BANGKOK, THAILAND – Thailands Politik warnt vor einer möglichen Energiekrise und fordert von der Regierung einen Kurswechsel weg vom bloßen Preis-Management hin zu echter Versorgungssicherheit. Auslöser ist die Sorge, dass der anhaltende Krieg im Nahen Osten Lieferketten zerreißen und im Inland eine politische Debatte über Subventionen, Raffineriegewinne und Notfallrecht auslösen könnte.
Vom Preisschild zur Versorgungsfrage
Der frühere Berater des Energieministers Atavit Suwanpakdee von der United Thai Nation (UTN) kritisierte, die Regierung behandle steigende Ölpreise weiterhin wie normale Marktschwankungen.
In einer geopolitischen Schocklage gehe es jedoch nicht nur darum, wie teuer Sprit ist, sondern ob überhaupt genug Kraftstoff im Land ankommt.
Abhängigkeit vom Nadelöhr Hormus
Thailand importiert Rohöl vor allem aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA, wodurch ein großer Teil der Versorgung an internationale Seewege gekoppelt ist.
Zwei dieser drei Bezugsquellen hängen laut Atavit indirekt vom Straße von Hormus ab, einem weltweit sensiblen Engpass, dessen Störung innerhalb weniger Wochen zu spürbaren Lieferproblemen führen könne.
Notfallrecht – und das Problem der Übergangsregierung
Atavit warf der Regierung vor, sich zu stark auf den Oil Trade Act von 2000 zu stützen, der vor allem Eingriffe wie das Stoppen von Auslandsverkäufen ermöglicht.
Für weitergehende Maßnahmen wie ein umfassendes Exportverbot oder einen Preisstopp ohne sofortige Kompensation müsse dagegen das Emergency Decree on the Amendment and Prevention of Oil Shortage von 1973 genutzt werden, zumal eine Übergangsregierung bei Garantien oder zusätzlicher Finanzierung des Oil Fuel Fund zudem Hürden durch die Wahlkommission riskieren könne.
Zwei-Preis-System – Warum Tankstellen trotzdem leer wirken können
Atavit erklärte, ein akuter landesweiter Mangel sei auf dem Papier nicht zwingend, weil ein Teil des derzeit verarbeiteten Rohöls bereits vor rund zwei Monaten eingekauft worden sei und sich schon im Land befinde oder auf dem Weg dorthin sei.
Knappheit könne dennoch lokal sichtbar werden, wenn ein „Zwei-Preis“-System die Ware in bestimmte Kanäle drückt: subventionierte Preise bei Markenstationen stehen höheren Großhandelspreisen gegenüber, was kleine Provinz-Tankstellen, Transportunternehmen sowie Landwirtschaft und Industrie bei Bulk-Käufen belastet.
Raffinerien im Fokus – Streit um Übergewinne
Politisch besonders heikel sind nach Atavit und Korn Chatikavanij von der Democrat Party mögliche Windfall-Profits der Raffinerien durch Thailands Preisformel.
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Weil sich die Preisbildung an Referenzen wie Dubai für Rohöl und Singapur für Produkte orientiert und nicht am tatsächlichen historischen Einkaufspreis bereits beschaffter Mengen, könnten Raffinerien bei Krisenaufschlägen überproportional profitieren.
Lasten zwischen Staat, Kunden und Raffinerien teilen
Korn schlug eine konkrete Lastenteilung vor: eine Senkung der Dieselverbrauchsteuer um 6 Baht pro Liter sowie eine zeitlich begrenzte Sonderabgabe von 3 Baht pro Liter bei Raffinerien zugunsten des Oil Fuel Fund.
Damit ließe sich nach seiner Rechnung die tägliche Stützungslast des Fonds auf etwa 700 Millionen Baht pro Tag mehr als halbieren und die Reichweite um ungefähr einen Monat verlängern, was auch die hohe Nachfrage rund um Songkran abfedern solle.
Öl-Fonds nicht überdehnen – sonst kommt die Rechnung später
Beide Politiker warnten, der Oil Fuel Fund sei dafür gebaut, kurzfristige Ausschläge zu glätten, nicht aber eine lange geopolitische Krise zu tragen.
Wenn der Fonds zu früh leerlaufe, werde heutige Entlastung zur morgigen Zusatzlast, weil Verbraucher den Fonds später über Zuschläge an der Zapfsäule wieder auffüllen müssen, während Korn zugleich davor warnte, sofort zu neuen Kreditdekreten zu greifen.
Transparenz statt Gerüchte – Verbraucher fordern Krisenzentrale
Saree Aongsomwang vom Thailand Consumers Council (TCC) sagte, widersprüchliche Angaben über Reichweiten der Vorräte – von drei Monaten bis hin zu 15 Tagen – schürten Unsicherheit und könnten Hamsterkäufe auslösen.
Sie plädierte für einen staatlichen „War Room“ mit verlässlicher Kommunikation und dafür, die Krise zu nutzen, um Preisbestandteile wie Margen und Referenzmechanismen zu prüfen und zugleich den öffentlichen Verkehr langfristig neu aufzustellen.



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