So klappt Thailands Aufenthalts-Plan

Visa-Falle Thailand: Wie deutsche Expats dem Papierkram entkommen!
Illustration via OpenAI (2025).

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,

ich verfolge seit einiger Zeit mit großem Interesse die Diskussionen in der deutschsprachigen Community hier in Thailand – besonders wenn es um Aufenthaltsverlängerungen und sogenannte „Visa Runs“ geht. Ihre Berichte über organisierte Van-Dienste, zum Beispiel nach Nong Khai, finde ich sehr hilfreich. Allerdings glaube ich, dass es wichtig wäre, die aktuelle rechtliche Situation noch einmal ganz deutlich zu erklären.

Ich schreibe Ihnen, weil ich mir Sorgen mache, dass manche Leser auf veraltete Informationen vertrauen könnten. Die Folgen können wirklich dramatisch sein – bis hin zu mehrjährigen Einreiseverboten. Deshalb liegt mir daran, dass Ihre Leser eine verlässliche und aktuelle Informationsgrundlage haben.

In den letzten Jahren hat sich nämlich einiges geändert bei den thailändischen Einwanderungsgesetzen, und ich möchte versuchen, die Faktenlage so neutral und verständlich wie möglich darzustellen.

Zunächst einmal: Wir sollten zwei Begriffe auseinanderhalten, die im Alltag oft durcheinandergeraten – den Border Run und den Visa Run. Beim Border Run fährt man einfach über die Grenze, zum Beispiel über die Erste Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke bei Nong Khai, und kommt sofort wieder zurück.

Das Ziel dabei ist, bei der Wiedereinreise eine neue visumfreie Aufenthaltsgenehmigung (die sogenannte Visa Exemption) zu bekommen. Beim Visa Run hingegen reist man tatsächlich in ein Nachbarland und beantragt dort bei der thailändischen Botschaft ein richtiges Visum – zum Beispiel ein 60-tägiges Touristenvisum. Das ist ein wichtiger Unterschied: Nur beim Visa Run bekommt man ein echtes Visum, mit dem man seinen Aufenthalt länger und besser planen kann.

Die Praxis des Border Runs ist heute nicht mehr das, was sie einmal war. Die thailändische Immigrationsbehörde hat in den letzten Jahren die Regeln erheblich verschärft. Für uns Staatsangehörige westlicher Länder, die normalerweise visumfrei einreisen dürfen, gilt jetzt eine klare Beschränkung: Die visumfreie Einreise über den Land- oder Seeweg ist auf maximal zweimal pro Kalenderjahr begrenzt.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Diese Regelung ist keine Kleinigkeit – Thailand will damit verhindern, dass Leute die visumfreie Einreise missbrauchen, um sich dauerhaft im Land aufzuhalten. Die Botschaft ist eindeutig: Wer längerfristig in Thailand leben möchte, soll sich ein entsprechendes Visum besorgen.

Wer diese Grenze von zwei Land-Einreisen überschreitet und ein drittes Mal oder noch öfter ohne richtiges Visum an der Grenze auftaucht, dem kann die Einreise verweigert werden. Und zwar sofort.

Die Immigrationsbeamten haben da einen ziemlich großen Ermessensspielraum. Eine Zurückweisung erfolgt oft ohne weitere Erklärung, man kann nicht dagegen vorgehen, und man wird einfach zurück ins Nachbarland geschickt. Wenn man dann gerade mit einem teuren Van-Service nach Nong Khai gefahren ist, steht man ziemlich dumm da.

Thailand macht es also klar: Wer länger bleiben will, soll das über das offizielle Visasystem regeln. Und es gibt ja durchaus passende Visa-Kategorien für unterschiedliche Situationen.

Da wäre zum Beispiel das Non-Immigrant O-A Visum für Rentner, das Non-Immigrant B Visum für Geschäftsleute oder Angestellte, das Non-Immigrant ED Visum für Studenten, oder das neuere Long-Term Resident (LTR) Visum für qualifizierte Fachkräfte, vermögende Personen und Investoren. All diese Visa muss man im Voraus bei einer thailändischen Botschaft oder einem Konsulat beantragen.

Die Fahrt nach Nong Khai macht also nur noch dann Sinn, wenn man bereits seine beiden visumfreien Land-Einreisen aufgebraucht hat und dann wirklich nach Vientiane weiterfährt, um dort ein echtes Touristenvisum (TR) zu beantragen.

Das ist legal und völlig in Ordnung – man bekommt damit 60 Tage Aufenthalt, die man bei der örtlichen Immigrationsbehörde in Thailand noch einmal um 30 Tage verlängern kann. Aber auch hier muss man gut planen: Die Botschaft in Vientiane braucht zwei Arbeitstage für die Bearbeitung.

Man sollte außerdem alle nötigen Dokumente dabeihaben: einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist, Passfotos, die ausgefüllten Antragsformulare, die Visagebühr (in thailändischen Baht oder US-Dollar), einen Nachweis über die Unterkunft in Thailand und eventuell ein Ausreiseticket.

Was mir besonders am Herzen liegt: Die Gefahren, wenn man sich nicht richtig informiert, sind wirklich nicht zu unterschätzen. Wer gegen die thailändischen Einwanderungsbestimmungen verstößt, landet schnell in einem Overstay – das heißt, man bleibt länger als erlaubt.

Die Konsequenzen sind hart. Die tägliche Strafe von 500 Baht ist noch das geringste Problem. Viel schlimmer sind die Einreiseverbote, die drohen, wenn man von der Polizei erwischt wird oder der Overstay sehr lange dauert. Diese Verbote können bis zu zehn Jahre gelten und das ganze Leben durcheinanderwerfen. Deshalb finde ich, dass jede Information über Aufenthaltsverlängerungen in Thailand unbedingt eine klare Warnung vor Overstay enthalten sollte.

Wer öffentlich über solche Themen schreibt, trägt eine Verantwortung. Man sollte die Sache ernst nehmen und nicht verharmlosen. Das schuldet man den Lesern einfach.

Zum Schluss möchte ich noch sagen: Ja, ein Van-Service nach Nong Khai ist bequem und macht die Fahrt zur Grenze angenehmer. Aber das ist nur die Reise selbst – es ersetzt nicht die eigene Verantwortung, sich um die richtigen Visa zu kümmern oder genau zu wissen, wie oft man schon per Border Run eingereist ist.

Die Zeiten, in denen man unbegrenzt hin und her pendeln konnte, sind in Thailand endgültig vorbei. Wer hier langfristig, legal und ohne ständige Sorgen leben möchte, muss sich um ein passendes Langzeitvisum kümmern. Alles andere ist meiner Meinung nach nicht seriös und kann in die Irre führen – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen.

Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Gelegenheit geben, diese wichtigen Punkte anzusprechen, und hoffe, dass diese Einordnung Ihren Lesern als hilfreiche Orientierung dienen kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Ein aufmerksamer Leser des Wochenblitz

Anmerkung der Redaktion

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Kommentar zu „So klappt Thailands Aufenthalts-Plan

  1. Visa beantragen: gerne würden wir selbstverständlich vor jeder Thailand-Reise
    ein offizielles Touristen-Visum beantragen.

    In München z. Bsp. hat das thailändische Generalkonsulat 7 Tage die
    Woche, 24 Stunden lang die Türen geschlossen.
    Telefonisch geht auch nichts.
    Warum gibt es da keine Hilfe mehr?

    Das absolut nicht benutzerfreundliche Formular für das E-Visa ist
    mit den ganzen geforderten Uploads usw. ein Unding und für
    normale Menschen viel zu kompliziert, sodaß es Viele einfach
    nicht schaffen.
    So ist die Realität und erfordert zur Vereinfachung vielleicht auch
    einmal ein Umdenken der zuständigen thail. Behörden…

Schreibe einen Kommentar zu Gerhard Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert