BANGKOK, THAILAND – An der PTT-Tankstelle an der Vibhavadi Road stauten sich am Montag die Autos bis auf die Straße. Das Bild wiederholte sich quer durch Bangkok: Autofahrer wollten tanken, solange der Preis noch stimmt – und bevor die Vorräte knapp werden.
Krieg am Golf löst Hamsterwelle aus
Auslöser ist die seit dem 28. Februar andauernde Hormus-Krise: Nach gemeinsamen US-israelischen Luftschlägen auf Iran sperrte die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) per Funk die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Durch diese 33 Kilometer schmale Meerenge fließen täglich rund 20 Millionen Barrel Öl – ein Fünftel des weltweiten Bedarfs.
Mindestens drei Tanker wurden in der Nähe der Straße beschossen, Maersk und Hapag-Lloyd stoppten ihre Durchfahrten. Wer in Bangkok an einer Zapfsäule stand, zog daraus seine eigenen Schlüsse.
Schon am Vortag liefen Stationen leer
Nicht nur Bangkok traf die Panik. Thailand bezieht gut ein Drittel seines Energiebedarfs aus der Golfregion – alles auf dem Seeweg durch Hormus. In Mae Sai (Chiang Rai) bildeten sich bereits am 2. März außergewöhnlich lange Schlangen an den Zapfsäulen; mehrere Stationen gingen noch am Nachmittag mit Gasohol 95 aus.
Das Personal war von dem plötzlichen Nachfragesprung kalt erwischt worden. Andere Kraftstofftypen waren noch verfügbar, doch die Vorräte schrumpften sichtbar.
Ministerium verbietet Ölexporte
Das Energieministerium hat den Zustand „totaler Sicherheit“ ausgerufen und Petroleumexporte vorerst verboten, um die heimischen Reserven zu schonen. Landesweit lagern knapp 4,92 Milliarden Liter Rohöl und Raffinierprodukte – genug für 38 Tage. Rechnet man die bereits auf dem Weg befindlichen Lieferungen dazu, reichen die Reserven für rund 61 Tage.
Vier LNG-Schiffe steuern Thailand derzeit an; zwei haben die Straße von Hormus bereits passiert, zwei weitere sind unterwegs. Dennoch bleibt die Lage nervös.
Mittwoch wird zum Risikotag
Da der 3. März Feiertag ist, bleibt eine sofortige Preiskorrektur aus. Der Energieökonom Praipol Koomsup von der Thammasat-Universität nennt Mittwoch, den 4. März, als ersten kritischen Punkt: Sollte sich die Lage bis dahin nicht entspannen, könnten die Inlandspreise für Kraftstoff spürbar steigen.
Der Ölpreis schwankt derzeit zwischen 75 und 85 Dollar pro Barrel – ein Anstieg von rund sieben Prozent. Der staatliche Kraftstoffstabilisierungsfonds verfügt Stand 1. März über ein Guthaben von 2,46 Milliarden Baht, das zur Dämpfung von Preisschüben eingesetzt werden kann.
Wirtschaft fürchtet Kettenreaktion
Die Industrie- und Handelsföderation (FTI) warnt, dass eine anhaltende Sperrung der Straße von Hormus nicht nur die Treibstoffpreise treiben, sondern auch Lieferketten stören und die Inflation anheizen könnte. Der Konflikt hat bereits weltweit 9.600 Flugverspätungen und -ausfälle ausgelöst – ein schwerer Schlag für den Tourismus, den Thailand dringend braucht.
Die Regierung hält bislang an ihrer Inflationsprognose von 0,3 Prozent für 2026 fest – ein Wert, den Experten unter diesen Umständen kaum für haltbar halten.
Panik oder strukturelles Versagen?
Die Schlangen vor Bangkoks Tankstellen sind eine Panikreaktion – das Energieministerium versichert, die Versorgung sei für mindestens zwei Monate gesichert. Doch der Krieg im Nahen Osten legt ein strukturelles Problem offen: Thailand hängt beim Energiebezug nach wie vor an einer einzigen Schifffahrtsroute – und wer das lange wusste, hat zu wenig dagegen getan.



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