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Lissabon: 16 Tote – Kommission ermittelt

Lissabon: 16 Tote – Kommission ermittelt
Thairath

Trauer am Elevador da Glória: Lissabon hält inne

Vor der Trasse des Elevador da Glória stehen Menschen still. Viele legen Blumen nieder, andere bekreuzigen sich kurz und gehen weiter. In ihren Gesichtern liegt Fassungslosigkeit über das Seilbahnunglück mit 16 Toten. „Das hätte ich sein können“, sagen Passanten immer wieder. Monika Sandeberry wohnt um die Ecke. „Ich bin so traurig“, sagt sie leise. „Die Leute wollten doch nur in Frieden einen Ausflug machen.“ Der Ort, sonst ein Fotomotiv, wird an diesem Tag zum Platz der Anteilnahme und der leisen Worte.

Auch Rita Mendes kommt mit ihren Eltern. „Wir bringen oft Freunde und Touristen hierher und zeigen ihnen das typische Lissabon“, sagt sie. Heute fühle sich der Blick auf die steilen Hügel anders an. Das gelbe Gefährt steht für viele für Stolz und Alltag zugleich. „Dieser Ort ist ein Highlight. Das soll er bleiben“, so Mendes. Einen nationalen Trauertag ruft die Stadt aus. Touristinnen und Touristen versichern am Ort, sie stehen an der Seite der Menschen in Lissabon.

Wut über Wartung: Carris unter Druck

Neben Trauer mischt sich Kritik. „Der Unfall zeigt, dass sich die städtischen Betriebe zu wenig kümmern“, sagt Luis Sá, 61, der sein Leben lang in Lissabon wohnt. Er spricht von kaputten Klimaanlagen und löchrigem Boden in Fahrzeugen. Viele nicken. Die Worte treffen einen Nerv: Wer täglich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, sieht Mängel oft zuerst. Die Erwartungen sind klar: Transparenz, Investitionen, Konsequenzen.

Der Verkehrsbetrieb Carris widerspricht. Alles sei vorschriftsgemäß gelaufen, Wartungen seien planmäßig erfolgt, heißt es. Diese Darstellung steht nun im Raum – und unter Beobachtung. Für die Öffentlichkeit zählt nur, was eine Prüfung ergibt. Die Wartungsprotokolle werden eine zentrale Rolle spielen. Die Stadtspitze verspricht Aufklärung. Bis dahin gilt: Betroffenheit ja, Vorverurteilungen nein. Auch Gewerkschaften und Fachleute fordern eine saubere, dokumentierte Bestandsaufnahme.

Ursache unklar: Unabhängige Kommission ermittelt zum Seilbahnunglück mit 16 Toten

Die Ursache bleibt offen. Premierminister Luís Montenegro tritt am Mittag vor die Presse. Er zeigt sich tief betroffen, sagt den Angehörigen Unterstützung zu und spricht von einer der schwersten Tragödien der jüngeren Geschichte Portugals. Der Schmerz kenne keine Nationalität. Unter den Opfern sind nach ersten Angaben auch Touristen. Offizielle Identitäten der Toten liegen noch nicht vor. Unter den Verletzten befinden sich laut Behörden auch zwei Deutsche.

Bürgermeister Carlos Moedas mahnt zur Geduld. Keine Spekulationen, erst Fakten. Eine unabhängige Kommission soll alle technischen und organisatorischen Abläufe prüfen: Material, Bremssysteme, Seilführung, Wartungsintervalle, Notfallabläufe, Schulungen. Ergebnisse sollen öffentlich werden. Das ist entscheidend für Vertrauen – und für die Sicherheit künftiger Fahrten. Bis dahin hält Lissabon inne. Menschen trauern, helfen, erinnern. Die Stadt sucht Antworten. Und sie erwartet, dass sie kommen.

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