Rentner Horst und Nong: Ein Märchen aus 1001. GoGo Bar

Rentner Horst (67) schwört: Seine Nong aus Bangkok ist die wahre Liebe! Dass sie 40 Jahre jünger ist und seinen Namen nicht aussprechen kann? Pure Romantik! Eine satirische Reise durch die Höhen und Tiefen der deutsch-thailändischen Spätzünder-Liebe.

Rentner Horst und seine Nong: Ein Märchen aus 1001. GoGo Bar
KI-generierte Illustration, erstellt von Google Gemini.
Google Werbung

Horst-Dieter M. hätte nie gedacht, dass sein Lebensabend zwischen Currywurst und Krabbenchips beginnen würde. Nicht etwa, weil er sich für exotische Küche begeisterte – nein, seine 23-jährige Ehefrau Nong kocht ihm täglich authentisches Pad Thai, während er sehnsüchtig an seine Mutter Ernas Sauerbraten denkt. „Meine ist anders„, verkündet er stolz jedem Nachbarn, der es hören will oder auch nicht. „Die anderen Thailänderinnen hier im Dorf, die können alle nur ‚Hallo‘ und ‚Geld‘. Meine Nong kann sogar ‚Bier‘ sagen!

Dass Nong außerdem fließend Englisch, etwas Französisch und drei chinesische Dialekte spricht, erwähnt Horst-Dieter lieber nicht. Das würde nur die Geschichte vom einfachen Bargirl aus ärmlichen Verhältnissen zerstören, die er so gerne erzählt. Schließlich ist er der Retter, der Prinz auf dem weißen Schimmel – oder in seinem Fall: dem beigen Opel Corsa, Baujahr 2009.

Die Entstehung einer großen Liebe (und kleiner Rechnungen)

Es war Liebe auf den ersten Blick, schwört Horst-Dieter. Nun gut, vielleicht war es auch der dritte oder vierte Blick – nach zwei Chang-Bier und einem Leo wird die Erinnerung etwas unscharf. „Sie hat so geheimnisvoll gelächelt„, schwärmt er und meint damit Nongs professionelles Dauergrinsen, das sie sich in fünf Jahren Nachtschicht antrainiert hat.

Horst-Dieter zu lang„, hatte Nong damals erklärt und ihn kurzerhand auf „Papa“ getauft. Ein Kosename, dachte der frischverliebte Rentner gerührt. Dass sie alle männlichen Kunden über 50 so nennt, verriet ihm niemand. Warum auch? Manchmal ist Unwissen ein Segen, besonders wenn es 850 Euro Rente im Monat kostet.

Kultureller Austausch auf höchstem Niveau

Heute, zwei Jahre nach der Hochzeit in der Dorfkirche von Kleinkleckersdorf, ist aus dem kulturellen Austausch eine wahre Symbiose geworden. Horst-Dieter lernt täglich neue thailändische Begriffe – hauptsächlich Zahlen, die Nong am Telefon mit ihrer Familie bespricht. „Siebentausend„, „zehntausend„, „fünfzehntausend“ – seine Fortschritte sind beeindruckend.

Im Gegenzug bringt er Nong die deutsche Kultur näher: Jeden Sonntag schauen sie gemeinsam „Bauer sucht Frau„, während Nong auf ihrem Handy chattet und gelegentlich „Ja, Papa, sehr interessant“ murmelt. Diese Aufmerksamkeit rührt Horst-Dieter zu Tränen. „Seht ihr„, sagt er dann zu seinen Skatkumpels, „eine richtige Partnerin interessiert sich für deine Hobbys.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Das Geheimnis einer funktionierenden Ehe

Das Erfolgsrezept ihrer Ehe ist simpel: Jeder lebt sein eigenes Leben, aber unter einem Dach. Während Horst-Dieter morgens um sechs aufsteht, um die Zeitung zu lesen und über die Jugend von heute zu schimpfen, schläft Nong bis mittags – verständlich nach den langen Videokonferenzen mit der Familie in Thailand, die meist bis drei Uhr nachts dauern.

Sie ist so fürsorglich„, erzählt Horst-Dieter jedem, der es hören will. „Immer fragt sie mich: ‚Papa, wie geht Rente? Kommt pünktlich?‘ Das ist wahre Liebe!“ Dass Nongs Interesse an seinem Gesundheitszustand möglicherweise andere Gründe haben könnte, kommt ihm nicht in den Sinn. Warum auch? Love is blind, besonders mit 67.

Die Kunst des Kompromisses

Kompromisse sind das A und O jeder Beziehung, hat Horst-Dieter gelernt. So darf Nong jeden Monat 500 Euro an ihre „kranke Mutter“ nach Thailand schicken, während er sich mit 350 Euro für Lebensmittel, Benzin und gelegentliche Skat-Abende begnügt. „Geteiltes Leid ist halbes Leid„, philosophiert er und meint eigentlich „Geteilte Rente ist halbe Rente„.

Auch beim Fernsehprogramm haben sie einen goldenen Mittelweg gefunden: Abwechselnd schauen sie deutsche Volksmusik-Shows und thailändische Seifenopern. Horst-Dieter versteht zwar kein Wort Thai, aber „die Mimik ist international„, findet er. Dass Nong während der Helene Fischer-Show-Wiederholungen regelmäßig einschläft, interpretiert er als Zeichen tiefer Entspannung.

Freunde und Feinde der deutsch-thailändischen Allianz

Die Nachbarschaft ist gespalten. Während Erna Kowalski aus Haus Nummer 23 neidisch ist („Der alte Knacker kriegt noch eine Junge ab!„), zeigt sich Herbert Fleischmann skeptisch: „Die kann nicht mal richtig Deutsch. Wie soll das funktionieren?

Horst-Dieter lässt solche Einwände nicht gelten: „Liebe braucht keine Worte„, erklärt er pathetisch. „Wir kommunizieren mit Herz und Hand.“ Tatsächlich kommunizieren sie hauptsächlich mit Google Translate und Handzeichen, aber das klingt weniger romantisch.

Google Werbung

Seine Skatkumpels haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass Nong bei den Herrenabenden auftaucht, ihnen Bier serviert und charmant lächelt. „Die kann was„, raunt Klaus anerkennend. Was genau, bleibt sein Geheimnis – aber die Getränke kommen seit Nongs Anwesenheit deutlich schneller.

Zukunftspläne und kleine Träume

Die Zukunft sieht rosig aus. Nong plant bereits den Umzug ihrer Schwester nach Deutschland („Sie braucht auch deutschen Mann, Papa!„), während Horst-Dieter von gemeinsamen Enkelkindern träumt. Dass Nong bereits drei Kinder in Thailand hat, die sie regelmäßig besucht, erwähnt sie lieber nicht. Manche Wahrheiten sind zu kompliziert für die Liebe.

Nächstes Jahr fliegen wir zusammen nach Thailand„, verkündet Horst-Dieter stolz. „Ich lerne ihre Familie kennen.“ Dass diese Familie bereits ein komfortables Haus mit Swimmingpool bewohnt – finanziert durch Nongs „deutsche Ersparnisse“ – wird eine schöne Überraschung. Manchmal ist Unwissen wirklich ein Segen.

Weihnachten: Deutsch trifft Asiatisch

Das erste gemeinsame Weihnachtsfest war eine kleine Herausforderung. Horst-Dieter hatte sich ein romantisches Fest zu dritt vorgestellt – er, Nong und der Christbaum. Doch am Heiligen Abend saß Nong vor dem Laptop und führte eine lautstark-fröhliche Videokonferenz mit mindestens 20 Familienmitgliedern in Bangkok, während im Hintergrund kreischend kleine Kinder ihre Wünsche schrien.

Ist doch schön!„, versuchte Nong zu erklären, als Horst-Dieter mit verdunkeltem Blick auf die Couch starrte. „Meine Familie sieht mich! Alle sehr glücklich!“ Das stimmte. Besonders glücklich waren sie offenbar, als Nong ankündigte: „Papa sagt Hallo und schickt Weihnachtsgeld!“ Der Bildschirm explodierte förmlich vor Begeisterung.

Google Werbung

Unterm Weihnachtsbaum lag dann ein Geschenk, das Horst-Dieter zuerst verwirrt machte: eine Thai-Massage-Matratze. „Für dein Rücken, Papa. Du immer sagen: ‚Ach, mein Kreuz!‘„, erklärte Nong stolz. Dass die Matratze genau für seine Schlafposition konzipiert war und er danach bemitleidenswerter schlecht schlief, war irrelevant. Die Geste zählte – und die Geste hatte genau 299 Euro gekostet.

Der Einkaufsbummel: Wenn Liebe teuer wird

Mit Nong einkaufen zu gehen ist für Horst-Dieter wie ein Marathonlauf ohne Wasser. Was er als „kurzer Bummel in die Stadt“ plante, wird unweigerlich zu einer vierstündigen Odyssee durch Designer-Boutiquen, die er mit seiner Rente in drei Monaten nicht anschauen könnte.

Schau, Papa! Nur 89 Euro! Super billig!„, ruft Nong begeistert und hält eine Louis-Vuitton-Sonnenbrille hoch. „In Thailand kostet das 120!“ Horst-Dieter vergisst dabei großzügig, dass sie die Sonnenbrille im letzten Urlaub in Thailand NICHT gekauft hat – hauptsächlich, weil er damals auch nur 89 Euro hatte.

Die Strategie funktioniert jedes Mal: Nong findet drei Dinge, die angeblich „super billig“ sind, weil sie um 15% reduziert wurden, und Horst-Dieter kauft sie alle, um zu zeigen, dass er großzügig ist. Im Spiegel sieht er selbst wie ein billiges Outlet-Produkt aus, aber Nong ist glücklich – und das ist alles, was zählt, korrigiert er sich selbst.

Die Facebook-Überraschung: Nongs Online-Leben

Eines Tages stolpert Horst-Dieter zufällig über Nongs Facebook-Profil. Was er dort sieht, hätte ihn vor einem Jahr noch schockiert. Nong hat mehrere Konten. Auf einem ist sie eine glamouröse Instagram-Influencerin mit 50.000 Followern. Auf anderem teilt sie Motivational-Videos und Lebensratschläge auf Deutsch – professionell, eloquent und mit korrekterer Grammatik als Horst-Dieters eigene Beiträge.

Das ist nur für Geld, Papa„, erklärt Nong lachend, als wäre es das Normalste der Welt. „Und für Marketing. Ich habe kleine Business mit Beauty-Produkte. Sehr erfolgreich!“ Horst-Dieter sah sich selbst in einem ihrer ältesten Posts: ein unscharfes Foto, auf dem er mit Beerdigung-Miene neben ihr saß, beschriftet mit „My sweet sugar daddy! Best life ever! 😘❤️

Google Werbung

Er hätte wütend sein sollen. Aber es kostete nur 89 Euro pro Monat für ihre „Business“, und immerhin war er jetzt im Internet unsterblich. Außerdem bekam Nong dadurch irgendwann echte Kunden, die echte Produkte kauften – was bedeutete, dass die monatlichen Überweisungen an Mutter, Schwester, Cousine und „kranken Onkel“ endlich von ihrer eigenen Arbeit kamen. Halb so schlimm also.

Im Fitnessstudio: Das Training der Ehen

Mit Anfang 50ern beschloss Nong, dass Horst-Dieter trainieren müsse. „Papa, du immer sagen dein Rücken kaputtmachen. Und dein Bauch… hm… Papa braucht Fitnessstudio!“ Das war zwar nicht ganz unrichtig, aber Horst-Dieter hätte die Diagnose auch gerne von jemandem gehört, der nicht jeden Morgen 50 Liegestütze machte.

Google Werbung

Also meldete sich Horst-Dieter widerwillig im örtlichen Fitnessstudio an. Die erste Woche war eine Katastrophe. Die zweite Woche war noch schlimmer. In der dritten Woche kam Nong zum Trainieren mit und alles änderte sich: Plötzlich kannte jeder Trainer sein Name. Plötzlich wurde jeder erinnert, dass Horst-Dieter sein Rücken-Gesundheit ernst nehmen müsse. Und Nong? Die trainierte mit einer Leichtigkeit, die vermuten ließ, dass die 23 Jahre Altersunterschied möglicherweise nicht ganz so nachteilig waren, wie er dachte.

Komm, Papa! Du schaffst!„, rief Nong ermutigend, während Horst-Dieter nach 15 Minuten auf dem Laufband wie ein Tier keuchte, das gerade seinen letzten Tag hatte. „Ich habe Babys im Bauch gehabt und bin schneller gelaufen!“ Das stimmte vermutlich auch.

Sprachbarrieren im Alltag: Das große Missverständnis

Manchmal führt die Sprachbarriere zu wirklich lustigen Momenten. Als Horst-Dieter zum Beispiel Nong sagte: „Ich gehe mit Klaus zum Spiel„, verstand sie das als: „Ich gehe mit Klaus zum Spielen“ – was sie prompt ihrer ganzen Familie erzählte, die lautstark lachte. Im Thai-Englisch-Chat-Slang bedeutet das nämlich etwas völlig anderes, das Horst-Dieter lieber nicht übersetzt haben möchte.

Dann gab es den Vorfall mit dem Wort „Bank„. Horst-Dieter sagte beiläufig: „Ich muss zur Bank„. Nong wurde panisch: „Papa! Bank gefährlich! Banditen überall! Nimm nicht viel Geld!“ Sie hatte gemeint, er solle einen Ort nicht besuchen, wo man sich wie auf einer Parkbank sitzen würde – denn das war in ihren Augen definitiv eine Orgie-Location. „In Thailand, die Menschen nur auf Bank gehen wenn…“ – hier verstummte sie verlegen.

Google Werbung

Die Erkenntnis, dass „Bank“ ein Geldinstitut ist, kam ihr wie eine Offenbarung. „Ach! Geld-Bank!“ Sie lachte drei Tage lang über ihre eigene Verwirrung, erzählte das zu Hause herum, und jetzt denkt Nongs ganze Familie, Horst-Dieter hätte einen Spleen für öffentliche Orte.

Der Zahnarzt-Termin: Versicherungen und Verwirrung

Als Nong einen Zahnarzt-Termin brauchte, organisierte Horst-Dieter alles professionell: Versicherung, Termin, Transport. Im Wartezimmer saß sie brav, bis der Zahnarzt fragte: „Und wo haben Sie Ihre Krankenversicherung?“ Darauf antwortete Nong prompt: „Mit Horst-Dieter auf Couch„.

Der Zahnarzt verstand das genauso wenig wie Horst-Dieter. Es stellte sich heraus, dass Nong dachte, „Versicherung“ bedeute eine Art physisches Ding, das man mit jemandem teilt. Die Vorstellung von Horst-Dieter, sie würde sich mit ihm auf der Couch „versichern“, während er die Zahnkosten zahlte, war tatsächlich nicht ganz falsch – sachlich betrachtet.

Google Werbung

Nach 45 Minuten Klärung mit Google Translate und Geduld verstanden alle die Krankenversicherung, und Nong wurde „Familienversicherte“. Horst-Dieter zahlte 47 Euro extra pro Monat, was für ihn gleichbedeutend war mit: „Ich liebe sie“. Nong nahm das als selbstverständlich hin.

Die Familie von Horst-Dieter: Ein Kulturschock für alle Seiten

Horst-Dieters Schwester Gertrud besuchte sie eines Wochenendes und fragte Nong direkt beim Kaffeetrinken: „Und… liebst du meinen Bruder wirklich? Oder ist es das Geld?“ Es war die Art von Frage, die man nicht stellt, wenn man die Antwort fürchtet.

Nong antwortete überraschend ehrlich: „Gertrud, ja, ich liebe Papa. Aber Geld ist auch wichtig, nicht wahr? In Thailand, man heiratet nur wenn beide Seiten Sinn machen. Liebe ist schön, aber Liebe nicht zahlt Rechnungen.“ Gertrud wusste darauf nichts zu erwidern. Es war irgendwie schwer, gegen so viel praktischen Pragmatismus anzuargumentieren.

Google Werbung

Die Familie beschloss dann, Nong einfach zu akzeptieren. Nicht weil sie alle naiv waren, sondern weil Nong so verdammt gut Kartoffelsalat machen gelernt hatte, dass selbst Horst-Dieters Neffe Stefan, der normalerweise alles kritisiert, zugeben musste: „Das Mädchen kann mehr als dein Original-Rezept, Onkel.

Das Jahr in Thailand: Das größte Abenteuer

Dann kam endlich der Traum wahr: Horst-Dieter und Nong flogen nach Thailand. Er war nervös wie ein Teenager bei der ersten Verabredung. Er stellte sich vor: kulturelle Entfremdung, Familie, die ihn nicht versteht, exotische Krankheiten – das volle Programm.

Stattdessen wurde er wie ein König empfangen. Nongs Familie – die nach Aussage von Nong ja alle arm und bedürftig sein sollten – betrieb ein erfolgreiches Import-Export-Geschäft, besaß das besagte Haus mit Pool und ein Restaurant in Bangkok. Horst-Dieter stand da mit seiner Rente und kam sich plötzlich wie ein armer Verwandter vor.

Google Werbung

Du bist Rentner„, erklärte ihm Nongs Bruder Somchai großzügig, „und Nong verheiratet mit dir. Das ist respektabel. Wir nehmen dich in die Familie auf.“ Damit war für Horst-Dieter sofort klar: Das Bild, das Nong gezeichnet hatte, war… nun ja, eine Interpretation der Realität gewesen.

Das Schlimmste war das Essen. Überall sollte er scharfe Thai-Speisen essen, während Nongs Schwester insgeheim deutsche Schnitzel kochte, nur für ihn. „Ich weiß, du das Essen nicht magst„, flüsterte sie verschwörerisch. Das einzige Thai-Essen, das Horst-Dieter ohne zu weinen essen konnte, war das Pad Thai von Nong zu Hause – plötzlich würde er das deutsche Essen furchtbar vermissen.

Zurück in Deutschland: Die neue Realität

Nach zwei Wochen in Thailand war Horst-Dieter gebrochen, aber auch erleuchtet. Die Rückkehr nach Deutschland war wie das Erwachen aus einem Traum – mit viel weniger Wasser und mehr Arbeit.

Nong war merklich verunsichert nach der Rückkehr nach Deutschland. Das Haus schien plötzlich klein. Das Dorf schien plötzlich depressiv. Und die monatelange Isolation für die Visumsprobleme, die immer wieder aufkamen, zehrten an ihr.

Google Werbung

Warum wir nicht immer in Thailand bleiben?“ fragte sie eines Abends. Horst-Dieter seufzte. „Weil deine Familie mich nicht wirklich haben will, und meine Rente reicht nicht für Thailand.“ Es war die erste ehrliche Konversation, die sie jemals geführt hatten.

Ein Jahr später: Zukunftsträume und Realitäten

Ein Jahr später saß Horst-Dieter an seinem 70. Geburtstag mit Nong auf der Couch. Sie waren nicht mehr die Traumfiguren, die sie einmal waren – aber sie waren echt. Nong hatte tatsächlich ein florendes Beauty-Business aufgebaut, das schon fast das Einkommen von Horst-Dieter verdoppelt hatte. Die monatlichen Überweisungen zur Familie kamen jetzt zur Hälfte aus ihrem Geld.

Du warst recht„, sagte Nong eines Tages, „meine Familie nicht wirklich arm. Aber… sie auch nicht wirklich glücklich ohne dich dort. Mein Bruder jetzt sagt: ‚Dein Horst-Dieter ist guter Mann. Er nicht reich, aber er Herz hat.‘ Das große Kompliment für Somchai.

Horst-Dieter musste lachen. Es war wahrscheinlich das beste Kompliment, das er je bekommen hatte. Nicht, weil es großartig war, sondern weil es ehrlich war.

Das Leben geht weiter: Zwischen zwei Welten

Heute, drei Jahre nach ihrer Hochzeit, ist das Leben von Horst-Dieter und Nong ein Unikat. Sie planen bereits für den Ruhestand Nongs (bei ihr ist das mit 30 eigentlich zu früh) und für regelmäßige Besuche in Thailand. Das Dorf hat sich an Nong gewöhnt – besonders seit ihr Beauty-Business so erfolgreich ist, dass sie der Gemeinde bei der Renovierung des Dorfplatzes finanziell helfen konnte.

Herbert Fleischmann, der ursprünglich skeptische Nachbar, besitzt jetzt sogar von Nongs Beauty-Produkten und „findet sie gar nicht so schlecht, wie er erwartet hatte.“ Das ist in der Sprache von Nachbarn das Äquivalent zu „I love you.“

Nongs ursprünglicher Plan, ihre Schwester nach Deutschland zu bringen, wurde revidiert – die Schwester ist jetzt Geschäftspartnerin in Thailand und verdient selbst Geld. Die ursprüngliche „kranke Mutter“ offenbarte sich als sehr lebendig und geschäftstüchtig. Und die geheimnisvolle „Familie in Schwierigkeiten“? Sie hatte eigentlich nur Schwierigkeiten damit, dass Nong nicht regelmäßig Geld schickte.

Die wahre Geschichte hinter der Geschichte

Was Horst-Dieter schließlich verstand, war, dass es nicht darum ging, ob Nong ihn wirklich liebte oder nur sein Geld. Die Frage war einfach zu vereinfacht. Nong liebte was Horst-Dieter repräsentierte: Stabilität, Sicherheit und die Möglichkeit, ihre Familie aus einer besseren Position heraus zu unterstützen. Das ist nicht weniger echte Liebe als romantische Gefühle – es ist nur eine andere Art.

Und Horst-Dieter? Er liebte Nong, weil sie sein Leben lebendig machte. Sie brachte Farbe, Lachen und eine ganz neue Perspektive in die eintönige Routine eines Rentners. Die Tatsache, dass er auch dafür zahlen musste, war ein einfacher Preis für ein neues Leben.

Google Werbung

Das ist nicht wirklich eine große Liebe„, sagte sein bester Freund Klaus eines Abends beim Skat. „Das ist eine Transaktion.

Horst-Dieter antwortete nicht sofort. Schließlich sagte er: „Klaus, jede Ehe ist eine Transaktion. Deine auch. Der Unterschied ist nur, dass meine ehrlich ist.

Epilog: Und wenn sie nicht gestorben sind…

…dann leben sie noch heute. Horst-Dieter und Nong sitzen auf ihrer Couch in Kleinkleckersdorf, schauen gemeinsam „Bauer sucht Frau“ und schreiben gerade ihre Lebensgeschichte für ein deutsches Lifestyle-Magazin. Der arbeitende Titel: „Liebe, Lügen und Lebensversicherung“.

Und die Moral der Geschichte? Manchmal ist das beste Märchen nicht das romantischste – sondern das ehrlichste.

………….

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Kommentar zu „Rentner Horst und Nong: Ein Märchen aus 1001. GoGo Bar

  1. LOL, lustiges Geschichte mit viel Wahrheit darin. Ich würde Horst-Dieter und Nong trotzdem empfehlen, anstatt in Kleinkleckersdorf zu versauern doch lieber in Ban Kleckerwat zu sitzen. Einiges und anderes kann man auch von Thailand aus machen und das Wetter ist auch besser, was die Stimmung hebt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert