Schwiegereltern-Rente: Abzocke oder Pflicht?

Schwiegereltern-Rente: Abzocke oder Pflicht?
Gemini AI

Der stille Zweifel im Paradies

Ein westlicher Ehemann sitzt auf seiner Veranda im ländlichen Thailand und grübelt. Seine Frau bittet ihn erneut um eine monatliche Unterstützung für ihre Eltern im Dorf. Sie nennt es Tradition und Respekt. Doch in seinem Kopf hämmert eine unbequeme Frage, die viele Expats plagt.

Er fragt sich, ob ein thailändischer Mann in seiner exakten Situation dasselbe tun würde. Ist diese finanzielle Forderung ein kulturelles Muss oder eine spezielle Steuer für den ausländischen Partner? Dieser Zweifel kann das Vertrauen in einer binationalen Beziehung tief erschüttern.

Ein virales Thema entbrennt

Diese Frage entzündete kürzlich eine hitzige Diskussion auf einer großen englischsprachigen Expat-Plattform. Ein Nutzer wollte wissen, wie die Regeln unter Einheimischen wirklich sind, abseits der Touristenpfade.

Der Thread-Ersteller stellte ein rein hypothetisches Szenario auf: Wenn zwei Thais aus armen Verhältnissen heiraten, zahlt der Mann dann eine monatliche Rente an die Eltern der Frau? Die Antworten der Community waren überraschend eindeutig und zeichnen ein Bild, das viele westliche Ehemänner nicht kennen.

Die hypothetische Kernfrage

Um die Wahrheit zu finden, muss man den Faktor „reicher Farang“ aus der Gleichung streichen. Man stelle sich ein thailändisches Paar vor, beide aus der Arbeiterklasse, beide mit begrenztem Einkommen.

Würde der Ehemann verpflichtet sein, jeden Monat einen festen Betrag an seine Schwiegereltern zu überweisen? Oder würde sogar die Frau an die Familie des Mannes zahlen? Die Diskussionsteilnehmer analysierten diese Situationen messerscharf und kamen zu einem klaren Schluss.

Die Last der Tradition

In vielen ländlichen Gebieten Thailands, besonders im Nordosten, gilt die Familie als wichtigste soziale Absicherung. Wer es im Leben zu etwas bringt, unterstützt die Eltern im Alter. Das ist das ungeschriebene Gesetz des Generationenvertrags.

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Traditionell lastet dieser Druck jedoch oft stärker auf den Töchtern als auf den Söhnen. Die Tochter gilt als diejenige, die sich physisch und finanziell kümmert („liang duu„), während Söhne oft durch die Mönchsweihe spirituelles Verdienst für die Eltern erbringen.

Das Konzept Bun Khun

Das thailändische Konzept des „Bun Khun“ bezeichnet eine tiefe Schuld der Dankbarkeit, die Kinder gegenüber ihren Eltern haben. Diese Schuld entsteht durch die Geburt und Erziehung und kann niemals vollständig abbezahlt werden.

Daraus resultiert der moralische Druck, Geld nach Hause zu senden. Doch dieser Druck richtet sich primär an das eigene „Blut“. Ein thailändischer Mann kümmert sich um seine eigenen Eltern, die Frau kümmert sich um ihre. Eine Kreuzfinanzierung ist kulturell nicht der Standard.

Sin Sod ist keine Rente

Viele ausländische Partner verwechseln den monatlichen Unterhalt mit „Sin Sod„. Sin Sod ist das Brautgeld, das traditionell vor der Hochzeit an die Eltern der Braut übergeben wird. Es symbolisiert Dankbarkeit für die gute Erziehung der Tochter.

Erfahrene Beobachter stellen klar: Sin Sod ist eine einmalige Zahlung am Tag der Hochzeit oder Verlobung. Daraus eine lebenslange, monatliche Verpflichtung abzuleiten, ist in der thailändischen Kultur so nicht automatisch vorgesehen, wird aber bei Farangs oft versucht.

Die Realität im Jahr 2026

Im Jahr 2026 hat sich Thailand stark gewandelt, auch wenn alte Traditionen nachwirken. Die Urbanisierung hat viele familiäre Strukturen aufgeweicht. Junge Paare ziehen in die Städte und müssen dort ihr eigenes Überleben sichern.

Während in Bangkok moderne Paare oft getrennte Kassen haben und jeder seine eigenen Eltern unterstützt, bleibt die Erwartungshaltung im Dorf bestehen. Doch die wirtschaftliche Realität macht es vielen thailändischen Ehemännern unmöglich, zwei Familienclans gleichzeitig zu ernähren.

Stadt gegen Land

Man muss in Thailand immer zwischen den Lebenswelten differenzieren. In der Mittelschicht Bangkoks wäre die explizite Forderung nach monatlichem Geld oft ein Gesichtsverlust für die Eltern der Frau. Sie sind stolz darauf, selbstständig zu sein.

In armen Agrarregionen hingegen ist die Unterstützung durch die Kinder oft das einzige nennenswerte Einkommen. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen freiwilliger Hilfe und harter Pflicht. Doch auch hier gilt: Der Sohn kümmert sich meist um seine Eltern, die Tochter um ihre.

Was Thai-Männer wirklich tun

Die klare Aussage der langjährigen Expats und Einheimischen in der Diskussion ist eindeutig: Die meisten thailändischen Ehemänner zahlen keinen fixen monatlichen Unterhalt an die Schwiegereltern.

Wenn das Paar im Haus der Eltern der Frau lebt, trägt der Mann selbstverständlich zu den Haushaltskosten bei. Aber eine Überweisung, während man woanders lebt, ist unter thailändischen Männern der Arbeiterklasse absolut unüblich.

Hilfe in der Not

Das bedeutet nicht, dass thailändische Männer ihre Schwiegereltern ignorieren. Sie helfen durchaus, aber eher projektbezogen oder in Notfällen. Wenn der Kühlschrank kaputt ist oder eine Krankenhausrechnung ansteht, springen sie ein.

Es ist eine Kultur des Teilens, nicht des festen Abonnement-Modells. Ein thailändischer Schwiegersohn hilft oft auch durch Arbeitskraft auf dem Feld oder Reparaturen am Haus, was einen monetären Wert hat, aber kein Bargeld erfordert.

Die eigene Sippe zuerst

Ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird, ist die Loyalität zur eigenen Herkunftsfamilie. Ein thailändischer Mann hat primär die Verpflichtung, seine eigenen Eltern im Alter zu versorgen.

Da sein Einkommen oft begrenzt ist, bleibt nach der Versorgung der eigenen Eltern und der eigenen Kernfamilie (Frau und Kinder) schlichtweg nichts übrig, um auch noch die Schwiegereltern monatlich zu alimentieren.

Der Faktor Gesichtsverlust

Für die Eltern der Frau ist es auch eine Frage des Gesichts (Naa Taa). Einen Schwiegersohn zu haben, der sich kümmert, erhöht das Ansehen im Dorf enorm. Das muss nicht immer Geld sein.

Thailändische Männer tragen zum Gesicht bei, indem sie bei Dorffesten präsent sind, Respekt zeigen oder die Familie fahren. Der ausländische Partner kann dies oft kulturell oder sprachlich nicht leisten und kompensiert dies dann mit Geld.

Die Rolle der ältesten Tochter

Oft ist es die älteste Tochter, die die Hauptlast der familiären Fürsorge trägt. Sie fungiert als Managerin des familiären Wohlergehens. Wenn sie heiratet, ändert sich ihre Rolle als Versorgerin nicht automatisch.

Wenn sie einen Mann heiratet, der finanziell potent erscheint, hoffen die Eltern natürlich, dass dieser Wohlstand auch auf sie abfärbt. Bei einem thailändischen Ehemann mit gleichem niedrigem Einkommen ist diese Hoffnung jedoch meist von vornherein unrealistisch.

Der reiche Farang-Mythos

Hier liegt der fundamentale Unterschied: Der westliche Partner wird per se als wohlhabend wahrgenommen, selbst wenn er in seiner Heimat nur eine kleine Rente bezieht oder Ersparnisse aufbraucht.

Die Logik der Familie ist simpel: „Er hat mehr als wir, also kann er teilen.“ Was für den Farang wie Ausbeutung wirkt, ist für die Familie oft nur eine pragmatische Verteilung von Ressourcen in einer ungleichen Welt.

Wenn Liebe Geld kostet

Viele Diskussionsteilnehmer warnen davor, dass aus einer freiwilligen Gabe schnell eine fordernde Erwartungshaltung wird. Wer einmal anfängt, regelmäßig zu zahlen, kommt aus dieser Nummer nur schwer wieder heraus, ohne die Beziehung zu belasten.

Die Beiträge zeigen, dass thailändische Männer diese Erwartungshaltung oft gar nicht erst aufkommen lassen. Sie setzen durch ihre finanzielle Realität natürliche Grenzen, die Ausländer aus Angst vor Liebesentzug oft nicht zu ziehen wagen.

Vergleich der sozialen Schichten

Ein wohlhabender thailändischer Mann, der eine Frau aus armen Verhältnissen heiratet, würde vermutlich ebenfalls ihre Familie unterstützen. Das ist eine Frage des Status und der Großzügigkeit.

Doch die Masse der Bevölkerung heiratet innerhalb ihrer sozialen Schicht. Da beide Partner oft wenig haben, fließt kein nennenswertes Kapital von einer Familie zur anderen. Man kämpft gemeinsam ums Überleben.

Die rechtliche Grauzone

Gibt es eine Rechtspflicht zum Unterhalt? Ja, aber anders als viele denken. Abschnitt 1563 des thailändischen Zivil- und Handelsgesetzbuches besagt, dass Kinder verpflichtet sind, ihre Eltern zu unterhalten.

Das Gesetz richtet sich explizit an die leiblichen Kinder, nicht an die Schwiegerkinder. Juristisch müsste also die Frau zahlen, nicht ihr Mann. Da in der Ehe das Geld oft gemeinsam verwaltet wird, zahlt er indirekt mit, ist aber nicht der direkte Schuldner.

Inflation und Kaufkraft 2026

Die Lebenshaltungskosten in Thailand sind drastisch gestiegen. Bei einem aktuellen Kurs von etwa 36,65 Baht für einen Euro haben 5.000 Baht (ca. 136 Euro) heute nicht mehr die Kaufkraft wie vor zehn Jahren.

Dadurch steigt der Druck auf die Kinder. Wo früher Reis und Fisch aus dem eigenen Teich reichten, werden heute Smartphones, Internet und moderne Medizin benötigt. Das macht die Forderung nach Unterstützung drängender und die Summen höher.

Die emanzipierte Thai-Frau

Die jüngere Generation thailändischer Frauen ist heute oft besser gebildet und verdient eigenes Geld. Sie sind weniger abhängig vom Mann als früher und gestalten ihre Ehen partnerschaftlicher.

Dadurch verschiebt sich die Dynamik langsam. Eine Frau, die selbst gut verdient, unterstützt ihre Eltern aus eigener Tasche und muss ihren Mann nicht um Geld bitten. Das ist das Modell der Zukunft, das Konflikte entschärft.

Verhandeln statt zahlen

In Thailand ist fast alles Verhandlungssache, auch innerfamiliäre Finanzen. Es gibt keine starren Regeln, die für alle gelten. Ein kluger Ehemann bespricht vor der Ehe, was möglich ist.

„Wir geben 3.000 Baht (ca. 82 Euro) im Monat, mehr geht nicht.“ Eine solche Klarheit verhindert Konflikte. Schweigen und zahlen führt oft zu Frustration und dem Gefühl, ausgenutzt zu werden.

Das Ende der Schweigsamkeit

Offene Kommunikation ist der Schlüssel. Thailändische Paare reden oft pragmatisch über Geld. Farangs scheuen dieses Thema oft, um nicht geizig zu wirken, und tappen so in die Falle.

Die Forendiskussion zeigt, dass jene Paare am glücklichsten sind, bei denen der Mann die Grenzen seines Budgets klar kommuniziert hat und die Frau dies akzeptiert und ihren Eltern vermittelt.

Die ungeschminkte Auflösung

Zusammenfassend zeigt die Recherche ganz deutlich: Thailändische Männer zahlen in der Regel keinen monatlichen Unterhalt an die Schwiegereltern. Sie kümmern sich primär um ihre eigenen Eltern und die eigene Kernfamilie.

Die Unterstützung der Frau für ihre Eltern kommt aus ihrem eigenen Einkommen oder dem gemeinsamen Haushaltsbudget. Dass der Mann alleinverantwortlich für den monatlichen Unterhalt der Schwiegereltern ist, ist eine Erwartung, die fast exklusiv wohlhabenderen oder ausländischen Schwiegersöhnen entgegengebracht wird.

Anmerkung der Redaktion:

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7 Kommentare zu „Schwiegereltern-Rente: Abzocke oder Pflicht?

  1. Recht guter Bericht. Als westlicher Ehemann sollte man erst einmal seiner Frau klarmachen, welches Budget man hier in Thailand hat und wie man damit „vernünftig“ leben kann. War die Ehefrau vorher schon in DACH? Hat sie eine Ahnung, welche Rente oder welches „Vermögen“ der Ehemann hat? Wenn die Ehefrau mitspielt, sollte die Ünterstützung der Eltern eigentlich kein Thema sein. Man(n) hilft, wenn man kann, es darf aber nie zum „Man(n) muss helfen“ ausarten.

  2. Ich wüsste nicht, warum ich die Familie meiner Frau durchfüttern sollte. Ich habe eine Verpflichtung gegenüber meiner Frau uns sonst nichts. Bereits vor der Heirat habe ich das klipp und klar vermittelt. Meine finanziellen Mittel habe ich selber erarbeitet uns spiele nicht noch den Wohltäter. Es wurden auch klare Verhältnisse geschaffen dass es keine Darlehen für die Verwandtschaft gibt. Ich verwalte die Finanzen selbst und gebe meiner Frau ein Taschengeld. Damit kann sie machen was sie will. So werde ich nicht ständig angebettelt.

  3. Ich habe früher um THB 15.000 im Monat für die 88 jährige Dame gezahlt. Ich konnte es aufbringen und meine Frau war 2 Jahre krank. Ehe heißt auch Problem gemeinsam lösen.

    Nun hat sie selbst Arbeit, sie gibt mir jeden Monat €650,- die ihrer Mutter senden soll.
    Ja, ich helfe auch mal in der Familie bei einem Problem. Kleinigkeiten ok, größere Summen wie Hausbau zahlt meine Frau in Raten zurück.
    Ich habe ihr mal gesagt, wenn es ein unerwidertes Problem gibt, schau ich mir das an, ob und was ich tun kann. Ist schließlich meine Familie. Aber dir Antwort kann auch THB 0 sein.
    Wenn jemand erwartet, das ich die Party schmeiße oder ein neues Bike gebraucht wird, um vor den Freunden anzugeben, gibt es einen Tritt. Wenn das Alte zu kaputt zum reparieren ist, kann man schauen, ob ich bei einem neuen Gebrauchten etwas helfen kann.

    Meine Frau und ich glaube auch die Familie kommt damit zurecht. Es hieß, gutes Herz, hilft Sohn mit THB 400.000 beim Hausbau. Rest kommt vom Vater. Ich glaube, diese Regelung ist so für alle Seiten tragbar. Dabei ist es eigentlich nur ein zinsloses Darlehn an meine Frau. Aber bevor sich meine Frau Geld in Thailand leiht, zu den thailändischen Konditionen…wartet die Volltilgung per Sondertilgung bei mir eben ein Jahr länger. Wie gesagt, das Geld brauche ich eigentlich selber.

  4. Irgendwie kann ich mich in 6 Jahren Thailand nicht des Eindrucks erwehren, als ob sich bei den Thais ALLES NUR UM GELD dreht… 🇹🇭💃🏻💶💵💸😉

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