Modernisierung mit Folgen für Ihr Geld
Wer Geld nach Thailand sendet, hat in jüngster Zeit vielleicht bemerkt, dass nicht mehr alles so läuft wie gewohnt. Der thailändische Bankensektor durchläuft derzeit eine massive Modernisierungswelle. Ziel ist es, den Zahlungsverkehr durch digitale Systeme schneller, sicherer und effizienter zu machen. Das klingt erst einmal gut, bringt aber auch unvermeidliche Umstellungen für ausländische Zahlungsdienstleister mit sich.
Diese technischen Upgrades im Hintergrund haben direkte Auswirkungen auf beliebte Dienste wie Wise. Die Schnittstellen zwischen den internationalen Systemen und den lokalen thailändischen Banken werden neu sortiert. Für Nutzer bedeutet das: Was gestern noch funktionierte, kann heute plötzlich abgelehnt werden. Es ist wichtig, jetzt genau hinzuschauen, wohin das Geld fließen soll.
Warum manche Überweisungen jetzt klemmen
Das Hauptproblem liegt in der Erreichbarkeit bestimmter Bankkonten. Im Zuge der Systemumstellung wurden einige Verbindungen gekappt oder pausiert. Wise arbeitet mit lokalen Partnern in Thailand zusammen, um Gebühren zu sparen. Wenn diese Partnerbanken ihre technische Anbindung an bestimmte Zielinstitute ändern, ist der Weg für das Geld vorübergehend oder dauerhaft versperrt.
Das führt dazu, dass Überweisungen zu einigen Banken momentan gar nicht mehr möglich sind. Wer versucht, diese Konten in der App auszuwählen, erhält eine Fehlermeldung oder findet die Bank gar nicht mehr in der Liste. Es handelt sich hierbei nicht um einen Fehler von Wise, sondern um eine strukturelle Änderung der thailändischen Finanzinfrastruktur, auf die reagiert werden muss.
Der Unterschied: Inland vs. Ausland
Ein technisches Detail ist für den Kunden besonders wichtig zu verstehen: Wise-Zahlungen kommen fast immer als lokale Inlandsüberweisung beim Empfänger an. Das Geld reist nicht als klassische Auslandsüberweisung um die Welt, sondern wird von einem Wise-Partnerkonto innerhalb Thailands weitergeleitet. Das sorgt für die extrem niedrigen Gebühren und das hohe Tempo.
Dieser Mechanismus hat jedoch eine Kehrseite, die durch die neuen strengeren Regeln noch relevanter wird. Da das Geld scheinbar aus dem Inland kommt, fehlt auf dem Kontoauszug des Empfängers oft die Kennzeichnung „Internationaler Transfer“. Für alltägliche Ausgaben ist das egal, aber wer offizielle Nachweise für Behörden braucht, steht nun vor einer neuen Herausforderung.
Schnelligkeit ist nicht alles
Die meisten Überweisungen, die durchgehen, sind rasend schnell. Dank des thailändischen PromptPay-Systems landet das Geld oft in Sekunden auf dem Zielkonto. Doch Geschwindigkeit ist nicht der einzige Faktor. Die Dokumentation dieser Zahlungen ist komplizierter geworden. Früher waren Banken oft kulant, heute fordern die automatisierten Systeme absolute Präzision bei allen Daten.
Wer größere Anschaffungen plant oder ein Visum verlängern muss, sollte sich nicht mehr blind auf die alten Abläufe verlassen. Die Zeiten, in denen man einfach Geld sendete und davon ausging, dass die Bank schon erkennen wird, dass es aus Europa kommt, sind vorbei. Man muss sich nun aktiv um die korrekten Belege kümmern, was mehr Planungsaufwand bedeutet.
Der Stichtag: Neue Regeln seit Mai 2025
Alle diese Beobachtungen und Veränderungen haben ein konkretes Startdatum. Seit dem 6. Mai 2025 gelten die neuen, verschärften Bedingungen für Überweisungen in Thai Baht (THB) ganz offiziell. An diesem Tag wurden die neuen Schnittstellenprotokolle aktiviert und die Liste der unterstützten Banken radikal bereinigt.
Es ist also keine vorübergehende Störung, sondern der neue Standard, der seit Mai 2025 in Kraft ist. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen müssen sich dauerhaft darauf einstellen. Die Änderungen sind Teil der nationalen Strategie Thailands, den Zahlungsverkehr zu digitalisieren, und es ist nicht zu erwarten, dass zu den alten, lockereren Regeln zurückgekehrt wird.
Diese Banken sind raus (Internationale Institute)
Seit dem Stichtag im Mai 2025 sind diverse Banken über Wise nicht mehr für THB-Transfers erreichbar. Besonders betroffen sind internationale Großbanken mit Filialen in Thailand. Dazu gehören prominente Namen wie die Citibank, Deutsche Bank, HSBC, BNP Paribas und die Bank of China. Auch die Standard Chartered Bank und United Overseas Bank (UOB) sind auf der Streichliste.
Das bedeutet konkret: Sie können kein Geld mehr günstig via Wise auf Konten bei diesen Instituten überweisen. Kunden dieser Banken müssen entweder auf teure klassische SWIFT-Überweisungen ihrer Hausbank ausweichen oder – was oft einfacher ist – der Empfänger muss ein Konto bei einer der noch unterstützten thailändischen Banken eröffnen.
Diese Banken sind raus (Lokale Institute)
Nicht nur die internationalen Namen sind betroffen, auch einige spezialisierte thailändische Institute sind über Wise nicht mehr ansteuerbar. Dazu zählen die Government Housing Bank, die oft für Immobilienkredite genutzt wird, sowie die Bank for Agriculture and Agricultural Cooperatives. Auch die Islamic Bank of Thailand und die TISCO Bank sind derzeit außen vor.
Die Liste der nicht unterstützten Banken ist lang und umfasst auch kleinere Akteure wie die Thai Credit Retail Bank oder die Land and Houses Retail Bank. Wer hier sein Hauptkonto hat, wird feststellen, dass Wise-Transfers abgelehnt werden. Es ist ratsam, vor jeder Überweisung in der App zu prüfen, ob die Zielbank noch aktiv ausgewählt werden kann.
Die großen Gewinner: Weiterhin unterstützte Banken
Zum Glück bleiben die wichtigsten thailändischen Großbanken, bei denen die meisten Menschen ihre Konten haben, weiterhin voll erreichbar. Die Bangkok Bank und die Kasikorn Bank (K-Bank) stehen an der Spitze der Liste. Auch die Siam Commercial Bank (SCB), erkennbar an der lila Farbe, funktioniert weiterhin problemlos mit Wise.
Ebenfalls unterstützt werden die Krung Thai Bank, die Bank of Ayudhya (Krungsri) und die CIMB Thai Bank. Auch die Kiatnakin Phatra Bank und die staatliche Government Savings Bank sind weiterhin im Netzwerk. Wer ein Konto bei einer dieser großen Banken hat, kann aufatmen: Der Geldfluss ist hier grundsätzlich gesichert, wenn auch mit neuen Limits.
Neue Obergrenzen für Bangkok Bank und Kasikorn
Mit den neuen Regeln wurden auch Limits für den Betrag pro einzelner Überweisung eingeführt. Die Bangkok Bank und die Kasikorn Bank bieten hier die meisten Freiheiten. Sie können bis zu 2.000.000 THB (zwei Millionen Baht) in einem einzigen Rutsch überweisen. Das sind umgerechnet, je nach Kurs, etwa 52.000 bis 53.000 Euro.
Diese hohe Grenze ist ideal für große Ausgaben wie Immobilienkäufe oder Fahrzeugerwerb. Sollten Sie mehr Geld senden müssen, ist das kein Hindernis: Sie können einfach mehrere Überweisungen hintereinander tätigen. Die Begrenzung gilt nur pro Transaktion („per Transfer“), nicht pro Tag oder pro Monat.
Limits bei SCB und anderen Banken
Bei der Siam Commercial Bank (SCB) liegt die Latte etwas niedriger, aber immer noch in einem sehr komfortablen Bereich. Hier ist bei knapp 1,5 Millionen Baht (genau 1.499.999 THB) pro Überweisung Schluss. Für die allermeisten Lebenssituationen und auch geschäftliche Rechnungen reicht dieser Betrag völlig aus.
Strenger sind die Regeln bei der Bank of Ayudhya (Krungsri), der Krung Thai Bank und der CIMB Thai Bank. Hier greift ein Limit von 500.000 THB pro Transfer (ca. 13.000 Euro). Wer hier größere Summen bewegen will, muss fleißig tippen und den Gesamtbetrag in mehrere 500.000er-Tranchen aufteilen. Das ist etwas mühsamer, funktioniert aber technisch einwandfrei.
Penible Genauigkeit beim Namen
Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Datenqualität. Das System verzeiht seit Mai 2025 keine Tippfehler mehr. Der Name des Empfängers bei Wise muss exakt, Buchstabe für Buchstabe, mit dem Namen übereinstimmen, der bei der thailändischen Bank hinterlegt ist. Abkürzungen oder Spitznamen führen fast garantiert zu einer Ablehnung oder Verzögerung.
Achten Sie besonders auf die Reihenfolge. In Thailand werden Vor- und Nachnamen oft vertauscht oder akademische Titel sind Teil des Kontonamens. Ein fehlendes Mittelinitial oder ein „Mrs.“ zu viel kann schon Probleme machen. Am besten bitten Sie den Empfänger um ein Foto der ersten Seite des Bankbuchs und tippen den Namen genau so ab.
Kontonummer und Verwendungszweck
Auch bei der Kontonummer ist Sorgfalt geboten. Thailändische Nummern sind zwischen 10 und 16 Ziffern lang. Geben Sie diese immer ohne Bindestriche oder Leerzeichen ein. Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung der Bank, da einige Logos sich ähneln. Stellen Sie sicher, dass Sie in der App wirklich die Bank auswählen, zu der die Kontonummer gehört.
Der Verwendungszweck ist ebenfalls wichtiger geworden. Da die Überweisungen automatisiert geprüft werden, hilft ein klarer englischer Begriff wie „Family Support“, „Salary“ oder „Purchase of Goods“. Vermeiden Sie deutsche Umlaute oder unklare Abkürzungen. Je präziser die Angabe, desto reibungsloser läuft die Zuordnung bei der Empfängerbank.
Das fehlende „FET“-Formular
Ein großer Stolperstein für Immobilienkäufer ist das sogenannte FET-Formular (Foreign Exchange Transaction Form). Da Wise lokale Partner nutzt, werden die Geldeingänge in Thailand nicht automatisch als internationale Transfers markiert. Wise selbst kann Ihnen dieses offizielle Bankdokument nicht ausstellen, da sie keine thailändische Banklizenz besitzen.
Das PDF, das Sie bei Wise als Zahlungsbeleg herunterladen können, reicht für thailändische Landämter oft nicht aus, um eine Eigentumswohnung auf Ihren Namen zu registrieren. Hierfür wird zwingend der formale Banknachweis benötigt, der bestätigt, dass Devisen aus dem Ausland ins Land gebracht wurden. Hier müssen Sie nun selbst aktiv werden.
Lösungsweg: Bangkok Bank
Kunden der Bangkok Bank haben es noch vergleichsweise einfach, an den nötigen Nachweis zu kommen. Wenn eine Wise-Überweisung eingegangen ist, muss der Empfänger persönlich in seine Filiale gehen. Mitzubringen sind der Reisepass, das Bankbuch und der Ausdruck der Wise-Bestätigung.
In der Filiale kann dann eine Bestätigung über den Eingang aus dem Ausland („Credit Advice“ oder ähnliches) beantragt werden. Manchmal muss die Filiale Rücksprache mit der Zentrale halten, was Zeit kosten kann. Planen Sie diesen Behördengang also nicht auf den letzten Drücker vor einem Notartermin ein.
Lösungsweg: Kasikorn Bank
Bei der Kasikorn Bank ist der Prozess etwas spezieller. Normale kleine Filialen in Shopping-Malls sind oft überfordert und können diese speziellen Dokumente nicht ausstellen. Die Bank verweist Kunden dafür an ihre „International Trade Centres“. Das sind spezialisierte Büros für den Außenhandel.
Der Empfänger muss herausfinden, wo das nächste dieser Zentren liegt, und dort persönlich vorstellig werden. Auch hier sind Pass und Bankbuch Pflicht. Es ist ratsam, vorher dort anzurufen, um sicherzustellen, dass man nicht umsonst fährt. Dieser zusätzliche Aufwand ist der Preis für die günstigen Wise-Gebühren.
Lösungsweg: Siam Commercial Bank (SCB)
Die SCB zeigt sich hier sehr modern und kundenfreundlich. Sie bietet einen Service an, bei dem die Transferbestätigung per E-Mail angefordert werden kann. Man muss dafür nicht zwingend in die Filiale. Ein Anruf beim Call-Center reicht oft aus, um den Prozess anzustoßen.
Nach der Verifizierung am Telefon sendet die Bank das Dokument innerhalb von etwa drei Werktagen an die hinterlegte E-Mail-Adresse. Diese digitalen Bestätigungen sind offiziell anerkannt. Das spart Zeit und Nerven, setzt aber voraus, dass man sich am Telefon auf Englisch oder Thai verständigen kann.
Wann SWIFT die bessere Wahl ist
Aufgrund all dieser Hürden mit den Nachweisen gibt es Situationen, in denen Wise vielleicht nicht die beste Wahl ist. Wenn Sie absolut sichergehen müssen, dass ein Geldtransfer sofort und ohne Diskussionen als „international“ anerkannt wird, ist die klassische SWIFT-Überweisung Ihrer Hausbank die sicherere Option.
Bei SWIFT läuft das Geld direkt durch das internationale Bankennetzwerk. Der Empfänger sieht sofort „International Transfer“ auf dem Auszug und bekommt die nötigen Formulare (FET) automatisch oder sehr einfach von seiner Bank. Für den Immobilienkauf ist SWIFT oft der stressfreiere Weg, auch wenn er deutlich teurer ist.
Der Preisvergleich: Wise vs. SWIFT
Der Kostenunterschied ist allerdings gewaltig. Eine Überweisung von 10.000 Euro kostet bei Wise meist nur zwischen 40 und 60 Euro Gebühr, und Sie bekommen einen sehr fairen Wechselkurs. Das Geld kommt fast ohne Abzüge an. SWIFT hingegen langt kräftig zu.
Bei einer klassischen Banküberweisung zahlen Sie Gebühren bei Ihrer Bank, Gebühren bei Zwischenbanken und oft noch eine Empfangsgebühr in Thailand. Dazu kommt meist ein schlechterer Wechselkurs. Ein Verlust von 150 bis 250 Euro bei derselben Summe ist keine Seltenheit. Sie zahlen also einen hohen Aufpreis für den „offiziellen“ Papierkram.
Zeitversatz und das Jahr 2568
Noch ein kleiner Hinweis zur Zeitplanung: Während Überweisungen zur Kasikorn oder SCB meist sofort da sind, braucht die Bangkok Bank oft bis zu 24 Stunden, um das Geld gutzuschreiben. Werden Sie also nicht nervös, wenn das Geld bei der Bangkok Bank nicht sofort aufblinkt – das ist normal.
Achten Sie zudem auf das Datum auf thailändischen Bankbelegen. Thailand nutzt die buddhistische Zeitrechnung, die unserer um 543 Jahre voraus ist. Das Jahr 2025 ist dort das Jahr 2568, das Jahr 2026 ist 2569. Wundern Sie sich also nicht über diese „Zukunftszahlen“ auf Ihren Dokumenten – sie sind völlig korrekt.
Fazit und Checkliste
Zusammenfassend lässt sich sagen: Überweisungen mit Wise bleiben attraktiv, erfordern aber seit Mai 2025 mehr Aufmerksamkeit. Prüfen Sie vorab: Ist die Zielbank unterstützt? Stimmt der Name zu 100 %? Passt der Betrag ins Limit? Und brauche ich einen offiziellen Nachweis für das Landamt?
Wenn Sie nur Geld für den Lebensunterhalt schicken, bleibt Wise unschlagbar günstig und schnell. Für den Hauskauf sollten Sie abwägen, ob die Ersparnis den Mehraufwand bei der Dokumentenbeschaffung wert ist. Mit guter Vorbereitung und Kenntnis der neuen Regeln kommen Sie aber auch weiterhin sicher ans Ziel.
Hinweis: Dieser Leitfaden basiert auf Informationen von Wise sowie öffentlichen Quellen der Bank of Thailand (Stand: Januar 2026). Details können sich ändern. Bei Abweichungen oder Ergänzungen freuen wir uns über Rückmeldungen in den Kommentaren.




Vielen Dank für diesen äußerst informativen, sorgfältig recherchierten und in weiten Teilen sehr umfassenden Artikel. Die praktischen Auswirkungen der jüngsten Änderungen bei Wise-Überweisungen nach Thailand werden nachvollziehbar und differenziert dargestellt.
Eine aus meiner Sicht noch interessante Ergänzung wäre eine kurze Einordnung zu SWIFT-Überweisungen auf Fremdwährungskonten (z. B. EUR-, AUD- oder USD-Konten) bei thailändischen Banken. Zwar verfügen nicht alle im Ausland lebenden Kunden über ein entsprechendes Fremdwährungskonto in Thailand, dennoch wäre es aufschlussreich zu erfahren, welche Erkenntnisse Ihre Recherche hierzu ergeben hat – insbesondere in Bezug auf Verfügbarkeit, Kostenstruktur, Bearbeitungszeiten sowie die Anerkennung als formaler internationaler Zahlungseingang.
Eine solche Betrachtung würde den ohnehin sehr hilfreichen Überblick sinnvoll abrunden und Lesern, die auf internationale Zahlungsnachweise angewiesen sind, zusätzliche Orientierung bieten.
Nochmals vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag.