BANGKOK, THAILAND – Über 7.000 Cannabis-Shops haben ihre Lizenzen nicht verlängert und schließen, nachdem die Regierung die Branche drastisch auf medizinische Nutzung beschränkt hat. Die neuen Auflagen treffen vor allem kleine Betreiber, die teils hohe Summen in Mieten, Umbauten und Personal investiert hatten.
Von Entkriminalisierung zum Rückzug
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums betrieben zum Stichtag 28. Dezember 2025 landesweit 18.433 Cannabis-Läden, doch 8.636 von ihnen ließen ihre Lizenzen im vergangenen Jahr auslaufen.
Nur 1.339 dieser Shops, also rund 15,5 Prozent, erneuerten ihre Genehmigung, während 7.297 Betreiber aufgaben und damit die Zahl der aktiven Geschäfte auf 11.136 reduzierte.
Harte Auflagen für Betreiber
Viele der betroffenen Shops waren erst nach der Entkriminalisierung von Cannabis am 9. Juni 2022 eröffnet worden, in der Erwartung, von einem neuen Wirtschaftszweig zu profitieren.
Fachleute schätzen, dass durch die Schließungen Investitionen in Höhe von zig Millionen Baht verloren gehen, etwa für Ladenmieten, Renovierungen, Ausrüstung und Arbeitskräfte.
Politische Kehrtwende zu „medical only“
Mit dem Kurswechsel der von Pheu Thai geführten Regierung wurde der Freizeitkonsum wieder verboten und Cannabis streng auf medizinische und wissenschaftliche Zwecke begrenzt.
Ein neuer ministerieller Erlass erschwert die Rechtskonformität erheblich, unter anderem durch die Pflicht, dass in jedem Cannabis-Shop ein lizenzierter oder registrierter traditioneller Mediziner anwesend sein muss.
Streng reguliertes Medizinsystem
Seit Anfang Februar 2026 setzt das Gesundheitsministerium eine strikt medizinische Ausrichtung durch, indem Cannabisblüten als „kontrolliertes Heilkraut“ eingestuft werden, das nur noch auf Rezept abgegeben werden darf.
Patienten und Touristen benötigen nun nach ärztlicher Konsultation ein Rezept oder ein medizinisches Zertifikat, die Abgabemenge ist auf einen Vorrat von 30 Tagen begrenzt und der Verkauf in bestimmten öffentlichen Räumen sowie online ist untersagt.
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Druck auf kleine Läden in Bangkok
Ein Betreiber eines Cannabis-Shops in Bangkok berichtet, er habe mit einer Anfangsinvestition von 200.000 Baht begonnen und sein Geschäft bis auf nahezu 1 Million Baht für Umbau, Ausstattung und Warenbestand ausgebaut.
„Am Anfang hielt ich diese Politik für tragfähig, weil die Regierung sie als wirtschaftliche Chance dargestellt hat, aber mit den neuen Gesetzen, der Pflicht zu spezialisiertem Personal und den gestiegenen Kosten ist unser Geschäft nicht mehr überlebensfähig“, sagte der Ladeninhaber und ergänzte, seine Lizenz laufe im Oktober 2026 aus und sei unter den neuen Bedingungen faktisch nicht zu erneuern.
Gesundheitsdaten schüren Skepsis
Der Druck auf die Politik kommt auch aus dem Gesundheitssektor, wo steigende Kosten und Fallzahlen Zweifel an der liberalen Phase der Cannabis-Politik nähren.
Der Wissenschaftler Dr. Bandit Sorpaisan vom Center of Addiction and Mental Health (CAMH) in Kanada bezeichnete die bisherige Linie als Beispiel für eine Entkriminalisierung ohne klares Regulierungsgerüst, die langfristig höhere gesundheitliche und wirtschaftliche Belastungen nach sich ziehe.
Deutlicher Anstieg bei Notfällen
Daten des Health Data Center des Gesundheitsministeriums zeigen seit der Öffnung einen 3,5-fachen Anstieg von Cannabisvergiftungen, einen 6,5-fachen Anstieg von Abhängigkeit und einen ähnlichen Zuwachs bei cannabisinduzierten Psychosen.
In einem der großen Touristenzentren stieg die Zahl cannabisbezogener Notaufnahmen von null auf über 90 Fälle pro Monat, wobei mehr als 80 Prozent der Patienten ausländische Besucher sind und die Entwicklung das Vertrauen in das Reiseziel beeinträchtigt.
Geschrumpfter Markt, unsichere Zukunft
Die Verpflichtung, für jeden Kauf ein ärztliches Rezept vorzulegen, soll nach Darstellung des Gesundheitsministeriums sicherstellen, dass Cannabis ausschließlich medizinisch genutzt wird, wobei die Versorgung von Patienten nach Regierungsangaben gewährleistet bleibt.
Gleichzeitig rechnen Beobachter damit, dass der strikt medizinische Rahmen den Markt deutlich verkleinert und nur wenigen, entsprechend spezialisierten Anbietern das Überleben in der Cannabisbranche ermöglicht.
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Erst gefeiert als Wirtschaftschance, jetzt kämpfen tausende Shops ums Überleben. Strengere Regeln sollen Gesundheit schützen, doch viele Unternehmer bleiben auf hohen Investitionen sitzen.
War der schnelle Politikwechsel notwendig – oder hat die Regierung eine ganze Branche ins Risiko geführt?
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