BANGKOK, THAILAND – In der Branche der thailändischen Duftkokosnuss ermittelt der Staat gegen 15 Firmen mit China-Bezug, die mutmaßlich über Strohmänner Anteile halten und so Einfluss auf Einkauf und Export gewinnen. Fallende Erzeugerpreise und ein wegbrechender China-Absatz setzen derweil viele Bauern so stark unter Druck, dass sie von Aufgabe der Plantagen sprechen.
Ermittlungen gegen mutmaßliche Strohmänner
Poonpong Naiyanapakorn, Generaldirektor der Department of Business Development im Handelsministerium, kündigte die Untersuchung nach einem Treffen mit 10 weiteren Behörden zur Preis- und Marktkrise an.
Im Fokus stehen Konstruktionen, bei denen ausländische Investoren über thailändische Anteilseigner und Direktoren formal die Regeln umgehen könnten, um Kontrolle über Teile der Lieferkette zu sichern.
Wo die 15 Firmen sitzen
Die Behörden stuften 15 Unternehmen als risikobehaftet ein, darunter 11 in Ratchaburi sowie je eines in Samut Prakan, Pathum Thani, Samut Sakhon und Bangkok.
Ermittler identifizierten zudem 10 thailändische Staatsbürger, die mutmaßlich als Anteilseigner oder Direktoren im Auftrag agierten, während einige Firmen bereits fünf bis sechs Jahre tätig waren und andere erst kürzlich gegründet wurden.
Strafrahmen und Ermittlungsbehörden
Die Fälle gingen zur weiteren Prüfung an das Central Investigation Bureau, das Department of Special Investigation und das Anti-Money Laundering Office.
Verstöße gegen das Foreign Business Law können mit bis zu drei Jahren Haft und Geldstrafen von 100.000 bis 1 Million Baht geahndet werden.
Wie integrierte Lieferketten Preise drücken können
Nach Analyse des Ministeriums bauten einige auslandsfinanzierte Betreiber integrierte Strukturen auf, pachteten Plantagen und betrieben zugleich Verarbeitung, Verpackung und Exportnetzwerke.
Diese Bündelung kann große Akteure zu dominanten Käufern machen, die Einkaufskonditionen diktieren und den Farmgate-Preis am Hof stärker beeinflussen als einzelne Erzeuger.
Mehr Anbau, mehr Ernte – und zu oft zu viel Ware
Die Anbaufläche für Duftkokosnüsse stieg von 235.903 Rai (2021) auf 305.706 Rai (2025), während die Produktion von 532.942 Tonnen auf 877.681 Tonnen wuchs.
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Das Plus von nahezu 50 Prozent führte phasenweise zu Überangebot, wodurch die Preise sanken und die Einkommen vieler Bauern unter die Kostenschwelle rutschten.
Export knickt ein – und China dominiert den Absatz
Der Exportwert fiel von 9,89 Milliarden Baht (2023) auf 6,46 Milliarden Baht (2025), während günstigere Anbieter Marktanteile abnahmen.
Rund 70 Prozent der Duftkokosnüsse gehen in den Export und davon etwa 80 Prozent nach China, doch der Anteil am chinesischen Markt sank von 75 Prozent (2023) auf etwa 48 Prozent (2025).
Bauern schlagen Alarm – 2 Baht pro Nuss
Erzeuger von der Sathing-Phra-Halbinsel in Songkhla warfen China-nahen Aufkaufzentren vor, die Preise nach unten zu drücken, und berichteten von einem Sturz von rund 10 Baht auf teils 2 Baht pro Kokosnuss.
Ware niedriger Qualität bringe teils nur 1 Baht, weshalb Bauern nach eigenen Angaben mit Verlust verkaufen oder nicht mehr ernten, und einige drohten, Bäume zu fällen und den Anbau aufzugeben.
Politik-Druck – Vorwürfe gegen verzerrte Marktmechanismen
Ein Senator, der eine Beschwerde entgegennahm, sah die Krise nicht allein im Überangebot begründet, sondern in Marktmechanismen, die großen auslandsfinanzierten Käufern über Einkauf und Export nach China übermäßige Macht geben.
Decharut Sukkumnoed, Direktor des Think Forward Center der People’s Party, sprach von sinkenden Exportpreisen und struktureller Ungleichheit, die Bauern in eine schwache Verhandlungsposition dränge.
Staatliche Gegenmittel – und ein ehrgeiziges Preisziel
Die Regierung setzte Kokosnuss auf eine „Watchlist“, erhob Pflanzdaten, kaufte begrenzt zu 5 Baht pro Frucht an und kontrollierte Aufkaufzentren, doch der durchschnittliche Farmgate-Preis lag im Februar 2026 bei etwa 3,20 Baht nach 5,75 Baht im Dezember.
Decharut forderte unter anderem die Abnahme von 20 Millionen überschüssigen Kokosnüssen zur Verarbeitung, strengere Preisaufsicht und als Ziel 7,5 Baht pro Frucht bis zum dritten Quartal 2026, während Bauern bereits mit Protesten vor dem Parlament drohten.



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