen Trinken. Gegen 11 Uhr morgens sei Warinthorn mit Getränken und Essen angekommen. Ihr Ehemann stieß um 13 Uhr dazu. Die Stimmung war angeblich gelöst.
Doch dann verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Die 47-Jährige wurde zunehmend benommen, klagte über Unwohlsein und verlor schließlich das Bewusstsein. Nach einem kurzen Moment, in dem sie sich wieder aufrichtete, kollabierte sie erneut und blieb regungslos liegen.
Niemand alarmierte den Rettungsdienst
Die Anwesenden interpretierten ihren Zustand als gewöhnlichen Alkoholrausch. Sie gingen davon aus, dass die Frau lediglich ihren Rausch ausschlafe. Niemand rief einen Notarzt oder prüfte ihre Vitalfunktionen. Diese fatale Fehleinschätzung erwies sich als folgenschwerer Fehler.
Erst als der Ehemann am Abend zurückkehrte, um sie abzuholen, stellte er fest, dass seine Frau nicht mehr atmete. Er alarmierte umgehend die Rettungskräfte, doch jede Hilfe kam zu spät. Die Frau war bereits seit mehreren Stunden verstorben.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die Ermittler von der Mueang Samut Prakan Polizeistation gehen derzeit von einem tragischen Unglück aus. Der Hauptverdacht richtet sich auf extremen Alkoholkonsum in Verbindung mit einer bisher unentdeckten Vorerkrankung. Eine schnelle medizinische Versorgung hätte möglicherweise ihr Leben retten können.
Die Ergebnisse der Obduktion sollen nun Klarheit über die genaue Todesursache bringen. Der Ehemann und die Hausbesitzerin werden derzeit eingehend befragt. Dabei geht es um die genauen Umstände des Vorfalls und die Frage der unterlassenen Hilfeleistung. Die Behörden prüfen, ob strafrechtliche Konsequenzen folgen werden.
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Alkoholproblematik in Thailand nimmt zu
Der Vorfall steht nicht isoliert da. Fast zeitgleich wurde in Buriram ein 54-jähriger Mann tot in seinem Haus aufgefunden. Auch in diesem Fall hatte übermäßiger Alkoholkonsum eine zentrale Rolle gespielt. Solche Vorfälle häufen sich landesweit und werfen Fragen zur öffentlichen Gesundheitsversorgung und Präventionsarbeit auf.
In Thailand stellen Alkoholexzesse ein zunehmendes gesellschaftliches Problem dar, das regelmäßig in Tragödien mündet. Die Hemmschwelle, bei bewusstlosen Personen professionelle Hilfe zu holen, ist vielerorts noch zu hoch. Oft fehlt das Bewusstsein dafür, dass Bewusstlosigkeit immer ein potentiell lebensbedrohlicher Zustand sein kann.
Behörden warnen vor Fehleinschätzungen
Die Polizei nutzt den aktuellen Vorfall für eine dringende Aufklärungskampagne. „Eine bewusstlose Person ist immer ein medizinischer Notfall. Zögern Sie nicht, den Rettungsdienst unter der Nummer 1669 zu rufen“, betont ein Sprecher der Behörden. Selbst wenn sich der Verdacht auf einen harmlosen Rausch bestätigen sollte, sei ein Notruf die richtige Entscheidung.
Experten empfehlen, bei bewusstlosen Personen grundsätzlich die Atmung zu überprüfen und sie in die stabile Seitenlage zu bringen. Im Zweifelsfall sollte immer medizinisches Fachpersonal hinzugezogen werden. Die Angst vor vermeintlich unnötigen Einsätzen darf nicht dazu führen, dass Menschenleben gefährdet werden.
Familie sucht nach Antworten
Für die Familie von Warinthorn beginnt eine schmerzhafte Zeit der Trauer und der Verarbeitung. Neben dem Verlust lastet die quälende Frage, ob der Tod hätte verhindert werden können. Die Angehörigen fordern eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse und hoffen auf Konsequenzen, die ähnliche Fälle in Zukunft verhindern.
Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Bis die Obduktionsergebnisse vorliegen, bleibt die genaue Todesursache unklar. Fest steht jedoch, dass rechtzeitige medizinische Hilfe möglicherweise einen Unterschied gemacht hätte. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein gesellschaftliches Problem, das mehr Aufmerksamkeit und Prävention erfordert.
Präventionsmaßnahmen dringend erforderlich
Gesundheitsexperten fordern verstärkte Aufklärungsarbeit über die Gefahren von Alkoholmissbrauch und die richtige Reaktion in Notfallsituationen. Erstens sollten landesweite Informationskampagnen die Bevölkerung für die Risiken sensibilisieren, zweitens sollten Erste-Hilfe-Kurse flächendeckend angeboten werden und drittens müsse die Verfügbarkeit von Rettungsdiensten in ländlichen Gebieten verbessert werden.
Der tragische Tod von Warinthorn könnte als Wendepunkt dienen, um das Bewusstsein für verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und die Bedeutung schneller medizinischer Hilfe zu schärfen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Behörden, Gesundheitseinrichtungen und Zivilgesellschaft lassen sich ähnliche Tragödien künftig vermeiden.



