Spam-Anrufe und ständige Werbung auf thailändischen Mobilfunknummern
Glücksspiel-SMS, Kreditangebote und automatisierte Anrufe gehören in Thailand zum Alltag vieler Mobilfunknutzer. Viele schalten ihr Telefon daher stumm oder erwägen einen Nummernwechsel. Doch seit 2025 ist ein solcher Wechsel deutlich komplizierter geworden.
Die Verknüpfung von Mobilfunknummer, Bankkonto und digitaler Identität hat in Thailand eine neue Dimension erreicht. Wer seine Nummer wechselt, ohne alle Dienste vorher umzustellen, riskiert den Verlust des Zugangs zu wichtigen Konten und Anwendungen.
Warum Spam-Anrufe in Thailand ein lukratives Geschäft bleiben
Telefonnummern-Datenbanken werden illegal gehandelt oder durch Datenlecks öffentlich zugänglich. Laut Whoscall waren 2024 etwa 45 Prozent aller thailändischen Mobilfunknummern von Datenlecks betroffen. Einmal auf einer Liste, wird die Nummer immer wieder kontaktiert.
Das Blockieren einzelner Nummern hilft kaum, da Betrüger ihre Absendernummern ständig wechseln. Selbst neue SIM-Karten bieten keinen dauerhaften Schutz, da auch frische Nummern schnell auf Spam-Listen landen können.
Recycelte Nummern als unterschätztes Problem
Viele Nutzer glauben, eine neue SIM-Karte löse das Spam-Problem. Das ist jedoch oft ein Trugschluss. Da die verfügbaren Rufnummern begrenzt sind, werden inaktive Nummern nach etwa 90 Tagen von den Anbietern wieder vergeben.
Die neu erworbene Nummer gehörte möglicherweise vor Kurzem jemandem, der selbst von Gläubigern oder Betrügern kontaktiert wurde. In diesem Fall tauscht man lediglich die eigenen Spam-Anrufe gegen die Anrufe für den Vorbesitzer.
Biometrische SIM-Registrierung seit August 2025 verpflichtend
Die thailändische Rundfunk- und Telekommunikationskommission hat im August 2025 die Registrierungsregeln verschärft. Für jede Neuregistrierung ist nun ein biometrischer Gesichts-Scan mit Liveness-Detection erforderlich. Ein einfaches Vorzeigen des Reisepasses reicht nicht mehr aus.
Die Maßnahme soll Betrug und sogenannte Mule-Accounts verhindern. Nutzer müssen während des Scans einfache Aktionen ausführen, etwa blinzeln oder stillhalten, um zu beweisen, dass sie physisch anwesend sind und keine Fotos oder Videos verwendet werden.
Registrierung nur noch im offiziellen Provider-Shop möglich
Der Kauf einer SIM-Karte im 7-Eleven ist für Kurzzeit-Touristen möglich, für Langzeit-Aufenthalte jedoch problematisch. Expats sollten einen offiziellen Shop von AIS, True oder DTAC in einer Mall aufsuchen. Nur dort können Mitarbeiter die Daten korrekt mit biometrischer Verifizierung im System hinterlegen.
Eine fehlerhafte Registrierung kann später zu Problemen beim Banking führen. Die Namensschreibweise muss exakt mit dem Reisepass übereinstimmen, inklusive aller Vornamen und Bindestriche.
Thailändische Banking-Apps erfordern exakte Namensübereinstimmung
Seit 2024 müssen der registrierte Besitzer der SIM-Karte und der Inhaber des Bankkontos identisch sein. Diese Regelung wurde eingeführt, um Betrug und Geldwäsche zu bekämpfen. Wer eine SIM-Karte nutzt, die auf eine andere Person registriert ist, verliert den Zugang zum Online-Banking.
Bei einem Nummernwechsel erkennt die Banking-App die neue Nummer als unbekanntes Gerät und sperrt den Zugriff aus Sicherheitsgründen. Überweisungen sind dann nicht mehr möglich, bis die neue Nummer bei der Bank hinterlegt wurde.
Persönliches Erscheinen in der Bankfiliale ist Pflicht
Die Änderung der Telefonnummer lässt sich bei thailändischen Banken nicht online durchführen. Kunden müssen persönlich in die Filiale kommen, ihren Reisepass vorlegen und Formulare unterzeichnen. Dies kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Einige Banken verlangen zusätzlich einen Nachweis, dass die neue SIM-Karte tatsächlich auf den Namen des Kontoinhabers registriert ist. Dieser Nachweis kann per USSD-Code (179 gefolgt von der ID-Nummer) vom Provider angefordert werden.
Zwei-Faktor-Authentifizierung als häufige Falle
Viele Online-Dienste senden Bestätigungscodes per SMS an die hinterlegte Nummer. Wer die alte Nummer abschaltet, bevor diese Dienste aktualisiert wurden, sperrt sich selbst aus seinen Konten aus. Besonders kritisch ist der Zugang zum E-Mail-Konto.
Oft dient die Handynummer zur Passwort-Wiederherstellung bei Gmail oder Outlook. Ist der Zugang zur E-Mail gesperrt, weil die SMS ins Leere läuft, droht der Verlust der gesamten digitalen Identität inklusive aller damit verknüpften Dienste.
Line-Konto erfordert vor dem Wechsel eine Sicherung
In Thailand ist die App Line für Kommunikation unverzichtbar. Ein Nummernwechsel ohne vorherige Sicherung führt zum Verlust aller Kontakte, Chatverläufe und gekauften Sticker. Line löscht alte Daten nach einem Wechsel unwiderruflich.
Nutzer müssen vor dem Wechsel eine E-Mail-Adresse mit ihrem Line-Konto verknüpfen und einen QR-Code für die Übertragung erstellen. Nur so lässt sich das Konto auf die neue Nummer übertragen.
WhatsApp bietet eine integrierte Wechselfunktion
WhatsApp ermöglicht über die Funktion „Nummer ändern“ eine reibungslose Übertragung. Alle Gruppen und Einstellungen werden auf die neue Nummer übertragen, und Kontakte können auf Wunsch automatisch benachrichtigt werden.
Im Gegensatz zu Line funktioniert dieser Prozess meist problemlos und ohne Datenverlust. Die Funktion findet sich in den Einstellungen unter „Account“ und sollte vor dem Wechsel der SIM-Karte genutzt werden.
Lieferdienste und E-Commerce-Plattformen müssen manuell aktualisiert werden
Lieferdienste rufen fast immer vor der Zustellung an. Ist in der App von Lazada oder Shopee noch die alte Nummer hinterlegt, erreichen Fahrer niemanden. Pakete werden zurückgeschickt, und nach mehreren fehlgeschlagenen Lieferungen kann das Konto gesperrt werden.
Auch bei Apps wie Grab für Taxis und Essenslieferungen muss die Nummer aktualisiert werden. Da Nummern recycelt werden, kann es vorkommen, dass mit der neuen Nummer bereits ein gesperrtes Grab-Konto existiert. Die Klärung mit dem Support ist zeitaufwendig.
Behörden-Apps wie ThaID erfordern erneute Verifizierung
Apps wie ThaID (digitaler Ausweis) oder die digitale Führerschein-App sind ebenfalls an die Mobilfunknummer gekoppelt. Bei einem Wechsel müssen diese Dienste manuell aktualisiert werden, was oft ein erneutes Identifikationsverfahren erfordert.
Da Behördendienste in Thailand komplex sein können, sollte für die Aktualisierung ausreichend Zeit eingeplant werden. In manchen Fällen ist auch hier ein persönliches Erscheinen in einem Servicecenter notwendig.
Alternative: Spam-Filter-Apps wie Whoscall nutzen
Statt die Nummer zu wechseln, nutzen viele Expats die App Whoscall. Diese identifiziert Spam-Anrufer anhand einer großen Datenbank und blockiert sie automatisch. Die App arbeitet in Thailand mit der Royal Thai Police zusammen und wird von der Behörde empfohlen.
Whoscall ist oft effektiver und deutlich weniger aufwendig als ein kompletter Nummernwechsel. Die App ist kostenlos verfügbar, eine Premium-Version bietet erweiterte Funktionen wie werbefreie Nutzung und schnellere Datenbankaktualisierungen.
Kosten und versteckter Aufwand eines Nummernwechsels
Eine neue SIM-Karte kostet etwa 50 Baht. Die tatsächlichen Kosten liegen jedoch in der Zeit für Behördengänge, Bankbesuche und die Aktualisierung zahlreicher Dienste. Zudem verfallen oft alte Guthaben oder gesammelte Treuepunkte beim Anbieterwechsel.
Wer seine thailändische Nummer auch bei Banken im Heimatland für TANs hinterlegt hat, steht vor einem internationalen Problem. Die Änderung einer Nummer bei einer deutschen oder österreichischen Bank aus Thailand heraus ist oft nur schriftlich oder telefonisch mit erheblichen Hürden möglich.
Fazit: Nummernwechsel nur als letztes Mittel
Ein Nummernwechsel in Thailand ist 2026 eine bürokratische Herausforderung. Aufgrund der strikten Bankengesetze und der digitalen Vernetzung sollte dieser Schritt nur in Ausnahmefällen erwogen werden. In den meisten Fällen ist das konsequente Filtern von Anrufen mittels Apps die praktikablere Lösung.
Wer dennoch wechseln möchte, sollte eine detaillierte Liste aller verknüpften Dienste erstellen und diese systematisch abarbeiten. Beide SIM-Karten sollten für eine Übergangszeit parallel aktiv gehalten werden, um keinen Dienst zu vergessen.
Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel basiert auf den regulatorischen Rahmenbedingungen in Thailand, Stand Januar 2026. Währungsumrechnung: 1 Euro ≈ 36,60–36,90 THB (aktueller Kurs schwankt). Bitte prüfen Sie vor einem Wechsel die individuellen Anforderungen Ihrer Bank und Ihres Mobilfunkanbieters.




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Zu dem Hinweis:
„Dieser Nachweis kann per USSD-Code (179 gefolgt von der ID-Nummer) vom Provider angefordert werden.“
Gibt es auch einen Weg, wie das mit einem Reisepass funktioniert, dessen ID ja in der Regel nicht nur aus Ziffern besteht?