BANGKOK, THAILAND – Der Preis für Gold ist auf dem Weltmarkt auf neue Höhen gestiegen, weil Anleger angesichts der eskalierenden Gewalt im Nahen Osten verstärkt in den klassischen sicheren Hafen flüchten. Gleichzeitig verteuert ein stärkerer US-Dollar das in Dollar notierte Edelmetall für Käufer mit anderen Währungen, ohne den Aufwärtstrend bisher zu bremsen.
Goldrally im Schatten des Konflikts
Der Spotpreis für Gold legte am 2. März auf dem New Yorker Markt um 0,4 Prozent auf 5.297,31 US-Dollar je Feinunze zu, nachdem er in der Sitzung zuvor zeitweise um mehr als 2 Prozent gesprungen war.
Bereits am 29. Januar hatte das Metall mit rund 5.594,82 US-Dollar ein Rekordhoch markiert und sich seither auf hohem Niveau behauptet.
Militärschläge heizen Unsicherheit an
Auslöser der jüngsten Preisbewegung waren neue US- und israelische Luftangriffe auf Iran, gefolgt von iranischen Vergeltungsaktionen und Attacken auf weitere arabische Staaten.
Die Luftkriegsführung weitete sich am Montag aus, als Israel Ziele im Libanon angriff, nachdem die Schiitenmiliz Hisbollah attackiert hatte, während Teheran weiter Raketen und Drohnen auf Golfstaaten abfeuerte.
Markt sucht Orientierung im Krisenmodus
Der US-Futureskontrakt auf Gold schloss am Montag 1,2 Prozent höher bei 5.311,60 US-Dollar, während der US-Dollar-Index um 1 Prozent zulegte und damit Gold für Nicht-Dollar-Anleger verteuerte.
„Der Markt versucht derzeit einzuschätzen, ob es in den kommenden Wochen weitere Angriffe geben wird“, sagte David Meger, Leiter Metallhandel bei High Ridge Futures, und fügte hinzu, „diese Unsicherheit dürfte die Preise stützen“.
Ölpreisschock und Zentralbanken als Käufer
Die Angriffe zwangen zur Stilllegung von Öl- und Gasanlagen in der Region und störten den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus, wodurch Öl- und Gaspreise deutlich anzogen.
Analysten von SP Angel erklärten, die zunehmende geopolitische Zersplitterung habe Notenbanken der BRIC-Staaten dazu veranlasst, ihre Bestände an dollardenominierten Anlagen zu reduzieren und stattdessen Goldreserven aufzustocken, und sie rechneten mit einer Fortsetzung dieses Trends.
Rekordjagd und Anlegerströme
Gold hat seit Jahresbeginn fast 25 Prozent an Wert gewonnen, nach einem kräftigen Anstieg um 64 Prozent im Jahr 2025, getragen von starken Käufen der Zentralbanken, hohen Zuflüssen in ETFs und einer lockereren US-Geldpolitik.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Die Bank BNP Paribas betonte, dass die Nachfrage von Investoren nach physischem Gold in diesem Jahr ein zentraler Preistreiber sein dürfte und dem mehrjährigen Aufwärtstrend zusätzlichen Schwung verliehen habe.
Morgenhandel in Asien und Blick auf Daten
Am Dienstagmorgen stieg der Spotpreis laut Bloomberg in Singapur um weitere 0,4 Prozent auf 5.342,99 US-Dollar, während Silber, Platin und Palladium ebenfalls zulegten.
Gold verteuerte sich damit bereits den fünften Handelstag in Folge und blieb zu Handelsbeginn in Asien über 5.340 US-Dollar, nachdem die Notierung in der vorangegangenen Sitzung um 0,8 Prozent geschlossen hatte.
Dollarbewegungen, Zinsen und Inflationsängste
Der Bloomberg Dollar Spot Index gab am Dienstagmorgen um 0,1 Prozent nach, nachdem er am Vortag noch 0,7 Prozent höher geschlossen hatte und damit die üblichen Belastungsfaktoren für Gold nur teilweise wirksam waren.
Der Sprung der Öl- und Gaspreise schürt Inflationssorgen in den USA, drückt die Kurse von US-Staatsanleihen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve ihren Leitzins länger unverändert lässt, wobei Investoren eine Zinssenkung nun erst bis September einpreisen.
Trumps Drohungen und verschobene Zinserwartungen
US-Präsident Donald Trump kündigte am Montag eine „große Welle“ weiterer Angriffe an und erklärte, die militärischen Aktionen gegen Iran würden so lange fortgesetzt, wie es nötig sei.
Während Iran Öl- und Gasinfrastruktur attackiert und die Schifffahrt in der Region bedroht, verstärkt das Szenario ausgedehnter Kampfhandlungen den Ruf von Gold als Wertspeicher und sicherem Hafen, auch wenn höhere Zinsen das zinslose Metall üblicherweise belasten.
Folgen für Handel und andere Metalle
Drei Branchenquellen berichten, dass die Goldströme in und aus dem Handelsdrehkreuz Dubai in den kommenden Tagen deutlich zurückgehen dürften, weil Fluggesellschaften aufgrund des Konflikts zahlreiche Verbindungen streichen.
Auf dem Datenkalender richten Marktteilnehmer ihren Blick in dieser Woche zudem auf den ADP-Arbeitsmarktbericht, die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe und den offiziellen Bericht zu den US-Non-Farm-Payrolls.
Silber, Platin und Palladium unter Druck und Erholung
Während Gold neue Rekordmarken in Reichweite hält, fiel Spot-Silber am Montag zunächst um 5,7 Prozent auf 88,46 US-Dollar je Unze, nachdem es zuvor den höchsten Stand seit dem 30. Januar erreicht hatte.
Am Dienstagmorgen drehte Silber jedoch laut Bloomberg wieder ins Plus und stieg um 0,6 Prozent auf 89,87 US-Dollar, während Platin und Palladium sowohl im späten Montagshandel als auch zum Start in Asien zulegen konnten.



Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: