Polizei-Skandal in Thailand – Korruption bis in die Spitze

Polizei-Skandal in Thailand - Korruption bis in die Spitze
Thai Examiner. KhaoSod

Skandal bei Thailands Polizei! Top-Ermittler als Komplize von Betrüger-Bande enttarnt

Ein Schock für Thailands Strafverfolgung: Ein hochrangiger Polizeikommissar wurde als mutmaßlicher Komplize einer internationalen Betrüger-Bande entlarvt und entlassen. Der Deputy Superintendent des Don Mueang Polizeireviers in Bangkok soll bei einem trickreichen Online-Betrug mitgemischt und sogar einen Helfer für die Geldwäsche angeworben haben. 

Nationalpolizeichef General Kittirat Phanphet verspricht harte Konsequenzen, während gleichzeitig ein Korruptionsverfahren gegen den ehemaligen Polizeichef und 200 weitere Offiziere läuft – eine beispiellose Krise für die Royal Thai Police.

Kalter Kaffee für thailändische Polizei

Die thailändische Polizeibehörde wird von einem ihrer tiefsten internen Skandale heimgesucht. Am 8. Oktober 2025 wurde ein Deputy Superintendent der Don Mueang Polizeistation fristlos entlassen. Der Grund: Er soll tief in einen groß angelegten Call-Center-Betrug verwickelt gewesen sein. Bei den Ermittlungen ging es um eine betrügerische Online-Anlageplattform namens „FINNIXMAX“, die ahnungslosen Anlegern über Social Media lukrative Gewinne versprach. 

Anfangs konnten die Opfer noch kleine Beträge abheben, doch sobald größere Summen investiert waren, war das Geld weg. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über 1,2 Millionen Baht (etwa 30.000 Euro). Der Polizeibeamte, Polizeioberleutnant Phasinkhanokpharan Watcharaphetkakkaew, soll nicht nur davon gewusst, sondern aktiv mitgewirkt haben, indem er einen Verwandten anwies, ein Geldkonto für kriminelle Zwecke zu eröffnen.

Harter Kurs des Polizeichefs

Nationalpolizeichef General Kittirat Phanphet reagierte umgehend und ordnete eine sofortige und gründliche Untersuchung an. Sein Sprecher, Polizeileutnant General Chaiyotphon Suwanrak, betonte, dass solches Verhalten nicht toleriert werde. „Jeder Polizeibeamte, der sich an Online-Kriminalität beteiligt, ist eine direkte Bedrohung für die Gesellschaft und die Öffentlichkeit“, so die klare Ansage. Der entlassene Beamte muss sich vor einem Disziplinarkomitee verantworten und steht zudem unter strafrechtlicher Verfolgung. Ihm werden öffentlicher Betrug, Identitätsdiebstahl, Fälschung von Computerdaten, Verschwörung zur Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. 

Die Polizei beschlagnahmte im Zuge der Ermittlungen beeindruckende Beweismittel: Neun Fahrzeuge, 48 Markentaschen und Schmuckstücke, Bargeld in Höhe von 295.920 Baht (etwa 7.400 Euro) in mehreren Währungen, 23 Handys und Geräte sowie 92 Bankbücher und Karten im geschätzten Gesamtwert von über 21 Millionen Baht (etwa 525.000 Euro).

Größerer Kontext: Korruptionswelle erschüttert Behörde
Doch das ist noch nicht alles. Dieser Einzelfall ist nur der sichtbare Teil eines riesigen Eisbergs. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass das Police Complaints Review Board (PCRB), eine Beschwerdekommission, ein Verfahren gegen den ehemaligen Nationalpolizeichef General Torsak Sukwimol und 200 weitere hochrangige Offiziere eingeleitet hat. Ihnen wird Korruption vorgeworfen. Diese Enthüllungen folgen auf einen Regierungsbericht aus dem Jahr 2024, der bereits tiefe Gräben und Fraktionskämpfe innerhalb der Polizei bestätigte. Der aktuelle Polizeichef Kittirat nutzt die Krise, um einen harten Neuanfang zu versprechen. Sein „9 Progressive Principles“ genannter Aktionsplan für 2026 legt den Fokus auf Ethik, Rechenschaftspflicht und Transparenz. Das oberste Ziel ist es, das verlorene öffentliche Vertrauen zurückzugewinnen und eine professionelle Polizeitruppe zu schaffen, die der Bevölkerung mit Integrität dient.

Was bedeutet das für Thailand?

Die Doppelkrise aus individueller krimineller Energie und systemischer Korruption ist ein schwerer Schlag für das Ansehen Thailands. Sie zeigt, wie anfällig selbst Strafverfolgungsbehörden für die Verlockungen der organisierten Kriminalität sind, besonders im boomenden Bereich der Cyberkriminalität

Die Botschaft von Polizeichef Kittirat ist eindeutig: „Fehlverhalten von Strafverfolgungsbeamten untergräbt das öffentliche Vertrauen und schädigt die soziale Stabilität.“ Er hat Null-Toleranz gegenüber solchen Vergehen angekündigt. Für die Menschen in Thailand ist dies ein hoffnungsvolles Zeichen, doch der Weg zurück zur Glaubwürdigkeit wird lang und steinig. 

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

💬 Was denken Sie?

Ein Polizist, der selbst in Betrugsnetzwerke verstrickt ist – und ein Ex-Polizeichef, der mit 200 ranghohen Beamten unter Korruptionsverdacht steht: So etwas erschüttert das Vertrauen einer ganzen Nation.
Wie tief sitzt die Korruption wirklich in Thailands Polizei – und kann der neue Polizeichef mit seiner „Null-Toleranz-Politik“ das System von innen heraus erneuern?

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thai Examiner

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar. (This article is also available in English.) → English version