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Thailand dreht sich – aber nicht in Richtung Steuerklarheit

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KI-generierte Illustration, erstellt von Google Gemini.

Was ist eigentlich aus der steuerpolitischen Revolution geworden, die im Mai 2025 großspurig angekündigt wurde?

Die Geschichte beginnt wie viele politische Ankündigungen in Thailand: mit einem PR-tauglichen Versprechen, das gleichzeitig nach Reform riecht und nach einem Schlupfloch für das Haushaltsloch schmeckt. Die Auslandseinkünfte-Steuer, in den vergangenen Monaten das Lieblingsschreckgespenst der steuerpflichtigen Expats, sollte plötzlich zahmer werden – so zahm, dass man fast schon an einen Politikwechsel glauben konnte. Eine neue Verordnung sei in Vorbereitung, hieß es. Wer Einkommen aus dem Ausland beziehe und es binnen zwölf Monaten nach Thailand bringe, solle dafür nicht mehr besteuert werden. Hurra. Klatschen. Rückenwind für die Regierung.

Doch wie so oft bei steuerpolitischen Ankündigungen in tropisch-feuchten Demokratien mit Militärfolklore bleibt von der anfänglichen Euphorie nicht viel übrig. Jetzt, zwei Monate später, sieht die Realität anders aus: Die Premierministerin ist suspendiert, der Finanzminister laviert, und die Steuerbehörde macht das, was sie am besten kann – sie schweigt, zählt und wartet.

Zwischen Hoffnung und Haushaltsloch

Die Begründung für die angekündigte Steuerbefreiung war glasklar: 20 Milliarden Baht fehlten dem thailändischen Staat im laufenden Haushaltsjahr. Das ist die Art Zahl, bei der Finanzminister regelmäßig nachts schweißgebadet aufwachen. Also sollten ausgerechnet die Kapitalflüsse aus dem Ausland gerettet werden – und zwar durch steuerpolitisches Zuckerbrot statt Peitsche. Ein seltener, beinahe subversiver Gedanke in einem Land, in dem die Finanzbehörde ansonsten auch mal gerne zehn Jahre zurückrechnet, wenn Geld ins Land kommt.

Die Logik: Wer sein Geld zeitnah überweist, sorgt für Kapital im Land, stabilisiert den Baht, füllt leere Kassen – also belohnen wir ihn. Und siehe da: Die Reform hätte sogar Sinn ergeben.

Aber dann kam Bangkok. Genauer: Die Suspendierung der Premierministerin. Die politische Bühne wackelt, das Publikum schweigt, und hinter den Kulissen zieht jemand das Drehbuch um. Ob der angekündigte königliche Erlass zur Steuerbefreiung überhaupt noch auf dem Schreibtisch liegt, darf bezweifelt werden. Vielleicht liegt er längst im Schredder neben der letzten Cannabis-Reform und den 10.000-Baht-Digital-Wallet-Träumen.

Die Reform in der Warteschleife

Fragen über Fragen – und niemand, der sie beantworten will:

  • Gilt die Steuerbefreiung für 2024 rückwirkend oder nicht?
  • Gilt sie überhaupt irgendwann?
  • Wer entscheidet das jetzt eigentlich – ein königlicher Erlass, ein neuer Finanzminister oder doch die Windrichtung am Sanam Luang?

Wer heute als Expat in Thailand lebt und darauf gehofft hat, dass das neue Gesetz ihm eine klare steuerliche Perspektive verschafft, sitzt zwischen den Stühlen. Oder besser gesagt: auf einem wackligen Plastikstuhl im Immigration Office, schwitzend, mit drei Kopien in der Hand – die selbstverständlich nicht unterschrieben werden dürfen, bevor die Beamten den Stempel setzen. Willkommen im steuerpolitischen Limbo des Jahres 2025.

Die große Gleichbehandlung, die keiner sieht

Die Behörde hatte noch im Mai betont, dass ausländische Steuerresidenten nach OECD-Standards gleich behandelt werden sollen. Klingt nobel. Klingt zukunftsweisend. Klingt vor allem nach einem Satz aus einer PR-Abteilung. Denn was auf dem Papier gleich klingt, fühlt sich in der Praxis für viele nach ungleicher Behandlung an. Sprachbarrieren, Bürokratiewald, widersprüchliche Informationen – das ist der Alltag vieler Ausländer in Thailand, wenn es um Steuern geht.

Während die Steuerexperten des Landes sich in Talkshows und Zeitungen gegenseitig die OECD-Richtlinien um die Ohren werfen, bleibt der einfache Steuerzahler – ob Thai oder nicht – zurück mit einem Gefühl irgendwo zwischen Unverständnis, Misstrauen und dem Gedanken: „Ich lass das Geld lieber draußen. Sicher ist sicher.“

Das Schweigen der Bürokratie

Der viel zitierte Royal Decree zur Steuerbefreiung ist heute so präsent wie das Lächeln des ehemaligen Premier Prayuth in der Opposition – kaum sichtbar, aber irgendwie immer noch da. Ob er kommt? Vielleicht. Wann er kommt? Wer weiß. Ob er überhaupt jemals so umgesetzt wird, wie angekündigt? Das ist in etwa so wahrscheinlich wie eine pünktliche S-Bahn in Berlin – also ein Mythos mit nostalgischem Wert.

Dabei wäre Klarheit genau das, was jetzt gebraucht wird. Denn viele Steuerpflichtige stehen vor einer sehr realen Entscheidung: Überweise ich das Geld aus dem Ausland jetzt – mit dem Risiko, doch besteuert zu werden? Oder warte ich, bis (vielleicht) im August, September oder Sankt-Nimmerlein-Tag der königliche Erlass kommt?

Reformpolitik im Schwebezustand. Und genau das ist das Problem.

Ein Königreich in der Schwebe

Thailand ist wirtschaftlich angeschlagen. Politisch instabil. Und steuerlich verunsichert. In dieser Lage eine kluge, transparente Steuerpolitik auf den Weg zu bringen, wäre ein Zeichen der Stärke gewesen. Stattdessen erleben wir einen Klassiker südostasiatischer Verwaltungskunst: die Kunst des Verzögerns mit gleichzeitiger Ankündigung.

Bleibt die Frage:
Was wird aus der Reform?
Vielleicht liegt sie gerade auf irgendeinem Schreibtisch. Vielleicht wurde sie längst weitergereicht – an ein anderes Ministerium, an einen anderen Beamten, an einen anderen Tag.

Oder sie liegt einfach da.
Unbeachtet.
Neben einem leeren Kaffeebecher und einem Formular, das niemand versteht.

PS: Falls Sie als Expat Ihre Auslandseinkünfte nach Thailand holen wollen – machen Sie’s wie immer:
Mit Plan B, Plan C und einem Steuerberater, der auch Hellseher ist.

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