Thailand Bankkonten: Plötzlich fehlt Geld

In Thailand berichten Bankkunden von mysteriösen Abbuchungen. Zufall, Systemfehler – oder steckt mehr dahinter? Wer betroffen ist, sollte jetzt genau hinschauen.

Thailand Bankkonten: Plötzlich fehlt Geld
Illustration via OpenAI (2025).
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Axel hatte es nicht kommen sehen. Als der deutsche Rentner nach drei Monaten in Deutschland zu seinem Feriendomizil in Phuket zurückkehrte, fehlten auf seinem thailändischen Bankkonto plötzlich 75 Baht – umgerechnet etwa 2 Euro. Die Bank hatte für jeden Monat ohne Transaktion 25 Baht abgebucht. „Ich dachte, mein Konto wäre sicher“, erzählt der 68-Jährige. Doch die Realität sieht anders aus.

Die neue Gebührenlandschaft in Thailand

Thailands Banken haben ihre Gebührenstruktur in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Was früher als Service galt, kostet heute Geld. Besonders betroffen sind Konten, die über längere Zeit keine Aktivität zeigen. Die Bangkok Bank, größte Bank des Landes, erhebt beispielsweise 50 Baht (etwa 1,30 Euro) pro Monat für Konten, die länger als ein Jahr inaktiv sind und einen Kontostand unter 2.000 Baht (circa 52 Euro) aufweisen.

Die Kasikorn Bank verlangt ähnliche Gebühren, allerdings mit abweichenden Schwellenwerten. Jede Bank definiert dabei „Inaktivität“ unterschiedlich. Manche Geldinstitute betrachten bereits sechs Monate ohne Transaktion als problematisch, andere setzen die Grenze bei zwölf Monaten an.

Warum Banken Gebühren erheben

Die Verschärfung der Gebührenpolitik hat mehrere Gründe. Thailändische Banken müssen seit 2023 strengere internationale Geldwäscherichtlinien einhalten. Die Bank of Thailand hat die Compliance-Standards erhöht, was die Verwaltungskosten für alle Konten in die Höhe treibt. Inaktive Konten verursachen dabei überproportional hohe Kosten bei gleichzeitig fehlendem Ertrag für die Bank.

Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Digitalisierung. Banken investieren massiv in Mobile Banking und Online-Services. Diese Kosten werden teilweise über Gebühren refinanziert, insbesondere bei Kunden, die diese modernen Dienste nicht nutzen.

Ausländer besonders betroffen

Für ausländische Kontoinhaber verschärft sich die Situation zusätzlich. Seit Juli 2025 haben thailändische Großbanken wie Siam Commercial Bank, Kasikorn Bank und Bangkok Bank ihre Dokumentationsanforderungen für Ausländer massiv verschärft. Die Eröffnung neuer Konten ist deutlich schwieriger geworden, was bestehende Konten umso wertvoller macht.

Touristen können praktisch keine Bankkonten mehr eröffnen. Selbst mit gültigem Reisepass werden Anträge abgelehnt. Nur noch Inhaber langfristiger Visa wie dem Non-Immigrant B (Arbeitsvisum), Non-Immigrant O (Rentnervisum oder Familienvisum) oder dem Thailand Privilege Visum haben realistische Chancen auf ein Bankkonto.

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Der Teufelskreis der Inaktivität

Viele Ausländer nutzen ihre thailändischen Konten nur während ihres Aufenthalts im Land. Rentner, die zwischen Deutschland und Thailand pendeln, oder Geschäftsreisende mit unregelmäßigen Besuchen fallen schnell in die Inaktivitätsfalle. Das Konto bleibt monatelang ungenutzt, während die Gebühren still und leise das Guthaben auffressen.

Besonders tückisch: Die Banken informieren nicht immer proaktiv über den Gebührenabzug. Kontoauszüge werden nur bei Besuch einer Filiale aktualisiert, und SMS-Benachrichtigungen funktionieren oft nicht bei ausländischen Telefonnummern. So bemerken viele Kontoinhaber erst nach ihrer Rückkehr, dass ihr Guthaben geschrumpft ist.

Wie man die Gebührenfalle vermeidet

Die Lösung ist einfacher als gedacht. Eine einzige Transaktion pro Jahr reicht bei den meisten Banken aus, um das Konto als aktiv zu klassifizieren. Dies kann eine Überweisung an ein anderes Konto sein, eine Abbuchung per Debitkarte oder sogar eine Bargeldabhebung am Automaten.

Wer längere Zeit außer Landes ist, sollte automatische Zahlungen einrichten. Eine monatliche Überweisung von wenigen Baht an ein zweites eigenes Konto genügt bereits. Alternativ können regelmäßige Überweisungen von der Heimat nach Thailand die Aktivität nachweisen.

Mindestguthaben als Schutzschild

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Mindestguthaben. Die Bangkok Bank erhebt ihre 50-Baht-Gebühr nur bei Kontoständen unter 2.000 Baht. Wer also dauerhaft mindestens 2.100 Baht auf dem Konto belässt, umgeht die Gebühr – selbst bei Inaktivität. Allerdings muss mindestens eine Transaktion innerhalb von zwölf Monaten erfolgen.

Bei der Kasikorn Bank gelten ähnliche Regeln, wobei die Schwellenwerte je nach Kontotyp variieren. Premium-Konten haben höhere Mindestguthaben-Anforderungen, sind dafür aber von vielen Gebühren befreit.

Die Rolle des Mobile Banking

Thailändische Banken drängen massiv auf die Nutzung ihrer Apps. Mobile Banking wie SCB Easy, Kasikorn K Plus oder Bangkok Bank Mobile bieten nicht nur Komfort, sondern gelten auch als Aktivitätsnachweis. Jede Anmeldung in der App, jede Kontostandsabfrage oder jede durchgeführte Überweisung verhindert die Einstufung als inaktives Konto.

Allerdings funktionieren viele Banking-Apps nur mit thailändischer Mobilfunknummer. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS ist Standard, was ausländische Nutzer vor Probleme stellt, wenn sie ihre thailändische SIM-Karte nicht im Ausland verwenden können.

Gebührenvergleich der großen Banken

Die Gebührenstrukturen unterscheiden sich erheblich zwischen den Banken. Bangkok Bank verlangt 50 Baht pro Monat für inaktive Konten unter 2.000 Baht Guthaben. Kasikorn Bank hat ähnliche Regelungen, während Krungsri Bank und Siam Commercial Bank eigene Schwellenwerte definieren.

Bei allen Banken gilt: Wer Aktivität zeigt und das Mindestguthaben hält, zahlt keine Kontoführungsgebühren. Die meisten Banken verlangen lediglich für Debitkarten eine jährliche Gebühr zwischen 100 und 300 Baht.

Kontosperrung als letztes Mittel

Bleibt ein Konto über 24 Monate komplett inaktiv und fällt das Guthaben unter die Mindestgrenze, können Banken das Konto einfrieren oder schließen. Dies betrifft vor allem Konten mit sehr niedrigem Guthaben, das nach und nach durch monatliche Gebühren aufgezehrt wird.

Eine Kontosperrung ist für Ausländer besonders problematisch, da die Neueröffnung eines Kontos mittlerweile erhebliche Hürden mit sich bringt. Wer 2025 ein gesperrtes Konto reaktivieren oder ein neues eröffnen möchte, muss mit strikten Dokumentationsanforderungen rechnen.

Dokumentationspflichten verschärft

Die neuen Banking-Vorschriften verlangen neben dem Reisepass auch einen Nachweis über den thailändischen Wohnsitz. Dies kann ein Mietvertrag, ein Certificate of Residence von der Immigrationsbehörde oder eine Stromrechnung sein. Zusätzlich benötigen Antragsteller eine thailändische Telefonnummer und oft auch eine Empfehlung ihrer Botschaft.

Besonders streng sind die Regeln für Staatsbürger aus Iran, Nordkorea, Myanmar, Russland und Belarus. Diese Länder stehen unter verschärfter Beobachtung, was zusätzliche Dokumentation und längere Bearbeitungszeiten bedeutet.

Die Zukunft des Banking in Thailand

Experten erwarten weitere Verschärfungen in den kommenden Jahren. Thailand richtet seine Bankenpolitik zunehmend an internationalen Standards aus, um nicht auf die graue Liste der FATF (Financial Action Task Force) zu gelangen. Dies bedeutet noch strengere KYC-Regeln und möglicherweise höhere Gebühren.

Gleichzeitig modernisieren thailändische Banken ihre Infrastruktur massiv. PromptPay, das nationale Echtzeit-Überweisungssystem, ist mittlerweile Standard. QR-Code-Zahlungen sind weit verbreitet, und E-Wallets wie TrueMoney oder Line Pay gewinnen an Bedeutung.

Alternative Finanzlösungen

Wer die Hürden der traditionellen Banken scheut, kann auf Fintech-Alternativen ausweichen. Dienste wie Wise, Revolut oder digitale Wallets bieten grundlegende Banking-Funktionen ohne die strengen Visa-Anforderungen. Allerdings ersetzen diese Lösungen kein vollwertiges thailändisches Bankkonto, insbesondere wenn es um Immobiliengeschäfte oder Visumsanforderungen geht.

Für bestimmte Visa-Kategorien wie das Rentnervisum ist ein thailändisches Bankkonto mit entsprechendem Guthaben zwingend erforderlich. Die Immigration verlangt Nachweise über Kontostände von 800.000 Baht (circa 21.000 Euro) für das Jahresvisum – eine Anforderung, die digitale Wallets nicht erfüllen können.

Praktische Tipps für Kontoinhaber

Um Gebühren zu vermeiden und das Konto aktiv zu halten, empfehlen sich folgende Maßnahmen: Erstens, mindestens eine Transaktion alle sechs Monate durchführen, auch wenn es nur eine kleine Überweisung ist. Zweitens, das Mindestguthaben immer oberhalb der kritischen Schwelle halten – bei Bangkok Bank sind dies 2.000 Baht.

Drittens sollten Kontoinhaber ihre Kontaktdaten bei der Bank aktuell halten, insbesondere E-Mail-Adressen und Telefonnummern. Viertens ist die Nutzung der Mobile-Banking-App ratsam, selbst wenn nur gelegentlich der Kontostand geprüft wird. Fünftens empfiehlt sich eine jährliche persönliche Vorsprache in der Filiale zur Aktualisierung des Sparbuches.

Was bei längerer Abwesenheit zu tun ist

Wer plant, Thailand für mehrere Monate zu verlassen, sollte vorab Vorkehrungen treffen. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung eines Dauerauftrags, der monatlich einen kleinen Betrag auf ein zweites eigenes Konto überweist. Dies kostet meist nichts und hält das Konto definitiv aktiv.

Alternativ kann man einer vertrauenswürdigen Person in Thailand eine Kontovollmacht erteilen. Diese kann dann gelegentlich Transaktionen durchführen oder das Sparbuch aktualisieren. Allerdings sollte dies nur bei absolut verlässlichen Personen erfolgen, da Vollmachten weitreichende Befugnisse einräumen.

Rechtliche Aspekte der Kontoführung

Thailändisches Bankenrecht verlangt von allen Kontoinhabern, dass sie ihre persönlichen Daten aktuell halten. Adressänderungen, Ablauf von Visa oder Änderungen des Aufenthaltsstatus müssen der Bank gemeldet werden. Versäumnisse können zur Kontosperrung führen.

Besonders wichtig ist dies bei der jährlichen Visum-Verlängerung. Banken prüfen zunehmend den Visa-Status ihrer ausländischen Kunden. Ein abgelaufenes Visum kann die Bank dazu veranlassen, das Konto einzuschränken oder zu sperren, bis ein gültiges Visum nachgewiesen wird.

Steuerliche Aspekte für Deutsche

Deutsche Staatsbürger mit thailändischem Bankkonto müssen dieses seit 2025 verstärkt beim Finanzamt deklarieren. Zinserträge sind in Deutschland steuerpflichtig, unabhängig davon, wo das Konto geführt wird. Das Bundeszentralamt für Steuern erhält automatisch Informationen über ausländische Konten durch den automatischen Informationsaustausch.

Wer höhere Beträge nach Thailand überweist, sollte die Herkunft nachweisen können. Dies gilt besonders beim Immobilienkauf, wo die Foreign Exchange Transaction Form (FET) die ausländische Herkunft des Geldes dokumentiert. Nur so können Ausländer Eigentum an Eigentumswohnungen erwerben.

Die Aufklärung: Wie ernst ist die Lage?

Die 25-Baht-Geschichte, die in Online-Foren diskutiert wird, bezieht sich höchstwahrscheinlich auf die gestaffelten Inaktivitätsgebühren verschiedener Banken. Während einige Institute tatsächlich 25 Baht berechnen, verlangen andere wie die Bangkok Bank 50 Baht. Die genauen Beträge variieren je nach Bank und Kontotyp.

Entscheidend ist: Die Gebühr an sich ist legal und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken verankert. Kontoinhaber haben dem bei Kontoeröffnung zugestimmt, auch wenn viele sich dessen nicht bewusst waren. Die Banken sind nicht verpflichtet, vor jedem Gebührenabzug individuell zu informieren.

Für die meisten Ausländer in Thailand ist die Gebühr ärgerlich, aber verkraftbar. Problematisch wird es nur, wenn durch die kontinuierlichen Abzüge das Konto irgendwann leer läuft und gesperrt wird – und dann die Neueröffnung aufgrund verschärfter Regeln nahezu unmöglich ist.

Anmerkung der Redaktion:

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