BANGKOK – Während anderswo Feuerwerke knallen, sucht Thailand den Segen für 2026 in Tempeln und an Schreinen. Ein landesweiter Ansturm auf heilige Stätten zeigt die tief verwurzelte Tradition des Jahresstarts.
Massenandrang in Bangkoks ikonischen Tempeln
In der Hauptstadt herrschte frühmorgens emsiges Treiben. Am City Pillar Shrine versammelten sich große Menschenmengen, um für einen glückverheißenden Start ins neue Jahr zu beten.
Das nahegelegene Wat Bowonniwet Vihara war voller Gläubiger, die Verdienste erwerben und für Glück und Wohlstand beteten. Am berühmten Wat Arun, der Tempel der Morgenröte, nahmen Hunderte an Almosenzeremonien teil.
„Die Tradition, zum Jahresbeginn Verdienste zu erwerben, spiegelt eine geschätzte thailändische Sitte wider“, erklärt Abt Phra Thep Wisutthikhun. Sie ziele darauf ab, das Jahr mit Klarheit und starkem Glauben zu beginnen.
Gebete für den Frieden in den Grenzprovinzen
In der nordöstlichen Provinz Khon Kaen leitete der Abt eine Zeremonie mit 300 Mönchen, die Reis und Trockennahrung von Gläubigen entgegennahmen. Die Spenden kommen blinden und behinderten Kindern zugute.
Besonders bewegend waren die Gebete in Buri Ram, nahe der kambodschanischen Grenze. Viele beteten vor der Statue des verehrten Mönchs Luang Pu Suk für Frieden.
„Ich widme meine guten Taten den gefallenen Soldaten“, sagte Wongduan Phiromsuk (59) und forderte entschlossenes Handeln, um weitere Konflikte zu verhindern.
Von Norden bis Süden: Ein Land im Gebet
In Nakhon Ratchasima führte Gouverneur Anupong Suksomnit über 1.000 Beamte und Bürger in einer Almosenzeremonie für 109 Mönche. In Nakhon Sawan füllten Familien schon am frühen Morgen den Stadtpfeilerschrein.
Überall wurden Blumen, Räucherstäbchen, Kerzen und Girlanden als Opfergaben dargebracht. Die Wünsche sind sich landesweit ähnlich: Segen, Frieden und Erfolg für das neue Jahr 2026.
Touristen tauchen in thailändische Tradition ein
Nicht nur Thailänder, auch ausländische Touristen ließen sich von der spirituellen Atmosphäre anstecken.
An der Tha-Tien-Anlegestelle bildeten sich lange Schlangen für die Fähre zum Wat Arun.
Die Teilnahme an diesen Ritualen bietet Besuchern einen tiefen Einblick in die thailändische Kultur. Sie erleben, wie Spiritualität und Alltag hier miteinander verschmelzen.
Starkes Signal der Einheit
Dieser landesweite Akt des Glaubens sendet ein starkes Signal. In unsicheren Zeiten sucht das Volk Halt in Tradition und Gemeinschaft.
Die Spenden und guten Taten kommen zudem Bedürftigen zugute. So verbindet der Neujahrsbrauch Spiritualität direkt mit gelebter Nächstenliebe.
Thailand startet mit Gebet und Gemeinschaftssinn ins neue Jahr – eine Kraftquelle für die Herausforderungen, die 2026 bringen mag.
Wenn Hoffnung stärker ist als Unsicherheit
Zwischen Räucherstäbchen, Mönchsgewändern und stillen Gebeten zeigt sich jedes Jahr aufs Neue, was Thailand zusammenhält.
Während Politik, Wirtschaft und Grenzfragen für Unruhe sorgen, suchen Menschen Halt im Glauben – nicht laut, nicht kämpferisch, sondern ruhig und beharrlich.
Neujahr in Thailand ist kein Countdown aus Feuerwerk allein.
Es ist ein kollektiver Wunsch nach Frieden, Stabilität und einem Jahr, das besser wird als das letzte.



