CHIANG MAI, THAILAND – In einem bekannten Tigerpark nahe Chiang Mai sind innerhalb weniger Tage 72 Tiger verendet, während die Behörden noch immer nach der eindeutigen Ursache für das Massensterben suchen. Im Fokus steht vor allem rohes Hühnerfleisch eines privaten Betriebs, das in zwei Anlagen im Bezirk Mae Rim und im Bezirk Mae Taeng an alle Tiere verfüttert wurde, doch der Ursprung der nachgewiesenen Erreger ist bislang nicht geklärt.
Unklare Todesursache und Verdacht auf Futter
Nach Angaben der zuständigen Behörden rückte schnell das gelieferte rohe Hühnerfleisch eines privaten Hofs als Hauptverdächtiger in den Mittelpunkt, weil alle in Mae Rim und Mae Taeng gehaltenen Tiger damit gefüttert wurden.
Frühe Vermutungen, in dem Fleisch könne Vogelgrippe vorhanden sein, zerstreuten sich nach Laboruntersuchungen, bei denen in den Proben kein entsprechendes genetisches Material nachgewiesen wurde.
Virusnachweise, aber offene Fragen
Die Provinz-Tierseuchenbehörde teilte am Wochenende mit, in den Kadavern seien canines Staupevirus und zusätzlich Mycoplasma-Bakterien nachgewiesen worden, zuvor war auch von felinem Parvovirus die Rede.
Gleichzeitig räumten die für die Seuchenuntersuchung zuständigen Stellen ein, dass Herkunft und ursprüngliche Einschleppung dieser Erreger in den Bestand bisher nicht eindeutig identifiziert werden konnten.
Entsorgung der Kadaver unter Aufsicht
Der Leiter der Conservation Area Management Region 16, Kritsayam Kongsatree, erklärte am Montag, die Entsorgung sämtlicher Tigerkadaver sei inzwischen abgeschlossen und sei zunächst durch Verbrennung erfolgt.
Weil dafür jedoch zu wenige Einäscherungsanlagen verfügbar gewesen seien, seien später Bestattungen vorgenommen worden, bei denen jede Grabstelle mit der individuellen Identifikationsnummer des jeweiligen Tieres markiert wurde und laut Kritsayam keine Häute oder Zähne entnommen wurden.
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Kritik an Überwachung und Krankheitsmanagement
Der Tierarzt Wisit Arsaithamkul, der nach eigenen Angaben an der Betreuung des Falls beteiligt war, äußerte sich am Sonntag auf Facebook besorgt über das Überwachungssystem und das epidemiologische Management vor Ort.
Er berichtete, bei den ersten innerhalb ein bis zwei Tagen nach Auftreten der Symptome durchgeführten Sektionen seien noch keine schweren Organveränderungen festgestellt worden, weshalb damals sowohl Virusinfektionen als auch Toxine oder bakterielle Ursachen erwogen worden seien.
Rolle des Futters und Ausmaß des Ausbruchs
Wisit stellte die Frage, wie Tiger in den 30 Kilometer voneinander entfernten Anlagen Mae Rim und Mae Taeng mit identischen Symptomen erkranken konnten, und sah den wahrscheinlichsten gemeinsamen Faktor im Futter.
Nach seinen Angaben zeigten fast alle der mehr als 200 Tiger, die dieses Futter erhalten hatten, Krankheitssymptome, lediglich drei noch säugende Jungtiere blieben verschont, während die Zahl der Todesfälle weiter anstieg und bei später verendeten Tieren aus Sicherheitsgründen keine Obduktionen mehr durchgeführt wurden.
Wirtschaftliche Dimension und anhaltende Schließung
Mit Blick auf die Debatte um mögliche Folgen für andere Tierbestände sagte Wisit, man könne das Land nicht dem Risiko aussetzen, Nutztiere im Wert von zig Milliarden zu verlieren, nur um einige Hundert Millionen Baht an Tigern zu schützen, warnte aber zugleich vor dem Verdrängen kritischer Fragen, weil dies Verbesserungen verhindere und die wahre Ursache unentdeckt bleiben könne.
Der unter dem Namen Tiger Kingdom firmierende Standort bei Chiang Mai, betrieben von Khum Sue Trakarn Ltd, der auch Einrichtungen in Phuket und Pattaya managt und sich offiziell der Zucht und dem Erhalt indochinesischer Tiger verschrieben hat, bleibt nach dem bislang größten dokumentierten Massentod von 72 Tigern aus einem Gesamtbestand von 246 Tieren bis auf Weiteres für Besucher geschlossen.



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