+++ Jahresendaktion: Thai lernen mit 26 % Rabatt - Code: THAI26 +++

Hun Sen droht in Thailand lebenden Kambodschanern mit Enteignung

Zehntausende Kambodschaner fliehen aus Thailand
The Nation

Tausende kambodschanische Arbeitsmigranten in Thailand sehen sich derzeit mit drastischen Drohungen aus Phnom Penh konfrontiert. Wer nicht umgehend zurückkehrt, soll laut dem Regime von Hun Sen und Premierminister Hun Manet nicht nur sein Eigentum und Land in Kambodscha verlieren, sondern auch die Staatsbürgerschaft – und möglicherweise strafrechtlich verfolgt werden. Hintergrund sind schwere Gefechte an der Grenze, bei denen nach thailändischen Angaben rund 3.000 kambodschanische Soldaten ums Leben gekommen sein sollen.

Massenrückkehr nach Politikwechsel in Phnom Penh

Seit Anfang letzter Woche kehren tausende kambodschanische Migranten aus Thailand in ihre Heimat zurück. Die Regierung in Phnom Penh, die bisher Rückkehrer mit zinsgünstigen Krediten und anderen Anreizen locken wollte, hat ihre Strategie abrupt geändert. Unter der Kontrolle von Ex-Premier Hun Sen und dessen Sohn Hun Manet, der das Amt des Regierungschefs innehat, wurden nun harte Drohungen ausgesprochen.

Verwandte in Kambodscha riefen ihre Familienangehörigen in Thailand an und übermittelten dringende Botschaften der Regierung: Wer nicht sofort zurückkehrt, riskiert den Verlust von Eigentum, Land und sogar der Staatsangehörigkeit. Diese Drohungen lösten bei vielen Betroffenen Angst aus – zahlreiche entschieden sich zur Rückkehr.

Anhaltende Spannungen trotz Waffenstillstand

Die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die Spannungen entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Obwohl bei einem regionalen Treffen kürzlich ein 13-Punkte-Waffenstillstand vereinbart wurde, bleibt die Lage angespannt. Thailands 2. Armee kündigte an, die Grenzsicherung in der Provinz Sa Kaeo zu verstärken und hohe Stacheldrahtzäune zu errichten, um illegale Grenzübertritte und kriminelle Aktivitäten einzudämmen.

Zugleich verschärft Thailand sein Vorgehen gegen den in Kambodscha ansässigen Online-Betrug, was den Druck auf Phnom Penh zusätzlich erhöht.

Am Sonntag erklärte Generalleutnant Boonsin Padklang, Kommandeur der Royal Thai Army im Konfliktgebiet, vor Journalisten, dass Thailand davon ausgehe, dass in den viertägigen Gefechten zwischen dem 24. und 28. Juli mindestens 3.000 kambodschanische Soldaten gefallen seien. Grund dafür sei unter anderem, dass Kambodscha große Truppenverbände direkt gegen stark befestigte Stellungen der thailändischen Armee entsendet habe.

Thailändische Wirtschaft unter Druck

Die Rückkehr der Arbeitsmigranten hat gravierende Folgen für zahlreiche Branchen in Thailand, insbesondere Bauwirtschaft, Industrie und Produktion. Auf einer Luxus-Baustelle im Unterbezirk Pong (Provinz Chonburi) berichtete Bauunternehmer Chitipat Chanthong, dass Dutzende seiner kambodschanischen Mitarbeiter trotz Bitten geblieben zu sein, in ihre Heimat zurückgekehrt seien.

Die Anrufe aus Kambodscha hätten bei den Arbeitern Panik ausgelöst. Neben Drohungen über Land- und Eigentumsverluste kursierten auch Gerüchte, Thais könnten den Arbeitern Schaden zufügen. Fast alle seiner kambodschanischen Mitarbeiter seien gegangen – nur sieben oder acht seien geblieben.

Angst vor Schuldenfalle und Existenzverlust

Einige wenige Migranten bleiben dennoch in Thailand – oft aus wirtschaftlicher Not. So auch Dam, 40, der seit über fünf Jahren im Land arbeitet. Er fürchtet um die Sicherheit seiner Familie nahe der Grenze, will aber seine Arbeit nicht aufgeben. „Ich habe Geld geliehen, um ein Haus zu bauen. Wenn ich jetzt zurückkehre, ruiniere ich mich finanziell“, sagte er.

Auch der Tourismus- und Produktionssektor leidet. In einer Speedbootfabrik in Chonburi sind seit Beginn der Krise über die Hälfte der kambodschanischen Belegschaft heimgekehrt. Firmenchef Sitthikorn Pomthong warnte, dass dies die Produktion gefährde und zum wirtschaftlichen Kollaps führen könne.

Einzelne halten dem Druck stand

Einige wie Ta, 34, bleiben bewusst in Thailand. Er vertraut seinem Arbeitgeber und glaubt, dass die thailändische Regierung kambodschanische Arbeiter respektiert. Um sich nicht zusätzlich zu beunruhigen, meidet er kambodschanische Nachrichten. „Thailand ist ein sicherer Ort für kambodschanische Arbeiter“, sagt er und ruft zu Frieden und Verständnis zwischen den Völkern auf.

Lange Schlangen an der Grenze

Am Grenzübergang Ban Khlong Luek in Sa Kaeo beobachteten Reporter Hunderte Kambodschaner, die in langen Schlangen auf ihre Heimreise warteten. Viele führten Kinder und Enkel mit sich. Während einige offen von Drohungen berichteten, gaben andere an, lediglich ihre Familien besuchen zu wollen. Mehrere erklärten, sie wollten zurück nach Thailand kommen, sobald sich die Lage beruhige – die Jobchancen seien dort besser.

Tiefe Verunsicherung und wirtschaftliche Folgen

Offizielle Zahlen des thailändischen Arbeitsministeriums weisen 287.557 registrierte kambodschanische Arbeitskräfte aus, Beobachter gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Bereits im Juli hatte die thailändische Sonderermittlungsbehörde DSI einen großangelegten Betrug aufgedeckt, in den hochrangige kambodschanische Regierungsstellen verwickelt sein sollen.

Beide Länder stehen nun vor einer akuten Herausforderung: Diplomatie und Schutz der Rechte von Arbeitsmigranten sind entscheidend, um die Lage zu stabilisieren.

Militärische Sicherheitspriorität nach Angriffen

Gleichzeitig bleibt das thailändische Militär wachsam. Die massiven Raketen- und Artillerieangriffe aus Kambodscha vom 24. bis 28. Juli, bei denen 17 Zivilisten und 15 thailändische Soldaten getötet wurden, haben in der Bevölkerung Empörung ausgelöst. Die 2. Armee hat die Grenzregion unter ihre Kontrolle gebracht und setzt auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen.

Der von den USA, Malaysia und China vermittelte Waffenstillstand, der am 29. Juli in Kraft trat, hat die Kämpfe vorerst gestoppt. Doch das Misstrauen bleibt – auf beiden Seiten der Grenze.

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.