Milliardenklage nach Helikopter-Unglück vor Gericht

🚁 Jahre nach dem tödlichen Absturz eines prominenten Unternehmers flammt der Streit neu auf. Vor Gericht geht es um Verantwortung, Technik – und Milliarden. Die Fronten sind verhärtet. Wer trägt am Ende die Schuld?

Milliardenklage nach Helikopter-Unglück vor Gericht
Photo by Fas Khan on Unsplash

LONDON – Der Tod des thailändischen Milliardärs und Leicester-City-Besitzers Vichai Srivaddhanaprabha führt zu einem erbitterten Rechtskampf. Der Helikopter-Hersteller Leonardo weist vor dem Londoner High Court jede Schuld am Absturz zurück.

Milliardenschwere Klage der Hinterbliebenen

Die Familie des 2018 ums Leben gekommenen Unternehmers fordert vom italienischen Konzern Leonardo bis zu 2,15 Milliarden Pfund (umgerechnet etwa 2,9 Milliarden Dollar oder 2,6 Milliarden Euro) Schadensersatz.

Vichais Witwe und seine vier Kinder klagen auf entgangene Einnahmen und sonstige Schäden. Der Absturz seines AW169-Modells unmittelbar nach dem Start vom Leicester-City-Stadion riss auch zwei Angestellte und das Pilotenpaar in den Tod.

„Leonardo hat jedes Mitgefühl für die Familie Srivaddhanaprabha“, heißt es in der schriftlichen Verteidigung. Doch rechtliche Schuld erkennt der Konzern keine an.

Kern der Verteidigung: Das Modell sei sicher

In seiner am 1. Dezember datierten und nun veröffentlichten Klageerwiderung betont Leonardo, dies sei der „erste und einzige Absturz“ eines AW169 gewesen.

Keine Aufsichtsbehörde habe jemals den Typ als unsicher eingestuft. Das Unternehmen argumentiert, der Pilot hätte nach einem problematischen Heckrotor-Ausfall eine kontrollierte Landung durchführen können.

„Während Leonardo jedes Mitgefühl für die Familie Srivaddhanaprabha hat, hält Leonardo die gegen es erhobenen Ansprüche weder in tatsächlicher noch rechtlicher Hinsicht für gerechtfertigt“, so die offizielle Stellungnahme.

Das sagt die Unfalluntersuchung dazu

Der britische Air Accidents Investigation Branch (AAIB) kam in einem Bericht von 2023 zu einem anderen Schluss. Die Ermittler gingen davon aus, dass es dem Piloten unmöglich gewesen sei, sich von dem schweren Heckrotorversagen zu erholen.

Leonardo widerspricht diesem offiziellen Untersuchungsbericht ausdrücklich. Das Unternehmen weist darauf hin, dass keine Sicherheitsempfehlungen direkt an den Hersteller gerichtet wurden.

Ein Gericht in Leicester hatte die Todesfälle im Januar als „unfallbedingt“ eingestuft – eine Kategorisierung, die nun juristisch neu aufgerollt wird.

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Wer war Vichai Srivaddhanaprabha?

Der thailändische Selfmade-Milliardär war als Besitzer des Fußballclubs Leicester City in Großbritannien eine Legende. Unter seiner Führung gewann der Außenseiter 2016 gegen alle Wetten die englische Premier League.

Sein Unternehmen King Power ist ein Gigant im Duty-Free-Handel. Sein Tod erschütterte die Sportwelt und die thailändische Wirtschaft gleichermaßen.

Die Klage seiner Familie ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine Frage der moralischen Verantwortung.

Was kommt als nächstes vor Gericht?

Der Londoner High Court muss nun in einem aufwendigen Verfahren klären, ob technisches Versagen oder ein menschlicher Fehler die Ursache war. Es geht um Milliarden und den Ruf eines Luftfahrtkonzerns.

Für die Familie geht es um Gerechtigkeit für den Verlust eines Ehemanns und Vaters. Der Prozess wird international aufmerksam verfolgt werden.

Die Tragödie vom 27. Oktober 2018 ist noch lange nicht aufgeklärt. Das letzte Wort wird wohl erst das Gericht sprechen.

🗣 Wer trägt Verantwortung, wenn Technik versagt?

Ein Absturz, fünf Tote, Milliardenforderungen – und zwei völlig gegensätzliche Versionen der Wahrheit.
Ist ein Hersteller aus der Verantwortung, wenn ein Modell offiziell als „sicher“ gilt?

Oder endet Verantwortung erst dort, wo Gerichte sie klar ziehen?
Sag ehrlich: Technikfehler, Pilot, Hersteller – oder ein Systemversagen?

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Quelle: Bangkok Post