BANGKOK, THAILAND – Die Weltbank warnt, dass Thailand zu den Volkswirtschaften gehört, die am stärksten vom jüngsten globalen Energieschock betroffen sind. Steigende Ölpreise könnten Inflation und Produktionskosten erhöhen und das Wirtschaftswachstum spürbar bremsen.
Weltbank: Thailand besonders anfällig für Ölpreisschocks
Nach einem neuen Bericht der Weltbank zählt Thailand zu den am stärksten exponierten Volkswirtschaften gegenüber dem jüngsten globalen Energiepreisschock. Auslöser seien vor allem geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die die Ölpreise nach oben treiben.
Für Länder mit hoher Abhängigkeit von Energieimporten stelle das ein erhebliches Risiko dar. Thailand sei besonders verwundbar, weil Ölimporte laut Bericht rund 5 bis 13 Prozent des BIP ausmachen.
Inflation: +0,67 Prozentpunkte binnen sechs Monaten möglich
Die Weltbank schätzt, dass ein Anstieg des Rohölpreises um 20 US-Dollar – etwa ein Plus von 30 Prozent – die Inflation in Thailand innerhalb von sechs Monaten um rund 0,67 Prozentpunkte erhöhen könnte. Damit läge Thailand bei den stärksten Effekten in Ostasien und dem Pazifik.
Höhere Energiepreise könnten zudem die industrielle Produktion bremsen. In der Region würden insbesondere Thailand und die Philippinen zu den am stärksten betroffenen Volkswirtschaften zählen.
Wachstum in Ostasien/Pazifik verlangsamt sich – Thailand mit schwächerem Ausblick
Für die Entwicklungsregion Ostasien und Pazifik erwartet die Weltbank eine Abkühlung des Wachstums von 5,0 Prozent im Jahr 2025 auf 4,3 Prozent im Jahr 2026, bevor es 2027 leicht auf 4,4 Prozent steigen soll. Als Gründe nennt der Bericht Chinas moderateres Wachstum und die Folgen steigender Energiepreise für den Rest der Region.
Für Thailand prognostiziert die Weltbank 1,3 Prozent Wachstum im Jahr 2026 – niedriger als die im Oktober genannte Prognose von 1,8 Prozent und auch unter den erwarteten 2,4 Prozent für 2025. 2027 soll sich das Wachstum dem Bericht zufolge leicht auf 2,3 Prozent erholen.
China als Bremsfaktor: Schwächere Nachfrage und Immobilienkrise
Chinas Wirtschaft, die größte der Region, soll laut Weltbank von 5,0 Prozent Wachstum im Jahr 2025 auf 4,3 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 zurückfallen. Genannt werden gedämpfte Binnennachfrage, anhaltende Probleme im Immobiliensektor und nachlassende externe Nachfrage.
Die Weltbank betont zudem mögliche Spillover-Effekte: Ein Rückgang des Wachstums in China um einen Prozentpunkt könnte das Wachstum im übrigen Teil der Region um etwa 0,3 Prozentpunkte reduzieren. Auch eine Abschwächung in den G7-Staaten würde demnach die Region spürbar treffen.
Konsum trägt, aber Vertrauen bleibt fragil
Privater Konsum bleibt laut Bericht der wichtigste Wachstumstreiber in der Region, allerdings sei das Verbrauchervertrauen weiterhin empfindlich. Die entsprechenden Indikatoren lägen noch bei etwa 80 Prozent des Vorkrisenniveaus vor der Pandemie.
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Diese Fragilität spiegele anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit wider. Steigende Energiepreise könnten zusätzlich die Kaufkraft der Haushalte belasten, weil sich Produktions- und Transportkosten schneller in Verbraucherpreisen niederschlagen.
Exporte helfen – Thailands Elektronik legt 2025 stark zu
Exporte hätten zusätzliche Unterstützung geliefert, insbesondere in technologiebezogenen Sektoren. Die Weltbank berichtet, dass Thailands Elektronikexporte 2025 um etwa 32 Prozent gestiegen seien.
Damit hätten sie das Wachstum der Nicht-Elektronikexporte deutlich übertroffen, was die Weltbank mit steigender globaler Nachfrage nach KI-bezogenen Komponenten in Verbindung bringt. Gleichzeitig warnt der Bericht, dass schwächere globale Nachfrage insgesamt wieder auf die Ausfuhren drücken könnte.
Investitionen bleiben unter Vorkrisenniveau
Private Investitionen in den Entwicklungsökonomien Ostasiens und des Pazifiks lägen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie. Unternehmen würden Ausgaben verschieben, weil die wirtschaftspolitische Unsicherheit im In- und Ausland erhöht sei.
Das bremse die Dynamik zusätzlich, selbst wenn Konsum und Exporte zeitweise stützen. In einem Umfeld steigender Energiepreise könnten Firmen zudem vorsichtiger werden, weil Kosten und Margen schwerer kalkulierbar sind.
US-Handelspolitik: Neue Zölle und Risiken für Thailand
Die Weltbank verweist auch auf Risiken aus der US-Handelspolitik: Zwar seien Zölle, die unter Notstandsbefugnissen verhängt wurden, nach einem US-Gerichtsurteil reduziert worden. Sie seien jedoch durch einen temporären globalen Importzoll von 10 Prozent ersetzt worden, der bis Juli 2026 gelten soll.
Dadurch habe sich auch der Zollvorteil ostasiatischer Volkswirtschaften gegenüber China verringert. Kambodscha, Thailand und Vietnam gelten laut Bericht als besonders anfällig für mögliche Einkommensverluste durch höhere US-Zölle.
Geopolitik, Lieferketten und Energie: Zusätzliche Belastungen möglich
Geopolitische Spannungen könnten Lieferketten stören und die Finanzierungsbedingungen verschärfen. Zudem könnten höhere Preise für Energie, Dünger und Lebensmittel die Produktionskosten in der Region weiter erhöhen.
Die Weltbank betont, dass ein länger andauernder oder eskalierender Konflikt im Nahen Osten – insbesondere bei Störungen von Schifffahrtsrouten oder Energieversorgung – exportorientierte Volkswirtschaften wie Thailand stärker unter Druck setzen könnte. Zwar seien globale Märkte bislang relativ widerstandsfähig geblieben, doch die Risiken hätten zugenommen.
Begrenzter Spielraum: Hohe Staatsverschuldung erschwert Gegenmaßnahmen
Thailand habe laut Weltbank Einschränkungen bei der Reaktion auf externe Schocks, weil die Staatsverschuldung hoch sei und der fiskalische Spielraum begrenzt bleibe. Das könne es schwieriger machen, Preis- oder Nachfrageeinbrüche mit staatlichen Maßnahmen abzufedern.
Gleichzeitig setzten höhere Energiepreise die Handelsbilanzen großer Ölimporteure unter Druck. Für Thailand bedeutet das: Steigende Importkosten können die außenwirtschaftliche Lage zusätzlich belasten.



Etwas am Baht Wechselkurs drehen, z.B. 1 Euro = 35,80 und schon ist das Wachstum wieder auf Erfolgskurs.