Rente unter Palmen: Zwei Deutsche, zwei Welten
Klaus (68) und Werner (65) leben den Traum – doch wie viel kostet das Paradies wirklich?
Klaus genießt im Pool, Werner zählt jeden Baht. Beide verbringen ihren Ruhestand in Phuket – aber die Unterschiede könnten kaum größer sein. Was braucht man wirklich für ein gutes Leben in Thailand?
Der große Traum: Rente in Thailand
Klaus und Werner haben es geschafft. Beide haben Deutschland hinter sich gelassen und genießen ihren Ruhestand auf Phuket. Türkisblaues Meer, endlose Strände und ganzjährig warmes Wetter – klingt nach dem perfekten Lebensabend. Doch während Klaus entspannt am Pool liegt, rechnet Werner jeden Einkauf dreimal durch.
Der Unterschied? Das Portemonnaie. Klaus bringt monatlich rund 2.830 Euro mit, Werner muss mit 1.850 Euro auskommen. Beides sind solide deutsche Renten – aber in Phuket macht dieser Unterschied den Alltag komplett anders.
Visum: Die erste große Hürde
Wer als Rentner nach Thailand will, braucht Geduld und einen prall gefüllten Kontoauszug. Das Rentnervisum gibt es erst ab 50 Jahren. Und dann wird’s ernst: Entweder man parkt 800.000 Baht (etwa 21.000 Euro) auf einem thailändischen Konto oder weist monatlich mindestens 65.000 Baht Einkommen nach.
Klaus hat beides kombiniert – Werner kratzte sein Erspartes zusammen, um die Mindestanforderung zu erfüllen. Dazu kommt: Ohne Krankenversicherung geht gar nichts. Mindestens 400.000 Baht für stationäre und 40.000 Baht für ambulante Behandlungen müssen abgedeckt sein. Das Visum selbst kostet 1.900 Baht pro Jahr – Peanuts im Vergleich zum Aufwand drumherum.
Wohnen: Luxus oder Notwendigkeit?
Klaus hat sich was gegönnt: Ein modernes 2-Zimmer-Apartment mit Gemeinschaftspool, Fitnessstudio und Security. Kostenpunkt: 25.000 Baht im Monat, umgerechnet etwa 667 Euro. Die Anlage liegt in Karon, nur wenige Minuten vom Strand entfernt.
Werner hingegen lebt bescheiden. Sein 1-Zimmer-Apartment kostet 12.000 Baht – halb so viel wie bei Klaus. Kein Pool, kein Gym, aber sauber und funktional. Es liegt etwas außerhalb, wo weniger Touristen unterwegs sind und die Preise niedriger bleiben.
Der Killer bei beiden: die Stromrechnung. Klaus lässt die Klimaanlage laufen, wann immer er mag – 3.500 Baht im Monat. Werner schwitzt lieber und zahlt nur 1.800 Baht. Internet, Wasser und Müllgebühren schlagen bei beiden mit etwa 1.500 Baht zu Buche.
Gesundheit: Ohne Versicherung geht nichts
Klaus hat vorgesorgt. Seine private Krankenversicherung kostet 7.000 Baht monatlich – rund 187 Euro. Dafür ist alles abgedeckt: Notfälle, Zahnarzt, sogar Vorsorgeuntersuchungen. Er schläft ruhig, auch wenn mal was passiert.
Werner dagegen hat keine freiwillige Zusatzversicherung abgeschlossen. Er erfüllt nur die Mindestanforderungen fürs Visum. Ein riskantes Spiel: Ein einzelner Arztbesuch beim Spezialisten kann 1.500 bis 3.000 Baht kosten. Eine ernsthafte Erkrankung würde sein Budget sprengen.
Die öffentlichen Krankenhäuser sind günstiger – ein Besuch beim Allgemeinarzt kostet nur 200 Baht. Aber dort ist es oft überfüllt, und die Wartezeiten sind lang. Für Notfälle keine Option.
Essen: Von der Garküche bis zum Steakhouse
Werner ist Stammgast an den Straßenständen. Pad Thai, grünes Curry, Papayasalat – alles frisch zubereitet für 40 bis 60 Baht pro Mahlzeit. Das sind gerade mal 1 bis 1,50 Euro. Dreimal täglich essen gehen? In Thailand kein Problem, wenn man die richtigen Orte kennt.
Klaus liebt auch die lokale Küche, gönnt sich aber regelmäßig westliche Gerichte. Eine Pizza im Restaurant kostet 450 Baht, ein Steak mit Beilagen schnell 600 Baht. Dazu ein importiertes Bier für 150 Baht – ein Abend kann locker 1.000 Baht verschlingen.
Wer europäische Produkte vermisst, zahlt drauf. Ein Kilo deutscher Käse? Mehrere hundert Baht. Eine Flasche europäischer Wein? Ähnlich teuer. Lokale Märkte hingegen sind ein Paradies: Mangos, Papayas, Mangosteen – frisches Obst gibt’s für 40 bis 80 Baht pro Kilo.
Freizeit: Strand, Bars und Buddha
Die Strände sind für beide das Herzstück ihres neuen Lebens. Patong Beach, Kata Beach, Nai Harn – überall kostenlos, überall traumhaft. Werner läuft kilometerweit am Strand entlang oder fährt mit dem gemieteten Roller zu versteckten Buchten.
Klaus bucht sich lieber eine Bootstour zu den Phi Phi Islands oder geht schnorcheln – kostet zwischen 1.500 und 3.000 Baht, aber die Erfahrung ist es ihm wert. Beide besuchen regelmäßig Tempel wie den Wat Chalong – meist kostenlos oder gegen eine kleine Spende.
Abends trennen sich ihre Wege: Klaus zieht durch die Bars in Patong, wo ein Bier 120 Baht kostet und Live-Musik die Nacht versüßt. Werner trinkt sein Chang-Bier in lokalen Kneipen für 65 Baht und kommt mit Einheimischen ins Gespräch.
Sport und Hobbies: Vom Golfplatz zum Tai-Chi
Klaus ist begeisterter Golfer. Die Greenfees auf Phuket liegen zwischen 1.000 und 2.000 Baht pro Runde – für deutsche Verhältnisse günstig, aber bei regelmäßigem Spiel läppert es sich. Zusätzlich nutzt er das Fitnessstudio in seiner Anlage.
Werner hält sich anders fit: Tai-Chi am Strand bei Sonnenaufgang, kostenlose Yoga-Sessions in Parks oder lange Radtouren. Gelegentlich gönnt er sich einen Drop-in-Yogakurs für 500 Baht, aber meistens bleiben seine Aktivitäten gratis.
Beide sind in deutschsprachigen Expat-Gruppen aktiv. Dort werden gemeinsame Ausflüge organisiert, Stammtische abgehalten oder einfach nur Erfahrungen ausgetauscht. Für Werner besonders wichtig, um sozial angebunden zu bleiben, ohne viel Geld auszugeben.
Kultureller Respekt: Mehr als nur Tourist sein
Thailand ist buddhistisch geprägt, und Respekt wird großgeschrieben. Klaus und Werner haben schnell gelernt, den traditionellen Gruß „Wai“ zu beherrschen – Hände vor der Brust, leichte Verbeugung. In Tempeln ziehen beide die Schuhe aus und achten auf angemessene Kleidung.
Besonders wichtig: Respekt vor der Königsfamilie. Kritik am König ist in Thailand strafbar. Auch Buddha-Statuen sind heilig – niemals draufklettern oder sich respektlos verhalten. Werner hat sich sogar ein paar Thai-Grundkenntnisse angeeignet. Ein „Sawasdee“ (Guten Tag) oder „Khob khun“ (Danke) öffnet viele Türen.
Die entspannte „Mai pen rai“-Mentalität – ungefähr „Macht nichts“ oder „Kein Problem“ – hat beiden geholfen, sich einzuleben. Nichts wird in Thailand hetzig erledigt, aber am Ende klappt’s doch meistens.
Die 90-Tage-Meldung: Bürokratie bleibt
Alle 90 Tage müssen sich Rentner bei der Immigration melden. Klingt nervig – ist es auch. Klaus hat einen Agenten, der das für ihn erledigt. Kostet ein paar hundert Baht, spart aber Zeit und Nerven. Mittlerweile geht die Meldung auch online, wenn man sich einmal registriert hat.
Werner macht es selbst. Er fährt zum Immigration Office, füllt die Formulare aus und wartet. Dauert meist ein bis zwei Stunden, aber spart Geld. Wichtig: Die Frist nicht verpassen, sonst drohen Strafen.
Wer Thailand zwischendurch verlassen will – etwa für einen Trip nach Vietnam oder Kambodscha – braucht ein Re-Entry Permit. Ohne dieses erlischt das Visum automatisch. Klaus hat ein Multi-Entry-Visum für 3.800 Baht pro Jahr, damit kann er rein und raus, wie er will.
Die Rechnung: Klaus vs. Werner
Klaus gibt monatlich etwa 37.000 Baht für Fixkosten aus – Miete, Strom, Internet, Versicherung. Bleiben ihm noch 69.000 Baht zum Leben und Genießen. Damit kann er sich Restaurants, Ausflüge und gelegentliche Luxuskäufe leisten, ohne rechnen zu müssen.
Werner zahlt nur 15.300 Baht an Fixkosten. Ohne Versicherung und mit einfacher Unterkunft bleibt ihm immerhin noch 54.000 Baht. Klingt nach viel, aber ohne finanzielles Polster ist jede größere Ausgabe – ein kaputtes Smartphone, ein Arztbesuch – ein kleines Drama.
Beide kommen klar, aber auf unterschiedlichem Niveau. Klaus lebt komfortabel, Werner pragmatisch. Beide genießen Phuket – nur eben auf ihre eigene Art.
Praktische Tipps für Rentner in Thailand
Erstens: Budgetplanung ist alles. Fixkosten wie Miete, Visum und Versicherung müssen vom ersten Baht an eingeplant werden. Variable Ausgaben wie Essen und Freizeit lassen sich anpassen.
Zweitens: Krankenversicherung ist kein Luxus, sondern überlebenswichtig. Auch wenn die Prämien wehtun – eine schwere Krankheit ohne Versicherung ruiniert jede Rente.
Drittens: Wohnung in Ruhe aussuchen. Die erste Bleibe muss nicht die letzte sein. Viele Rentner ziehen nach ein paar Monaten um, wenn sie bessere Angebote finden oder merken, dass die Lage nicht passt.
Viertens: Soziale Kontakte pflegen. Expat-Gruppen, deutschsprachige Stammtische oder internationale Clubs helfen gegen Einsamkeit und bieten günstige Freizeitmöglichkeiten.
Fazit: Thailand ist machbar – mit realistischen Erwartungen
Klaus und Werner zeigen: Thailand als Rentner funktioniert – mit 2.800 Euro genauso wie mit 1.850 Euro. Der Unterschied liegt im Lebensstil. Wer bereit ist, auf Luxus zu verzichten und sich auf die lokale Lebensweise einzulassen, kommt auch mit kleinem Budget zurecht.
Wichtig ist ehrliche Planung. Wer jeden Monat am Limit lebt, hat keinen Puffer für Notfälle. Wer dagegen Rücklagen hat oder etwas mehr Rente mitbringt, kann das Paradies in vollen Zügen genießen.
Am Ende ist Phuket das, was man draus macht. Für Klaus bedeutet es Komfort und gelegentlicher Luxus. Für Werner bedeutet es Freiheit und neue Erfahrungen. Beides ist richtig – solange die Rechnung aufgeht.



