Kran stürzt auf Expresszug: Deutscher unter den Opfern

Kran stürzt auf Expresszug: Deutscher unter den Opfern
Thai Enquirer

SIKHIO, NAKHON RATCHASIMA – Ein Albtraum aus Stahl und Feuer! Ein riesiger Baukran ist auf einen voll besetzten Zug gestürzt und hat ihn zerfetzt. Mindestens 32 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Unter den Todesopfern befindet sich auch ein deutscher Staatsangehöriger. Ein schwarzer Tag für Thailand.

Deutscher stirbt neben seiner Frau – sie überlebt unverletzt

Frau Thaeo Eimer-Tenbring (63), die derzeit im Sikhio-Krankenhaus behandelt wird, schildert den Horror-Moment: Sie saß direkt neben ihrem deutschen Ehemann im dritten Waggon, als plötzlich die massiven Stahlträger des Krans durch das Zugdach krachten. Ihr Mann wurde von den Trümmern getroffen und starb sofort an Ort und Stelle – während sie selbst wie durch ein Wunder völlig unverletzt blieb.

Das Ehepaar war gerade von einem Urlaub auf Koh Samui zurückgekehrt und auf dem Weg nach Surin. „Wir sind immer mit dem Zug gereist, weil wir dachten, es sei sicher“, berichtet die verzweifelte Witwe. „Ich habe in den Nachrichten oft von Kran-Unfällen in Thailand gehört, aber nie gedacht, dass es uns treffen würde.“

Besonders dramatisch: Frau Eimer-Tenbring kann die Kinder ihres verstorbenen Mannes in Deutschland nicht erreichen, um ihnen die tragische Nachricht zu überbringen. Alle persönlichen Dokumente und ihr Bargeld gingen bei dem Unglück verloren. Sie fordert vom Bauunternehmen ITD eine angemessene Entschädigung und Unterstützung für die Hinterbliebenen.

Schwester der Überlebenden: „Ich dachte, beide wären in Sicherheit“

Jiam, die jüngere Schwester von Frau Eimer-Tenbring, erzählt von den bangen Stunden nach dem Unfall: „Normalerweise ruft meine Schwester immer an, wenn sie in den Zug steigt. Diesmal blieb es unheimlich still. Dann kam der Dorfvorsteher und sagte mir, dass der Zug verunglückt sei.“

Als sie im Krankenhaus ankam, erfuhr sie die schreckliche Wahrheit: Ihr Schwager war tot, ihre Schwester unverletzt. „Das war pure Fahrlässigkeit“, sagt Jiam mit Tränen in den Augen. „Die Verantwortlichen müssen jetzt für alle medizinischen Kosten aufkommen und sich um die Bestattung kümmern. Meine Schwester hat kein Geld mehr – alles ist weg.“

Die Familie konnte bislang keine Angehörigen des Verstorbenen in Deutschland kontaktieren, da sämtliche Dokumente bei dem Unglück am Unfallort verblieben sind.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Horror-Moment um 9 Uhr morgens

Gegen 9 Uhr morgens raste am 14. Januar der Special Express Train No. 21 von Bangkok nach Ubon Ratchathani mit etwa 120 km/h durch den Bezirk Sikhio. Plötzlich stürzte ein riesiger Montageausleger (Launching Truss) von der Hochgeschwindigkeitsstrecke herab.

Das 20 bis 30 Tonnen schwere Konstruktionsteil traf den Zug direkt auf den zweiten Wagon. Der Aufprall war verheerend: Mehrere Waggons entgleisten sofort, der getroffene Bereich fing unmittelbar Feuer.

Augenzeugen berichteten von einem infernalischen Knall, gefolgt von Staub, Rauch und Flammen. Der Zug schlitterte noch mehrere hundert Meter, bevor er völlig außer Kontrolle zum Stillstand kam.

Todesfalle im brennenden Waggon

Die Rettung wurde zur Hölle. Die automatischen Türen und versiegelten Fenster des klimatisierten Wagens versagten. Viele eingeschlossene Passagiere hatten kaum eine Chance zu entkommen.

„Die Menschen im zweiten Wagen waren gefangen. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus“, schilderte ein Rettungssanitäter. Überlebende versuchten verzweifelt, mit Not-Hämmern die Scheiben zu zerschlagen.

Insgesamt 13 Rettungsteams kämpften sich unter Lebensgefahr durch Trümmer und Flammen. Ein Lokführer rettete trotz eigener Verletzungen noch mehrere Passagiere, bevor der Rauch ihn zum Aufgeben zwang.

Kran zerquetscht Zug – Mindestens 32 Tote (Video)
Thai Enquirer

Dramatische Suche nach den Vermissten

Die Bilanz ist erschütternd: Nach Angaben der Provinzbehörden waren 99 Menschen direkt betroffen. 32 verloren ihr Leben, 64 wurden verletzt, darunter sieben lebensgefährlich. Drei Personen gelten weiterhin als vermisst.

Die Zahl der Todesopfer stieg im Laufe des Tages, als weitere Leichen aus dem verkohlten Wrack geborgen wurden. Alle Toten werden derzeit forensisch identifiziert. Ein Augenzeuge, bekannt als „Onkel Tor“, konnte noch ein Kind und dessen Mutter retten – andere in ihrem Abteil starben.

Der Verantwortliche: Italian-Thai Development (ITD)

Der Unfall ereignete sich auf der Thai-Chinesischen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Verantwortlicher Bauunternehmer ist der Baukonzern Italian-Thai Development Plc (ITD).

Der betroffene Abschnitt (Vertrag 3-4) war laut ITD zu 99,54 % fertiggestellt. Die Behörden prüfen derzeit, ob es beim Umsetzen oder Sichern des Krans zu schweren Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften kam.

ITD erklärte sich „zutiefst betrübt“ und kündigte an, für Entschädigungen, medizinische Versorgung und Schadensersatz aufzukommen. Die Staatseisenbahn kündigte parallel rechtliche Schritte an.

Kran zerquetscht Zug – Mindestens 32 Tote (Video)
Thai Enquirer

Millionenschäden und gesperrte Strecke

Nach Angaben der Staatseisenbahn von Thailand (SRT) wurden zwei Dieseltriebwagen im Wert von jeweils rund 50 Millionen Baht vollständig zerstört. Die Schäden an Gleisen und Infrastruktur summieren sich auf über 100 Millionen Baht.

Der betroffene Streckenabschnitt bleibt vorerst gesperrt. Der Bahnverkehr soll innerhalb von sieben Tagen wieder aufgenommen werden. Bis dahin werden 14 Züge im Nordosten über alternative Routen umgeleitet.

Premierminister Anutin greift durch

Amtsinhabender Premierminister Anutin Charnvirakul ordnete eine umfassende Untersuchung an. Bauunternehmen, Aufsichtsbehörden und Projektleiter sollen zur Verantwortung gezogen werden.

„Ich habe die Staatsbahn angewiesen, Strafanzeige gegen den Auftragnehmer zu erstatten“, erklärte Anutin. Auch eine mögliche Schwarze Liste für ITD steht im Raum. Die Bauarbeiten wurden sofort gestoppt.

Das 179,4 Milliarden Baht teure Prestigeprojekt Bangkok–Nong Khai erlebt damit seinen dunkelsten Tag. Die geplante Eröffnung 2027 ist nun von schweren Zweifeln überschattet.

Ein nationales Trauma

Dieses Unglück zählt zu den schwersten Eisenbahnkatastrophen Thailands. Es wirft massive Fragen zu Sicherheitsstandards, Baukontrollen und Verantwortung auf Mega-Baustellen auf.

Für die Angehörigen beginnt eine Zeit unsäglichen Leids. Für Thailand ist es ein Schock – und ein bitterer Weckruf.

🗣 Wenn Fortschritt zur Todesfalle wird

Ein moderner Zug. Ein Milliardenprojekt. Ein einziger Fehler – und Dutzende Menschen sterben eingesperrt in brennenden Waggons.

Wie konnte ein tonnenschwerer Kran über einer aktiven Bahnstrecke arbeiten?
Warum wurde der Zugverkehr nicht gestoppt?
Und wer trägt am Ende wirklich die Verantwortung?

Unglück – oder vorhersehbare Katastrophe?

Video

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thai Enquirer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert