Genießen Sie thailändisches Essen mit Diabetes

Genießen Sie thailändisches Essen mit Diabetes
Photo by Alyssa Kowalski on Unsplash

Kulinarische Genüsse und gesundheitliche Risiken

Ein wertvoller Leitfaden des Bumrungrad Krankenhauses in Bangkok erläutert, wie Sie thailändisches Essen als Diabetiker genießen können. Der unverwechselbare süß-salzig-scharf-saure Geschmack der thailändischen Küche ist weltweit bekannt und wird oft mit frischen Kräutern, Gewürzen und Gemüse assoziiert. Diese Zutaten gelten im Vergleich zu schweren Backwaren oder stark verarbeiteten Lebensmitteln westlicher Prägung oft als gesündere Option.

Dennoch ist die Annahme, eine Ernährung auf Basis thailändischer Gerichte sei pauschal gesünder, nicht uneingeschränkt zutreffend. Eine unkritische Betrachtung kann irreführend sein, da viele Gerichte versteckte Zucker- und Fettquellen enthalten. Es ist daher essenziell, die Zusammensetzung der Speisen genau zu prüfen, anstatt sich allein auf das positive Image der Küche zu verlassen.

Verbreitung von Diabetes und lokale Herausforderungen

Weltweit leiden über 422 Millionen Menschen an Diabetes, wobei die Statistiken weiterhin steigende Tendenzen aufweisen. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen ist an Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) erkrankt, was das Bewusstsein für eine angepasste Ernährung dringender denn je macht. In Thailand stellt die riesige Auswahl an köstlichen, aber oft zuckerhaltigen Speisen eine besondere Herausforderung für die Blutzuckerkontrolle dar.

Viele klassische thailändische Gerichte bieten zwar eine gesunde Balance aus dunklem Blattgemüse, rohen Zutaten und gedämpftem Fisch. Gleichzeitig werden jedoch Säfte oft stark gesüßt, Snacks in Palmöl frittiert und herzhafte Speisen großzügig mit weißem Zucker und Natriumglutamat angereichert. Diabetiker müssen daher sorgfältig abwägen, welche Speisen sie konsumieren, um gesundheitliche Nachteile zu vermeiden.

Versteckte Inhaltsstoffe und verarbeitete Lebensmittel

Neben den traditionellen Gerichten nimmt auch in Thailand der Konsum von Junkfood und industriell verarbeiteten Snacks zu. Diese Produkte werden zunehmend als schnelle Alternative zu nahrhaften Mahlzeiten vermarktet, was die Problematik verschärft. Besonders die allgegenwärtige Verfügbarkeit von zuckerhaltigen Getränken und fetthaltigen Zwischenmahlzeiten erschwert eine konsequente Diät.

Ein spezifisches Risiko stellen kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke dar, die im tropischen Klima sehr beliebt sind. Sie enthalten oft Phosphor, welcher den Kalziumverlust über die Nieren verstärken kann. Studien deuten darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen niedrigen Kalziumspiegeln und der Entwicklung oder Verschlechterung von T2DM bestehen könnte.

Bedeutung der Portionsgrößen und Reiswahl

Die epidemiologische Situation ist seit Jahren bekannt. Bereits 2010 berichtete Food Safety News, dass der prozentuale Anteil der Thais mit Diabetes höher lag als in den USA. Ein zentrales Problem ist hierbei die Portionskontrolle, insbesondere beim Reis, der idealerweise nur ein Viertel des Tellers ausmachen sollte, während Gemüse die Hälfte und Protein ein weiteres Viertel einnehmen.

Als Alternative zu weißem Reis empfiehlt sich brauner Reis oder der populäre Riceberry-Reis. Diese Sorten verfügen über einen niedrigeren glykämischen Index (GI), wodurch der Einfluss der Kohlenhydrate auf den Anstieg des Blutzuckerspiegels verringert wird. Die bewusste Wahl der Beilage ist somit ein einfacher, aber effektiver Hebel im Ernährungsmanagement.

Natürliche Unterstützung gegen Insulinresistenz

Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen eine Insulinresistenz, die zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten führt. Bestimmte Nahrungsmittel können hier gegensteuern: Aminosäuren wie Isoleucin, enthalten in Aloe Vera, unterstützen die Reparatur der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Dies kann Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) senken und die Insulinfunktion verbessern.

Auch die Bittermelone wird wegen ihrer Inhaltsstoffe wie Charantin und Polypeptid-p geschätzt, die den Blutzuckerspiegel senken können. Ebenso wirken Ingwer und weißer Daikon-Rettich entzündungshemmend. Wichtig ist jedoch: Wer bereits Diabetesmedikamente einnimmt, sollte vor dem regelmäßigen Verzehr von Bittermelone zwingend ärztlichen Rat einholen, um Wechselwirkungen auszuschließen.

Gewürze und Ballaststoffe in der Ernährung

Kräuter und Gewürze spielen in der thailändischen Küche eine zentrale Rolle und können positive Effekte haben. Dem Thai-Basilikum, Hauptzutat im beliebten Gericht „Gaprow“ (Krapao), werden vorteilhafte Eigenschaften für Diabetiker zugeschrieben, auch wenn die wissenschaftliche Beweislage hierzu noch nicht abschließend ist. Bewiesener ist die Wirkung von Zimt, von dem bereits ein Teelöffel helfen kann, den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

Generell unterstützt eine ballaststoffreiche Ernährung den Stoffwechsel. Spezielle Fasern wie Beta-Glucan, die beispielsweise in Bierhefe vorkommen, können die Glukosetoleranz des Körpers verbessern. Die Integration solcher Zutaten in den täglichen Speiseplan ist eine sinnvolle begleitende Maßnahme.

Empfehlungen für die Bestellung im Restaurant

Wer im Restaurant isst, kann durch gezielte Kommunikation Einfluss auf die Zubereitung nehmen. Der Hinweis „waan noi“ signalisiert dem Koch den Wunsch nach weniger Zucker, während „mai sai nam tan“ bedeutet, dass gar kein Zucker hinzugefügt werden soll. Solche Anpassungen sind bei vielen frisch zubereiteten Gerichten problemlos möglich.

Empfehlenswert sind frische, würzige Salate wie der Yam-Nudelsalat oder der klassische Som Tam (Papayasalat), sofern man die Menge der Sauce im Blick behält. Auch gebratener Wasserspinat oder der grüne Mangosalat Yam Ma-Muang sind schmackhafte Optionen, die bei sparsamer Verwendung von Dressing gut in einen Diätplan passen.

Gesunde Alternativen und der Umgang mit Fetten

Als Vorspeise bieten sich Reispapier-Frühlingsrollen im vietnamesischen Stil an, da sie nicht frittiert sind und viel frisches Gemüse enthalten. Bei den Suppen ist die klare, scharf-saure Tom Yum Goong mit Garnelen oft eine leichtere Wahl als schwere Currys auf Basis von Kokoscreme. Dennoch gibt es auch zum Thema Kokos differenzierte Ansichten.

Ein Artikel im „Diabetes Metabolism Research Review“ (2009) wies darauf hin, dass die im Kokosöl enthaltenen mittelkettigen Triglyceride bei der Blutzuckerregulation helfen könnten. Da Kokosöl jedoch gleichzeitig reich an gesättigten Fettsäuren ist, bleibt ein moderater Konsum der Schlüssel. Erfreulicherweise wächst in Thailand das Angebot an „Clean Food“ und pflanzenbasierten Gerichten, die traditionelle Rezepte mit weniger Öl und Zucker neu interpretieren.

Kohlenhydratreiche Gerichte und Zuckerfallen

Bestimmte Klassiker der thailändischen Küche sind für Diabetiker weniger geeignet. Nudelgerichte wie Pad Thai oder gebratener Reis sind sehr kohlenhydratreich und werden oft unter Verwendung von viel Öl und Zucker zubereitet. Auch Klebreis hat einen ungünstigen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und kann für T2DM-Patienten problematischer sein als gedämpfter weißer Reis.

Besondere Vorsicht ist bei Getränken wie Thai-Eistee oder Eiskaffee geboten. Diese enthalten häufig große Mengen Zucker sowie Kondensmilch, was den Kalorien- und Fettgehalt drastisch erhöht. Auch die traditionell sehr süßen thailändischen Desserts sollten eher die Ausnahme bleiben. Gegrillte Snacks sind hier oft die bessere Alternative zu frittierten oder stark gezuckerten Speisen.

Medizinische Beratung und Lebensqualität

Der Umgang mit Typ-2-Diabetes ist eng mit der Ernährung verknüpft. Eine fundierte Anpassung der Essgewohnheiten kann die Lebensqualität signifikant verbessern und das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen minimieren. Aufklärung und bewusste Entscheidungen bei der Nahrungswahl sind dabei die wichtigsten Werkzeuge für Betroffene.

Für eine individuelle Betreuung bietet das Ernährungsberatungsteam des Bumrungrad Krankenhauses spezialisierte Pläne und Beratungen an. Weitere Informationen erhalten Interessierte direkt beim Endocrinology, Diabetes & Clinical Nutrition​ Center​ (08:00–20:00 Uhr unter 02-0113984-5; 20:00–08:00 Uhr unter +662 066 8888).

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Ein Kommentar zu „Genießen Sie thailändisches Essen mit Diabetes

  1. Danke für den kompakten Bericht. Ich war im Bumrungrad Hospital und genoss die Ernährungsberatung.
    Ich habe mich entschlossen, wie besprochen, alles zu Essen, einfach in kleinen Mengen.
    Vor allem das weglassen von Süssigkeiten, alles nicht, ab und zu mal ein kleines Dessert, oft einen Rest stehen lassen, das liegt auch drin.
    Ich messe den Blutzucker jeden Morgen und jeden Abend vor dem Esen, schreibe das auf und anfänglich auch immer, was ich tagsüber gegessen hatte.
    Diese Erfassung hilft mir sehr, genau das einzuhalten, was für mich gut ist, somit hatte ich innerhalb 7 Monaten ganze 21kg abgenommen.
    Ich werde weiterhin genaue Kontrolle machen, Insulin brauche ich nicht mehr zu spritzen, ich konnte umstellen auf Tablette, was ebenfalls sehr gut funktioniert.
    Ich bin sehr froh, habe ich damals im Spital gut aufgepasst und fühle mich sehr wohl.
    Übrigens, ich brauchte sehr wenig Insulin, jetzt auch sehr selten eine Tablette.
    Es liegt jedem Menschen am eigenen Ermessen, wie er sich organisiert und den Zuckerhaushalt im Griff behält.

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