Iran-Krieg treibt Flugpreise nach Thailand in die Höhe

Flüge nach Thailand werden teurer, weil arabische Drehkreuze wegen des Iran-Kriegs gesperrt oder eingeschränkt sind. Umwege über Istanbul und Singapur treiben die Preise. Europa und vor allem das Mittelmeer profitieren – aber Mallorca kostet jetzt 30 Euro nur für den Strandplatz.

Etihad-Odyssee: Flug weg, Kundenservice weg – gestrandet in Thailand
Photo by Stroopsniper Lenn on Unsplash

Wer gerade einen Flug nach Thailand buchen will, erlebt einen Preisschock: Economy-Tickets von München nach Bangkok kosten bei der Lufthansa derzeit mehr als 3.200 Euro – und das ist kein Ausrutscher, sondern die direkte Folge des Kriegs im Iran. Die Golf-Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha, über die ein großer Teil des europäischen Asienverkehrs läuft, lagen ab Ende Februar 2026 weitgehend lahm. Inzwischen fliegen Emirates, Etihad und Qatar Airways wieder – aber auf deutlich reduziertem Niveau und abhängig von der täglichen Luftraumlage.

Für Deutschsprachige, die Thailand besuchen oder dort leben, hat das konkrete Konsequenzen: teurere Tickets, längere Reisezeiten, gestrichene Pauschalangebote in die Golfstaaten – und eine thailändische Tourismusbranche, die sich gerade erst von den Corona-Jahren erholt hatte und nun erneut unter Druck steht. Dieser Beitrag erklärt, was hinter den Preissprüngen steckt, welche Reiseziele profitieren und was Experten über die Dauerhaftigkeit dieser Entwicklung sagen.

Warum Flüge nach Thailand plötzlich das Dreifache kosten

Der Mechanismus ist schnell erklärt: Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad transportierten bisher einen Großteil der europäischen Passagiere nach Asien über ihre Hubs in Dubai, Doha und Abu Dhabi. Nach dem Kriegsausbruch am 28. Februar 2026 stellten alle drei den Betrieb zunächst vollständig ein. Inzwischen fliegen sie wieder – Emirates bedient rund 110 Destinationen, Etihad rund 80, Qatar Airways schrittweise mehr.

Laut dem Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt hatten die Golfgesellschaften vor der Krise rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgewickelt. Diese Kapazitäten sind noch längst nicht vollständig wiederhergestellt, und die Lage bleibt vom täglichen Luftraumstatus abhängig.

Europäische Airlines weichen auf Istanbul und Singapur aus, was längere Flugrouten und höhere Betriebskosten bedeutet. Dazu kommt ein stark gestiegener Kerosinpreis: Die Straße von Hormuz – ein zentraler Öltransportweg – ist durch den Konflikt blockiert, was das verfügbare Kerosin verknappt und verteuert hat. Tourismus-Experte Prof. Harald Zeiss von der Hochschule Harz fasste es so zusammen: Verbindungen nach Bangkok seien um das Zwei- bis Fünffache teurer geworden, weil der kürzere Weg über den Persischen Golf nicht mehr möglich sei und die Umwege erhebliche Mehrkosten verursachten.

Frühbucher sind geschützt – alle anderen zahlen den Marktpreis

Wer Thailand-Reisen bereits vor dem Kriegsausbruch gebucht und bezahlt hat, ist auf der sicheren Seite. Gültige Verträge und geleistete Anzahlungen schützen vor nachträglichen Preiserhöhungen – egal ob Flüge teurer werden, Mietwagenpreise steigen oder Hotels ihre Tarife anpassen. Tui-Sprecher Aage Dünhaupt bestätigte gegenüber t-online: Im Fernreisebereich steigen die Preise spürbar an. Bei Vorausbuchungen trügen die Veranstalter die Mehrkosten, bei Neubuchungen zahle der Kunde.

Interessant: Etihad lockt derzeit mit vergleichsweise tiefen Preisen – Bangkok via Abu Dhabi ist ab Zürich teils für rund 540 Franken retour buchbar – weil Kapazität vorhanden ist, die Nachfrage aber noch zögerlich reagiert. Das Auswärtige Amt warnt jedoch weiterhin vor Umsteigeverbindungen über die Golfregion. Viele deutsche Reiseveranstalter bieten diese Routen deshalb offiziell nicht an. Wer direkt bei der Airline bucht, trägt das Risiko selbst.

Die Schweizer Airline Swiss meldete, ihre Flüge nach Bangkok seien aktuell nahezu ausgebucht – nicht wegen Preiserhöhungen, sondern weil die günstigen Kontingente rasch vergriffen sind. Wer flexibel auf Abflughafen und Reisezeitraum ausweichen kann – etwa Wien, Zürich oder Düsseldorf statt Frankfurt, oder Reisen in der Nebensaison – findet noch akzeptable Konditionen.

Pauschalreisen in die Golfstaaten: Komplettausfall

Für Reisende, die einen Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Qatar oder Bahrain gebucht hatten, gibt es keine guten Nachrichten: Deutsche Reiseveranstalter haben sämtliche Pauschalreisen in diese Region abgesagt. Grundlage sind die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Das trifft vor allem jene, die sich von der intensiven Werbung arabischer Fremdenverkehrsbehörden hatte überzeugen lassen.

Betroffen sind auch die Tui-Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4″ und „Mein Schiff 5″, die zunächst in Abu Dhabi und Doha lagen und per Luftbrücke evakuiert wurden. Da der Suezkanal für die Rückfahrt gemieden wird, nehmen die Schiffe den langen Weg um das Kap der Guten Hoffnung. Ein Vorgang, der die logistischen Ausmaße dieser Krise veranschaulicht.

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Thailand spürt den Einbruch – besonders Phuket

Die Folgen sind in Thailand selbst bereits spürbar. Der Tourism Council of Thailand warnte, dass bei anhaltender Krise innerhalb eines Monats bis zu 300.000 internationale Besucher fehlen könnten. Phuket gilt dabei als besonders anfällig, weil viele europäische Luxusreisende bevorzugt mit Golf-Airlines anreisen. Die Tourismusbehörde TAT hat mittlerweile ein Lagezentrum eingerichtet, das intern als „War Room“ bezeichnet wird, um Buchungstrends, Flugkapazitäten und Treibstoffpreise täglich zu beobachten.

Thailand hatte 2025 knapp 33 Millionen ausländische Besucher – mehr als jeder fünfte kam aus Europa oder dem Nahen Osten. Der Ölpreisschock trifft auch die Inlandslogistik: Am Bangkoker Suvarnabhumi-Flughafen sind statt der üblichen 6.000 Taxis derzeit nur rund 2.500 im Einsatz, weil viele Fahrer wegen der gestiegenen Treibstoffkosten keine langen Strecken mehr übernehmen. Eine weitere Belastung, die Thailand-Reisenden vor Ort begegnet.

Europa gewinnt – Mallorca, Türkei und Griechenland profitieren

Wer auf Fernreisen verzichtet, weicht auf Europa aus – und das zeigen die Buchungszahlen deutlich. Bei Tui entfallen drei Viertel aller Sommerbuchungen auf europäische Ziele. An der Spitze stehen die klassischen Mittelmeerregionen: Mallorca, Antalya, Kreta, Rhodos und die Kanarischen Inseln. Eurowings meldete zu Ostern einen überraschenden Mallorca-Boom; zusätzliche Flüge waren rasch ausgebucht.

Mallorca versucht dabei, sein Image zu wandeln: Die Insel zieht mittlerweile auch US-amerikanische Gäste an, und die Strandinfrastruktur soll teurer werden – ein Liegeplatz kostet diesen Sommer rund 30 Euro am Tag für zwei Personen. Wer also bei steigenden Fernreise-Preisen auf Europa ausweicht, muss auch dort mit höheren Kosten rechnen als in der Vorsaison.

Wird es sich wieder normalisieren – oder ist das der neue Standard?

Deutsche unternahmen 2024 laut Statistischem Bundesamt 114 Millionen Auslandsreisen – ein Rekordwert, 15 Prozent mehr als vor der Pandemie. Die Reiselust ist ungebrochen. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verschoben. DRV-Sprecher Torsten Schäfer sagte: Geopolitische Konflikte könnten den Tourismus kurzfristig abbremsen, langfristig änderten sie aber nichts an der Reiselust der Deutschen. Tourismusforscher Julian Reif von der Fachhochschule Heide sieht das differenzierter: Es gehe nicht nur um einen kurzfristigen Schock, sondern um eine strukturelle Veränderung der Reisebedingungen.

Einen wichtigen Hinweis liefert auch Prof. Zeiss: Die Airlines haben ihren Treibstoffbedarf oft weit im Voraus zu festen Preisen gesichert – über sogenanntes Fuel Hedging. Derzeit zehren viele Carrier noch von diesen Reserven. Wenn die bestehenden Verträge auslaufen und Kerosin zu aktuellen Marktpreisen nachgekauft werden muss, könnten die vollen Preissteigerungen erst im Herbst und Winter in den Ticketpreisen sichtbar werden. Wer eine Reise nach Thailand plant, sollte das beim Timing seiner Buchung berücksichtigen.

Was jetzt zu tun ist

Wer Thailand-Reisen konkret plant, sollte nicht auf sinkende Preise warten. Die aktuellen Airline-Hedge-Verträge puffern die Kosten noch ab – spätestens im Herbst dürfte sich das ändern. Wer flexibel beim Abflughafen ist und auf Nebensaison ausweicht (Mai bis Oktober), findet noch Tickets zu akzeptablen Preisen. Wer eine Krankenversicherung für Thailand benötigt, sollte außerdem prüfen, ob die Police auch bei Annullierung oder Verspätung durch geopolitische Ereignisse greift – nicht alle Policen decken das ab.

Für Langzeitbewohner in Thailand ändert sich durch den Krieg im Iran zunächst wenig an der Einreise- oder Visasituation. Die steigenden Inlandspreise – Benzin, Lebensmittel, Taxis – sind jedoch real und dürften in den nächsten Monaten weiter anziehen. Wer in Thailand lebt und regelmäßig nach Europa fliegt, sollte Rückflüge frühzeitig sichern, solange die Fuel-Hedges der Airlines noch greifen.

Redaktionelle Hinweise

Dieser Beitrag spiegelt den Informationsstand vom April 2026 wider. Die Lage im Nahen Osten entwickelt sich täglich – Flugpreise, Streckenangebote und Reisewarnungen können sich kurzfristig ändern. Bitte informieren Sie sich vor einer Buchung beim jeweiligen Reiseveranstalter und beim Auswärtigen Amt.

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Ein Kommentar zu „Iran-Krieg treibt Flugpreise nach Thailand in die Höhe

  1. Und es wird auf absehbare Zeit nicht besser werden, leider! Zitat (und ich hoffe das geht ausnahmsweise mal durch):
    Donald Trump auf Truth Social:
    »Öffnet die verfickte Straße (von Hormus), ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben«

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