Mega-Betrug in Pattaya: Deutscher flüchtig!

Mega-Betrug in Pattaya: Deutscher flüchtig!
KhaoSod, Thai Examiner

PATTAYA, THAILAND – Ein mutmaßlicher Anlagebetrug mit mehr als 300 Millionen Baht Schaden hat in Pattaya und darüber hinaus hunderte ausländische und thailändische Anleger getroffen. Die thailändische Economic Crime Suppression Division (ECSD) nahm einen 52‑jährigen Briten und fünf Thailänderinnen fest, während ein deutscher Verdächtiger weiter auf der Flucht ist.

Ermittler zerschlagen angebliches Investmentnetzwerk

Die Central Investigation Bureau (CIB) stellte den Fall am Freitag in einer außerordentlichen Pressekonferenz vor. Bereits am 23. Januar 2026 hatten die Ermittler die Verhaftungen nach monatelangen Recherchen bekannt gegeben. Die Festnahmen erfolgten in koordinierten Einsätzen in den Provinzen Chon Buri und Nakhon Ratchasima.

Laut Pol Lt Gen Natthasak Chaowanasai, dem Chef der CIB, sitzen derzeit sechs Verdächtige in Untersuchungshaft. „Ein weiterer Verdächtiger, ein deutscher Staatsangehöriger, wird noch gesucht“, bestätigte er. Insgesamt wurden Haftbefehle gegen sieben Personen erwirkt.

King Power Gold – ein Name für Seriosität, aber keine echten Anlagen

Im Zentrum des mutmaßlichen Betrugs steht ein Netzwerk, das unter dem Namen „King Power Gold“ auftrat. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um ein transnationales Anlagebetrugssyndikat, das den Namen gezielt wählte, um Seriosität und Vertrautheit zu suggerieren.

Der Brite, identifiziert als Bradley, 52 Jahre alt, und fünf Thailänderinnen mit den Vornamen Pornphreuruehat, Thongbai, Mananchaya, Khamporn und Thidarat sollen als Organisatoren aufgetreten sein. Nach offiziellen Angaben sind die Nachnamen bewusst nicht veröffentlicht worden.

Rentner im Visier – Luxus-Locations für „Info-Abende“

Die Ermittler gehen davon aus, dass Pornphreuruehat die mutmaßliche Anführerin war. Sie betrieb in Süd-Pattaya ein Restaurant und eine Bar, die laut Polizei als Treffpunkt zur Anbahnung von Kontakten diente. Dort sollen insbesondere ausländische Rentner mit Ersparnissen angesprochen worden sein.

Nach ersten Gesprächen wurden die Interessenten zu formellen Präsentationen eingeladen. Diese fanden in Fünf-Sterne-Hotels und Luxusrestaurants in Pattaya statt. Die gehobenen Orte wurden nach Angaben der Ermittler bewusst gewählt, um den Eindruck von finanziellem Erfolg und Professionalität zu erzeugen.

Versprochene Renditen bis zu 3.680 Prozent

Die Polizei berichtet, dass das Verfahren im April des Vorjahres ins Rollen kam, als erste thailändische und ausländische Opfer bei der ECSD Anzeige erstatteten. Sie schilderten, sie seien in ein Aktienhandelsmodell gelockt worden, das außergewöhnlich hohe Renditen versprach – von 181 Prozent bis zu 3.680 Prozent pro Jahr.

Die Verdächtigen hätten sich als „Weltklasse-Aktienhändler“ mit Zugang zu globalen Märkten ausgegeben, teilten die Ermittler mit. Zur Untermauerung sei eine Firma namens King Power Gold Business Development Co. gegründet worden. Später stellte sich laut Polizei heraus, dass keinerlei reale Investmenttätigkeit stattgefunden habe.

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Falsche Bank-Partnerschaften und wertlose Versicherungen

Die Gruppe soll zudem behauptet haben, mit führenden thailändischen Banken zusammenzuarbeiten und großvolumige Börsengeschäfte abzuwickeln. Finanzprüfungen ergaben nach Angaben der Behörden jedoch keine Belege für solche Kooperationen und keinerlei Aktienhandel.

Zur Absicherung wurden in privaten LINE- und WhatsApp-Gruppen Verträge als angebliche „Investmentversicherungen“ verbreitet. Die Polizei stellte später fest, dass es sich in Wahrheit um normale Lebensversicherungen ohne Anlegerschutz handelte. Ergänzend traten Personen als angebliche Garanten auf, um Gewinne und Auszahlungen zu „sichern“ – nach Darstellung der Ermittler ebenfalls frei erfunden.

Ponzi-System mit über 100 Konten und Bargeldabhebungen

Pol Maj Gen Thatphum Jaruprat, Kommandeur der ECSD, erläuterte, dass die Geldströme durch über 100 Bankkonten liefen. Insgesamt seien mehr als 300 Millionen Baht bewegt worden. Umfangreiche interne Umbuchungen seien registriert worden, häufig mit hohen Bargeldabhebungen kurz nach Geldeingang.

Im Zuge abgestimmter Razzien stellten Beamte umfangreiche Beweismittel sicher: 13 Kartons mit Unterlagen zu Anlageplänen und Investorenlisten, 10 Mobiltelefone, drei Laptops, ein Tablet, dazu sechs Bankbücher, vier Scheckhefte und 30 ausgestellte Schecks mit Nennbeträgen in Milliardenhöhe. Ermittlungen ergaben, dass die zugehörigen Konten bereits geschlossen waren.

Die Polizei wertet die Struktur als klassisches Ponzi-System: „Es gab keinen externen Investmentertrag. Gelder neuer Anleger wurden genutzt, um frühere Teilnehmer zu bedienen“, so die Ermittler. Dadurch sei der Eindruck regelmäßiger Renditen erzeugt worden.

Über 400 Opfer – Schaden wohl höher als 300 Millionen Baht

Die Behörden zählten bislang mehr als 400 Geschädigte, darunter Thais und Ausländer, viele davon Rentner in Pattaya. Die bestätigten Verluste lägen bei über 300 Millionen Baht, teilte die Polizei mit. Der tatsächliche Schaden könne jedoch noch steigen, da weitere Betroffene identifiziert und vernommen werden.

Laut Pol Col Chamnan Chanthet, Leiter der ECSD Division 4, war Pornphreuruehat Hauptinhaberin der zentralen Konten und erhielt demnach direkte Überweisungen der Opfer. Bradley soll eine Schlüsselrolle bei der Anwerbung ausländischer Investoren gespielt und Opferlisten zusammengetragen haben. Thongbai und Mananchaya seien für Anlagenwerbung und Dokumentenverwaltung zuständig gewesen, während Khamporn als Direktorin der Tarnfirma und Mitunterzeichnerin von Schecks fungiert habe. Thidarat habe insbesondere die angeblich versicherungsbasierten Renditen beworben.

Deutscher Verdächtiger auf der Flucht – Ermittlungen ausgeweitet

Der flüchtige deutsche Staatsbürger soll nach Erkenntnissen der Polizei die LINE- und WhatsApp-Gruppen administriert und damit eine zentrale koordinierende Funktion übernommen haben. Die Suche nach ihm laufe intensiv weiter, hieß es.

Alle sechs Festgenommenen bestritten bei den ersten Vernehmungen die Vorwürfe. Sie wurden an die Ermittler der ECSD überstellt. Vorgeworfen werden ihnen Betrug, betrügerische öffentliche Kreditaufnahme sowie das Einspeisen falscher Daten in Computersysteme.

Die Polizei kündigte an, die Ermittlungen weiter auszuweiten. Es würden zusätzliche Komplizen und Geschädigte gesucht und weitere Finanzströme geprüft. Der Fall bleibt ein offenes Verfahren der Wirtschaftskriminalität.

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Quelle: Thai Examiner

9 Kommentare zu „Mega-Betrug in Pattaya: Deutscher flüchtig!

  1. Wer sich nicht wirklich in den Themen Investitionen, Bangking, Aktien, Versicherungen und Fonds auskennt, sollte unbedingt die Finger davon lassen. Und wer 181% und mehr Gewinn verspricht ist sowieso ein Gauner. Und wer sich in einer Bar einfangen lässt ist halt selber schuld.

    1. Ja! Einsperren sollte man die Rentner, deren Gier deren eh schon eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten noch weiter beschränkte 😂

  2. Allein der Name “ King Power Gold“ sollte Seriosität vorgeben. Echt jetzt? So was würde mich abschrecken, das zieht vielleicht bei Thais, die diese Systeme des Anlagebetrug noch nicht so verinnerlicht haben. Aber ein Rentner aus Europa, den USA und anderswo sollten doch nicht ganz so dämlich sein. Wer in Thailand wo man eigentlich zur Ruhe kommen möchte, aus reiner Geldgier( astronomische Renditen) solche dubiosen Angebote war nimmt, hat es sehr wohl verdient abgezockt zu werden. Gier und Dummheit sind immer ein Paar 👍

  3. Dumm wird die Menschheit geboren!
    Dumm leben,das liegt an jedem Einzelnen,wenn er Nicht fähig ist seinen Verstand einzuschalten!
    Aber Dumm sterben,das ist eine Kunst für sich!😂😂😂

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