BANGKOK – Thailands ambitioniertes Jahrhundertprojekt steht auf der Kippe. Die geplante Landbrücke zwischen den Meeren muss neu auf den Prüfstand. Der Widerstand gegen das 997-Milliarden-Baht-Vorhaben wächst.
Minister stoppt milliardenschwere Pläne
Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn hat eine neue Überprüfung der Machbarkeitsstudie angeordnet. Das Büro für Verkehrspolitik (OTP) muss nachbessern.
Grund sind anhaltende Proteste von Anwohnern und einer großen politischen Partei. „Die Ergebnisse müssen noch einmal geklärt werden“, so der Minister.
Das Vorhaben wäre eine der größten Infrastrukturinvestitionen in der Geschichte Thailands. Nun wird alles infrage gestellt.
Das ist der gigantische Plan
Die Landbrücke soll eine logistische Land-See-Korridor zwischen dem Golf von Thailand und der Andamanensee schaffen. Kernstücke sind Tiefseehäfen in Chumphon und Ranong.
Das Ziel: Eine Alternative zur überlasteten Straße von Malakka bei Singapur. Schiffe aus Europa oder dem Nahen Osten könnten so vier Tage Reisezeit sparen.
Die Fracht würde in Ranong entladen, über Land transportiert und im Golf von Thailand wieder auf Schiffe verladen.
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So soll das Projekt finanziert werden
Die Regierung will nicht den vollen Betrag von fast einer Billion Baht (ca. 25 Mrd. Euro) selbst stemmen. Stattdessen ist eine öffentlich-private Partnerschaft geplant.
Private Investoren sollen über eine Ausschreibung Technologie und Handelsnetzwerke einbringen. Der Staat allein hat weder das Geld noch das Know-how.
„Der Staat hat nicht genug Budget“, räumte Minister Phiphat offen ein. Die Wirtschaftlichkeit muss also für private Partner stimmen.
300.000 Jobs und neue Industrien versprochen
Befürworter des Projekts preisen enorme Wirtschaftsimpulse. Bis zu 300.000 neue Jobs könnten in den Küstenregionen entstehen.
Zusätzlich würden sich Folgeindustrien für Logistik, Konsumgüter, Frischwaren und Treibstoff ansiedeln. Industriegebiete nahe der Häfen sind geplant.
Auf der Andaman-Seite (Ranong) soll es jedoch keine Raffinerie oder Petrochemie-Anlage geben. Die Pläne für die Golf-Seite werden nun ebenfalls überarbeitet.
Politischer Zündstoff kurz nach der Wahl
Die Landbrücke ist ein politisches Erbstück. Sie wurde bereits seit 2023 geprüft und von früheren Regierungen beworben.
Die Bhumjaithai Partei von Minister Phiphat will das Projekt im Falle einer Regierungsbeteiligung vorantreiben. Sie sieht es als wirtschaftlichen Game-Changer.
Doch die Opposition wächst. Umweltschützer und lokale Gemeinden fürchten irreversible Schäden. Die neue Studie muss alle Zweifel ausräumen – oder das Projekt begraben.
🗣 Wenn Vision auf Wirklichkeit trifft
Fast eine Billion Baht, zwei Küsten, ein Versprechen: Thailand als neue Schaltzentrale des Welthandels.
Aber wer gewinnt wirklich – und wer zahlt den Preis?
Sind 300.000 Jobs und schnellere Routen genug, um Umweltfragen, Anwohnerproteste und politische Risiken zu überrollen?
Oder ist diese Land-Bridge genau die Art von Projekt, die ein Land entweder nach vorne katapultiert – oder für Jahrzehnte belastet?
Sag offen: Jahrhundertchance oder Milliardenfalle?



