Tabu fällt: Alkoholaktien vor Comeback

📈 An der Börse bahnt sich ein Schritt an, der jahrelang als undenkbar galt. Neue Player könnten den Markt spürbar verändern und frisches Geld anziehen. Hinter den Kulissen laufen bereits Vorbereitungen. Steht Thailand vor einer Zeitenwende?

Tabu fällt: Alkoholaktien vor Comeback
Bangkok Post
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BANGKOK, THAILAND – Die Wertpapierbörse in Bangkok treibt den Börsengang der drei größten Alkoholhersteller des Landes voran und sieht darin einen wichtigen Wachstumsschub für den heimischen Kapitalmarkt.

Alkoholkonzerne sollen neue Börsen-Sparte bilden

Der Vorsitzende der Stock Exchange of Thailand (SET), Kitipong Urapeepatanapong, betonte, die großen Alkoholproduzenten seien großskalige und hochprofitable Unternehmen, die im heimischen Aktienmarkt bislang kaum vertreten seien.

Nach seinen Angaben würden ihre Börsengänge nicht nur eine neue Sektor-Kategorie schaffen, sondern auch frisches Anlegerinteresse wecken und die gesamte Marktkapitalisierung erhöhen. „Diese Unternehmen verfügen über starke Fundamentaldaten und robuste Erträge. Alkoholproduzenten wären ein neuer Wachstumsmotor für den thailändischen Aktienmarkt“, sagte Kitipong.

Global seien Aktien von Spirituosen- und Brauereikonzernen an großen Börsen breit akzeptiert und aktiv gehandelt, fügte er hinzu. International gelten sie häufig als defensiver Konsumsektor mit stabilen Cashflows und konstanten Dividenden.

ThaiBev als möglicher erstes Listing in Bangkok

Im Fokus steht zunächst Thai Beverage Plc (ThaiBev), der größte Getränkekonzern Südostasiens. Kitipong rechnete damit, dass ThaiBev als erster Alkoholproduzent bereits in diesem Jahr Anteile an der SET platzieren könne.

Geplant sei dabei nicht die Notierung der Holding, sondern einer reinen Spirituosen-Tochtergesellschaft. Die entsprechende Konzernstruktur sei bereits vorbereitet, der Zeitpunkt hänge nun vor allem von den Marktbedingungen ab. „Wenn die Liquidität zunimmt und sich der SET-Index besser entwickelt, lassen sich für neue Listings höhere Bewertungsaufschläge erzielen“, erklärte der SET-Chef.

ThaiBev ist seit 2006 an der Singapore Exchange (SGX) gelistet und zählt dort zu den wertvollsten Konsumtiteln. Der Konzern hatte zudem eine Börseneinführung seiner Bier-Sparte BeerCo in Singapur angekündigt, diese aber bislang nicht umgesetzt.

Mehr Liquidität, geringeres Währungsrisiko für heimische Anleger

Thailändische Investoren können ThaiBev-Aktien schon heute direkt in Singapur oder über das seit August 2024 an der SET gehandelte Depositary Receipt THAIBEV19 erwerben. Ein direktes Listing in Bangkok würde nach Einschätzung der Börse jedoch zusätzliche Vorteile bringen.

„Eine Notierung am thailändischen Aktienmarkt würde nicht nur die Liquidität im SET erhöhen, sondern für Anleger auch den Zugang erleichtern sowie Transaktionskosten und das Währungsrisiko senken“, sagte Kitipong.

Gesellschaftliche Vorbehalte gegen Alkohol-Aktien nehmen ab

Formell dürfen Alkoholunternehmen seit Langem an der SET gelistet werden, tatsächlich ist bisher kein entsprechender Konzern an die Börse gegangen. Hauptgrund waren gesellschaftliche Vorbehalte und die Sorge, öffentliche Kapitalaufnahme könne als Förderung ungesunden Konsums interpretiert werden.

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Kitipong sieht hier inzwischen eine deutliche Entspannung. „Heute rechnen wir nicht mehr mit Protesten gegen Alkoholaktien. Die globalen Kapitalmärkte sind offen, und ein Listing bietet den Investoren Wahlmöglichkeiten“, sagte er. Erfahrungen im Ausland hätten gezeigt, dass Widerstand auf lokaler Ebene internationale Kapitalflüsse in den Sektor nicht aufhalte.

Boon Rawd und Carabao ebenfalls im Visier der Börse

Neben ThaiBev hat die SET auch den Brauereikonzern Boon Rawd Brewery, Hersteller des bekannten Singha-Biers und ältester Bierproduzent des Landes, angesprochen. Nach Einschätzung von Kitipong dürfte Boon Rawd noch weitere Umstrukturierungen benötigen, könnte aber innerhalb von drei Jahren börsenreif sein.

Auch eine bierproduzierende Tochter der Carabao Group, Hersteller von Carabao-Bier, wird von der SET als strukturell vorbereitet für einen möglichen Börsengang in Bangkok angesehen.

Strategische Öffnung des Marktes für neue Branchen

Die Öffnung für Alkoholkonzerne ist Teil einer breiteren Strategie der SET, aktiv neue Branchen an den Markt zu holen, statt auf Listings zu warten. Parallel läuft das Programm „Jump Plus“, ein langfristiges Vorhaben im Dreijahresplan 2026–2028, das Wachstum und Skalierbarkeit von Unternehmen an SET und Market for Alternative Investment (MAI) stärken soll.

Bereits mehr als 110 Unternehmen haben sich diesem Programm angeschlossen. Die Börse rechnet damit, dass im laufenden Jahr sichtbarere Fortschritte erzielt werden.

Gelingen die geplanten Listings der Alkoholproduzenten, könnte dies einen Wendepunkt für den heimischen Kapitalmarkt markieren:

größere Marktbreite durch einen neuen Konsumsektor

höhere Attraktivität für institutionelle Investoren

stabilere Ertragsstrukturen im Index durch defensive Konsumwerte

Langfristig könnte der Einstieg der großen Alkoholhersteller die SET als regional investierbare Konsumdrehscheibe stärken und die Abhängigkeit des Marktes von einzelnen Branchen verringern.

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Quelle: Bangkok Post

3 Kommentare zu „Tabu fällt: Alkoholaktien vor Comeback

  1. Geld regiert die Welt, da müssen gesellschaftliche Vorbehalte mal in den Hintergrund treten.
    Und von wegen Förderung von ungesundem Konsum, Mama Nudeln sind schon seit langem an der Börse gelistet und m.E. nicht unbedingt gesünder als eine Flasche Bier ;-)

  2. Eine Notierung in Singapur ist für die Unternehmen mit internationaler Ausrichtung viel interessanter, in Bangkok ist es eher für lokale Investoren von Vorteil.
    Vielleicht kann man diese dann sogar in Deutschland handeln: TMBThanachart Bank geht zum Beispiel.
    Dann schaue ich mir die bestimmt genauer an.

Kommentare sind geschlossen.

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