Rama II: Highway des Todes

Rama II: Highway des Todes
Thai Rath, Thai Examiner
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SAMUT SAKHON, THAILAND – Binnen weniger Tage haben eine Zugkatastrophe, ein Kransturz und ein neuer Straßenkrater die Zweifel an der Sicherheit großer Infrastrukturprojekte massiv verstärkt. Die jüngste Panne ereignete sich am Samstagmorgen auf der berüchtigten Rama‑2‑Autobahn vor den Toren Bangkoks.

Pickup versinkt im frischen Straßenkrater

Gegen 6.30 Uhr fuhr ein Toyota‑Pickup auf der neuen Rama‑2‑Trasse in Richtung Bangkok, als sich der Asphalt unter den Vorderrädern plötzlich öffnete. Das Fahrzeug sackte in ein frisch entstandenes Sinkhole, Staub und Wasser schossen über die Fahrbahn.

Der Fahrer konnte sich unverletzt aus dem Wagen befreien, blieb jedoch sichtlich geschockt. Später zog die Highway Police den Pickup mit schwerem Gerät aus dem Krater. Weitere Fahrzeuge oder Personen waren nicht betroffen.

Ursache: geplatzte Wasserleitung unter der Fahrbahn

Ingenieure machten schnell Arbeiten an einer Kommunalwasserleitung für den Einsturz verantwortlich. Unter der Straße war ein rund einen Meter breites Rohr geborsten. Auftragnehmer hatten die Oberfläche erst vor wenigen Monaten wiederhergestellt.

Die Reparatur hielt dem Druck offenbar nicht stand. Das Spülwasser unterhöhlte die Tragschichten, die Fahrbahn gab nach. Das Loch öffnete sich bei Kilometer 29+350 auf der parallel verlaufenden Stadteinwärts‑Spur.

Die Straßenbehörde sperrte den Abschnitt aus Sicherheitsgründen, der Verkehr wurde ab Kilometer 29+600 umgeleitet. Einsatzteams der Gemeinde Samut Sakhon rückten mit Pumpen, Absperrungen und Ventiltechnik an, um die Leitung zu isolieren.

Rama‑2‑Projekt mit blutiger Bilanz

Der Vorfall reiht sich in eine Serie schwerer Unfälle entlang der Rama‑2‑Achse ein, der wichtigsten Verbindung in den Süden mit dichtem Bus‑, Lkw‑ und Touristenverkehr. Seit Beginn der Arbeiten an einer erhöhten Schnellstraße im Jahr 2018 wurden dort 144 Menschen getötet und über 1.400 verletzt.

Nur zwei Tage vor dem neuen Krater war auf demselben Korridor ein Baukran abgestürzt. Am Donnerstagvormittag stürzte das Gerät, das für die Hochtrasse eingesetzt wurde, auf die vielbefahrene Straße. Zwei Menschen kamen unter den Stahlteilen ums Leben, fünf weitere wurden verletzt.

Der Unfall ereignete sich kurz nach 9 Uhr zwischen den Kilometern 28 und 30 nahe der Tha‑Chin‑Brücke. FM91 Trafficpro meldete erste Warnungen, später bestätigte Pol Lt Pirote Pinthip die Zahl der Opfer. Die Polizei sperrte beide Fahrtrichtungen, lange Staus zogen sich von Samut Sakhon in Richtung Hauptstadt.

Zugkatastrophe an Hochgeschwindigkeitsstrecke

Noch schwerer wog ein Unglück am Mittwoch im nordöstlichen Nakhon Ratchasima. Dort stürzte ein weiterer Großkran auf einen fahrenden Zug der neuen Schnellfahrstrecke China–Thailand. 32 Passagiere starben, 64 Menschen wurden verletzt, als Wagen von herabfallendem Stahl zerquetscht wurden.

Ermittler erklärten, der Betrieb sei gegen Projektvorschriften geführt worden. Die meisten Opfer wurden in versiegelten, klimatisierten Wagen eingeschlossen. Der Aufprall löste ein rasch um sich greifendes Feuer aus, Türen klemmten, Rauch füllte die Abteile. Die Suche nach Vermissten endete am Donnerstagabend, Behörden gehen von 171 Personen an Bord aus.

Die Bahnlinie ist die erste Phase des auf 179 Milliarden Baht veranschlagten Vorhabens. Auf thailändischer Seite führt Italian‑Thai Development die Bauarbeiten, während China Railway Group für Entwurf und Überwachung verantwortlich ist. Bei der Unglücksmaschine handelte es sich um einen Traggerüst‑Kran für die errichteten Hochbahntrassen.

Ermittlungen, Stilllegungen und wachsende Kritik

Polizei und Aufsichtsbehörden sichern Beweise, befragen Kranführer und Bauleiter. Bisher wurden keine Anklagen im Zusammenhang mit dem Zugunfall erhoben, die Waggons wurden nachts unter Flutlicht geborgen, Angehörige warteten außerhalb der Absperrungen.

Italian‑Thai Development, seit 1958 prägend beim Aufbau von Häfen, Autobahnen und Kraftwerken, steht bereits seit längerem unter Druck. Nach dem Einsturz des im Bau befindlichen Staatsrechnungsprüfungsgebäudes in Bangkok am 28. März 2025 infolge eines Erdbebens mit rund 100 Todesopfern wurden 23 Personen und Firmen angeklagt, darunter Unternehmenspräsident Premchai Karnasuta, der seit Mai 2025 in Untersuchungshaft sitzt.

Als Reaktion auf die neueste Unglücksserie ließen die Behörden alle Projekte mit Beteiligung des Konzerns ruhen. Gleichzeitig rücken Kooperationen mit chinesischen Staatsunternehmen stärker in den Fokus, auch wenn die Probleme nicht auf einen einzigen Auftragnehmer begrenzt sind.

Weitere Einstürze, politische Verflechtungen

Im September 2025 hatte sich bereits auf der Samsen Road in Bangkok ein riesiger Straßenkrater geöffnet. Der Einsturz wurde mit einer neuen U‑Bahn‑Linie der Mass Rapid Transit Authority of Thailand (MRTA) in Verbindung gebracht. Auftragnehmer war die Familienfirma des amtierenden Premierministers Anutin Charnvirakul.

Mehrere angeschlagene Gebäude mussten abgerissen werden, darunter eine frisch renovierte Polizeistation. Die Absenkung trat wenige Wochen nach Anutins Wahl und ausgerechnet am Tag der Vereidigung seines Kabinetts auf. Bilder rissiger Straßen gingen um die Welt.

Internationale Dimension und Imageverlust

Am Mittwochesunglück an der Schnellfahrstrecke untersucht der Provinzpolizeichef Narongsak Promta den verunglückten Traggerüst‑Kran. Die Staatsbahn koordiniert die Räumung, der amtierende Gouverneur bestätigte Italian‑Thai als Auftragnehmer. Ein chinesisches Unternehmen war für Entwurf und Aufsicht zuständig.

Die Firma veröffentlichte auf ihrer Website Beileidsbekundungen, versprach Entschädigung für Hinterbliebene und Übernahme der Krankenhauskosten für Verletzte. In Peking äußerte Außenamtssprecherin Mao Ning Mitgefühl mit den Opfern. Die Strecke ist Teil der Belt‑and‑Road‑Initiative, die China mit Südostasien per Schiene verbinden soll.

Wirtschaftliche Folgen und Vertrauenskrise

Unternehmer entlang der Rama‑2‑Baustelle klagen über Umsatzeinbrüche durch Fahrstreifensperrungen. Busbetriebe berichten von täglichen Verspätungen nach Bangkok, Logistikfirmen vor steigenden Transportkosten. Damit reichen die ökonomischen Folgen weit über die Unglücksorte hinaus.

Gleichzeitig beobachten Tourismusbranche und Investoren die Entwicklungen mit Sorge. Die Zahl ausländischer Besucher war im Vorjahr bereits um 7,23 Prozent gegenüber 2024 gefallen. Analysten warnen, die wiederholten Großunfälle könnten Auslandsinvestitionen bremsen.

Alternde Infrastruktur, begrenzte Antworten

Fachleute verweisen darauf, dass unter vielen Straßen im Großraum Bangkok alternde Versorgungsleitungen verlaufen. Langsame Lecks können Tragschichten über Jahre aushöhlen, während schwere Bauarbeiten darüber zusätzlichen Druck erzeugen. Ähnliche Einstürze gelten daher als möglich.

Behörden hielten sich mit weitergehenden Spekulationen zurück und konzentrierten sich auf die schnelle Wiederherstellung der Fahrbahn. Die Gemeinde sagte den Austausch des beschädigten Rohrsegments zu, eine neue Asphaltdecke soll in wenigen Tagen aufgebracht werden.

Regierung unter Druck, Ruf im Ausland beschädigt

Der zeitliche Ablauf wirkt drastisch: Am Mittwoch starben 32 Menschen beim Zugunglück, Donnerstag forderte der Kransturz auf Rama 2 zwei weitere Todesopfer, am Samstag öffnete sich der Krater in Samut Sakhon. Offizielle betonen zwar unterschiedliche technische Ursachen, Kritiker sehen gleichwohl ein Muster bei staatlichen Großprojekten.

Bereits im Vorjahr hatte die von Pheu Thai geführte Regierung schärfere Sicherheitsvorgaben bei Ingenieurbauten angekündigt. Sichtbare Veränderungen bleiben bisher aus. Beobachter fürchten, dass Korruption und der Hang zu Abkürzungen weiterhin strukturelle Schwachstellen überdecken – mit wachsenden Risiken für Anwohner, Pendler und den internationalen Ruf des Landes.

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Quelle: Thai Examiner

Ein Kommentar zu „Rama II: Highway des Todes

  1. Wenn die Bahnstrecke nach China fertig ist wird die Flut von Billigprodukten zum Nachteil thailändischer Produzenten erst richtig losgehen. Laos hat diese Erfahrung nach der Fertigstellung eines Teilstücks 2021 schon machen dürfen.

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