Sinkende Stadt: Bangkok vor existenzieller Flutgefahr

Bangkok steht vor einer zunehmenden Überschwemmungsgefahr. Sinkender Boden, steigende Meeresspiegel und versiegende Rückhalteflächen drohen, die Stadt bis 2030 teilweise zu überfluten. Experten fordern Sofortmaßnahmen.

Sinkende Stadt: Bangkok vor existenzieller Flutgefahr
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Bangkok vor existenzieller Überschwemmungsgefahr

Bangkok steht laut Experten vor einer sich zuspitzenden Flutkrise, die einen Großteil der Stadt bis 2030 unter Wasser setzen könnte. Dr. Sonthi Kotchawat von der Thai Environmental Scholars Association warnte auf Social Media vor den gravierenden Risiken und betonte, dass das aktuelle Hochwassermanagement der Stadt dringend überarbeitet werden müsse.

Geografische Verwundbarkeit und extreme Wetterlagen

Die thailändische Hauptstadt liegt auf einem niedrigen Delta, nur rund einen Meter über dem mittleren Meeresspiegel. Während die östlichen Gebiete und Teile von Samut Prakan als natürliche Entwässerungsroute in den Golf von Thailand dienen, sinkt der Untergrund jährlich um etwa einen Zentimeter. Dieser Effekt wird durch den Anstieg des Meeresspiegels verstärkt, der aufgrund der globalen Erwärmung und schmelzender Polkappen um 3–5 Millimeter pro Jahr steigt.

Dr. Kotchawat warnte, dass ohne drastische Maßnahmen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen bereits bis 2030 das Wasser des Chao Phraya und seiner Kanäle große Teile der Stadt überfluten könnte. Zudem steigt die Niederschlagsmenge durch die globale Erwärmung: Schon ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius könnte die Regenfälle in der Metropolregion Bangkok um sieben Prozent erhöhen. Die Stadt erlebt bereits häufiger extreme Starkregenereignisse mit teilweise über 100 Millimetern pro Tag, insbesondere während des Südwestmonsuns, der Feuchtigkeit aus dem Indischen Ozean bringt.

Überlastete Entwässerungssysteme und schwindende Rückhalteflächen

Bangkoks bestehendes Entwässerungssystem ist nur auf bis zu 60 Millimeter Regen pro Stunde ausgelegt. Bei stärkeren Regenfällen kommt es zu weitreichenden Überschwemmungen. Verschmutzte und zu flache Kanäle erschweren die Ableitung von Wasser zusätzlich, während die Gezeiten den Abfluss in den Golf von Thailand nahezu unmöglich machen.

Zudem hat die Stadt in den letzten 20 Jahren große Teile ihrer natürlichen „Affenspeicher“ – der Wasser-Rückhalteflächen – verloren. Wohnsiedlungen und Großprojekte, darunter der Flughafen Suvarnabhumi auf mehr als 20.000 Rai, haben die Flutgebiete auf der östlichen Seite der Stadt ersetzt. Insgesamt schrumpften die Wasserflächen von ursprünglich 92.000 Rai auf nur noch 34.000 Rai in Bezirken wie Khlong Sam Wa, Nong Chok, Min Buri und Lat Krabang – ein Verlust von über 58.000 Rai.

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Lösungsansätze der Experten

Dr. Kotchawat empfiehlt mehrere Maßnahmen zur Eindämmung der drohenden Krise:

Umzug der Hauptstadt: Als letzter Ausweg sollte die Regierung laut Dr. Kotchawat erwägen, die Hauptstadt zu verlegen – ähnlich wie Indonesien von Jakarta nach Nusantara – um den existenziellen Risiken zu entgehen.

Integriertes Management: Das Hochwassermanagement sollte zentral durch eine nationale Behörde wie das Office of the National Water Resources (ONWR) koordiniert werden, um einen einheitlichen, systemweiten Ansatz zu gewährleisten.

„Wasserautobahn“: Die Schaffung eines speziellen Wasserkanals zur Ableitung von Überschwemmungswasser aus Pathum Thani, Rangsit, Bangkok und Samut Prakan direkt in den Golf von Thailand wird empfohlen.

Delta-Werke-Projekt: Der Experte schlägt groß angelegte Strukturen wie Dämme, Deiche, Fluttore und Pumpanlagen nach dem Vorbild der niederländischen Flutschutzsysteme vor, um das Eindringen von Meerwasser in die Kanäle der Stadt zu verhindern.

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