Thailand-Shitstorm: Touristin lästert über Englisch (Video)

Eine Touristin beschwert sich über Grab-Fahrer ohne Englisch – und löst eine hitzige Debatte aus. Zwischen Arroganz‑Vorwurf, Bildungskritik und kulturellem Missverständnis meldet sich eine thailändische Lehrerin zu Wort. Wer muss sich anpassen?

Thailand-Shitstorm: Touristin lästert über Englisch (Video)
Asean Now
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Ein viraler Ärger und seine Wirkung

Der Auslöser war ein Online-Post einer philippinischen Touristin, die sich darüber beklagte, dass Grab-Fahrer in Thailand ihr Englisch nicht verstanden. Der Ton traf einen Nerv und sorgte für breite Aufmerksamkeit.

Was als persönliche Frustration begann, entwickelte sich schnell zu einer Grundsatzdebatte. Es ging plötzlich nicht mehr nur um Sprache, sondern um Erwartungen, Respekt und den Umgang miteinander auf Reisen.

Die Reaktion einer thailändischen Englischlehrerin

Die bekannte Influencerin und Englischlehrerin Crispy Froid reagierte mit einem Video auf die Beschwerde. Darin versuchte sie, die Diskussion weg von Vorwürfen hin zu gegenseitigem Verständnis zu lenken.

Sie machte deutlich, dass Reisen immer auch kulturelle Begegnung bedeutet. Sprache sei wichtig, aber Haltung und Respekt hätten ein deutlich größeres Gewicht als perfekte Kommunikation.

Sprache als Maßstab für Respekt?

Viele Kommentare zeigen, dass Englisch oft als selbstverständlicher Standard gesehen wird. Gerade Touristen erwarten, sich problemlos verständigen zu können, unabhängig vom jeweiligen Land.

Diese Erwartung kollidiert mit der Realität vieler Nicht-Englisch-Länder. Die Frage bleibt, ob Sprachkenntnisse wirklich der Maßstab für Höflichkeit und Service sein sollten.

Der Vorwurf der Arroganz

Einige Reaktionen waren deutlich schärfer und bezeichneten die Beschwerde der Touristin als ignorant oder überheblich. Der Tenor: Wer reist, müsse sich anpassen, nicht umgekehrt.

Diese Sichtweise findet viel Zustimmung, wirft aber auch neue Fragen auf. Wo endet berechtigte Erwartung und wo beginnt kulturelle Überheblichkeit im Alltag von Reisenden?

Bildungssystem statt Einzelfall

Mehrere Kommentatoren lenkten den Blick weg vom konkreten Vorfall hin zum thailändischen Bildungssystem. Englischunterricht existiere zwar, bringe aber oft nicht die gewünschten Ergebnisse.

Als Hauptproblem wird genannt, dass Schüler faktisch nicht durchfallen können. Fehlende Konsequenzen führten früh zu geringer Motivation, was langfristig Sprachkompetenz erschwere.

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Verantwortung der Lehrkräfte

Andere Stimmen wehren sich gegen pauschale Schuldzuweisungen an Lehrer. Sie verweisen darauf, dass Lehrkräfte innerhalb eines Systems arbeiten, das wenig Leistungsdruck zulässt.

Die Diskussion zeigt, wie schnell individuelle Kritik in strukturelle Vorwürfe umschlägt. Die Realität liegt vermutlich zwischen persönlichem Engagement und systemischen Grenzen.

Internationale Vergleiche als Zündstoff

Statistiken zur Englischkompetenz sorgen zusätzlich für Emotionen. Thailand schneidet im internationalen Vergleich regelmäßig schlecht ab, teils hinter ärmeren Nachbarländern.

Solche Rankings verstärken das Gefühl des Versagens, erklären aber wenig. Sie sagen nichts über regionale Unterschiede, Alltagssprache oder praktische Kommunikationsfähigkeit aus.

Erwartungen an Dienstleister

Für viele Ausländer ist der Alltag in Thailand stark serviceorientiert. Taxi- oder App-Fahrer werden als Teil dieser Dienstleistung wahrgenommen, inklusive Sprachkompetenz.

Demgegenüber steht die Realität lokaler Arbeitskräfte, die primär für einheimische Kunden arbeiten. Englisch ist für sie oft kein notwendiges Werkzeug, sondern Zusatzwissen.

Erfahrungen mit ausländischen Lehrern

In den Kommentaren wurde auch Kritik an ausländischen Englischlehrern laut, insbesondere an privaten Schulen. Nicht jeder Muttersprachler sei automatisch ein guter Lehrer.

Diese Einwürfe zeigen, dass Sprachprobleme nicht national gedacht werden können. Qualität, Ausbildung und Motivation spielen eine größere Rolle als Herkunft allein.

Kultur statt Konfrontation

Crispy Froid betonte, dass Reisende immer auch ihr Herkunftsland repräsentieren. Der Umgangston prägt, wie Menschen und Kulturen wahrgenommen werden.

Diese Perspektive fordert Selbstreflexion. Nicht jede Frustration muss öffentlich angeprangert werden, wenn sie Teil eines größeren kulturellen Missverständnisses ist.

Geduld als unterschätzte Kompetenz

Mehrere Stimmen hoben hervor, dass Geduld im Ausland essenziell ist. Missverständnisse gehören dazu und lassen sich oft mit Ruhe und Freundlichkeit lösen.

Gerade einfache Gesten, Lächeln oder Zeichensprache können mehr bewirken als lautes Bestehen auf sprachlicher Korrektheit oder Standards aus der Heimat.

Wirtschaftliche Realität und Motivation

Ein weiterer Punkt betrifft die berufliche Realität in Thailand. Viele Schüler glauben, Englisch später nicht zu brauchen, da sie im eigenen Land arbeiten wollen.

Dem widersprechen jedoch Stellenanzeigen, die gute Englischkenntnisse verlangen. Die Kluft zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt bleibt ein ungelöstes Problem.

Sprache als Machtfrage

Manche Kommentare gehen weiter und sehen Sprache als Teil gesellschaftlicher Kontrolle. Fehlende Bildung halte Menschen in abhängigen Strukturen.

Diese Sicht ist provokant, zeigt aber, wie emotional das Thema diskutiert wird. Sprache wird hier zum Symbol für Chancen, Aufstieg und Teilhabe.

Die Rolle sozialer Medien

Ohne soziale Netzwerke wäre der Vorfall kaum über den privaten Rahmen hinausgegangen. Plattformen verstärken Emotionen und vereinfachen komplexe Themen.

Gleichzeitig ermöglichen sie Gegenstimmen wie die von Crispy Froid. Sie schaffen Raum für Einordnung, aber auch für Zuspitzung und Polarisierung.

Zwischen Kritik und Pauschalisierung

Der Fall zeigt, wie schnell berechtigte Kritik in pauschale Urteile über Länder oder Bevölkerungen kippen kann. Differenzierung geht dabei oft verloren.

Gerade deshalb regen solche Debatten zum Nachdenken an. Sie zwingen dazu, eigene Erwartungen, Privilegien und Kommunikationsmuster zu hinterfragen.

Ein Video als Schlusspunkt

Am Ende des Beitrags ist das Video von Crispy Froid eingebunden, das ihre Sicht auf Respekt und kulturelles Verständnis zusammenfasst. Es bildet den emotionalen Kern der Debatte.

Ob es die Fronten aufweicht, bleibt offen. Sicher ist nur, dass Sprache auf Reisen weit mehr ist als Vokabeln und Grammatik.

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Quelle: Asean Now

15 Kommentare zu „Thailand-Shitstorm: Touristin lästert über Englisch (Video)

  1. Ich habe persönlich kennengelernt wie insbesondere Englisch an einer Schule gelehrt wurde.
    Der/die Lehrer sprechen einen Datz vor, oft nicht korrekt und 40 Kids schreien den Satz nach. Wo hier die Kontrolle bleibt ob der einzelne Schüler richtig spricht blieb mir verborgen.
    Dazu komt immer noch die Scham den Lehrer zu fragen wenn man etwas nicht verstanden hat.

    1. Da gebe ich dir Recht! Ein Freund von mir, Engländer der von Hua Hin nach Sisakhet wechselte, unterrichte dort über Jahre an einer staatlichen elementary school für Schüler bis 12 ( Prathom ประถมศึกษา). Der musste langsam das Lernen der Kinder, dass völlig auf nachsprechen basierte, auf selbständiges Handeln umlenken. Was teilweise auch gelang, jedenfalls sprachen diese allesamt das bessere Englisch im Vergleich zu Klassen mit Thailändischen Lehrern. Am Ende wurden sein TLW ( teaching licence waiver) mit der Vorlage des TEFL/CELTA-Zertifikat irgendwie nicht mehr anerkannt, und ein weiterer Schulwechsel (2 mal)wurde nicht mehr verlängert. So sieht’s aus!

  2. Wenn die ‚Lästerin‘ keine anderen Problemen hat, ist Sie zu beneiden! Sich kann sich ja auf Thai verständigen!

    1. Man muß beide Seiten betrachten und in’s recht Licht rücken: einerseits befindet man sich als Urlauber in einem fremden Land, wo man weiß, daß die Schulbildung das Fach „English“ nicht genügend lehrt, andererseits will Thailand in der Oberliga mitspielen, hält es aber für unnötig, im Lehrplan „English“ professionell zu lehren, da kultufell erwartet wird, daß der Ausländer sich anzupassen hat… Die werden sich noch umsehen… Entweder Thailand passt sich international an, oder die Urlauber gehen in andere Länder, in denen man Standartenglisch spricht und versteht…..

    1. Sag das mal in Deutschland, bei den vielen Einwanderern, die sprechen allesamt besser Englisch als der Bevölkerungsdurchschnitt! Da hätte aber man einer Probleme …..und die Thais erst Recht 😉

  3. warum hat der Fahrer nicht einen Kollegen um Hilfe gebeten?
    ausserdem sollten touristen immer eine visitenkarte der unterkunft mitfuehren

  4. Nur gut das es eine Philippiner war, und kein ungewaschener Farang, sonst hätten sich auch noch einige Politiker einmischt 😊😊😊

  5. Falls es Thailand und andere Länder noch nicht mitbekommen haben, dass English nun mal die Weltsprache ist. Ende der Story. Oder soll ich als Monteur jetzt 20 Sprachen lernen????

  6. Niemand erwartet in einem Gastland, dass man die Landessprache perfekt spricht. Ich bin Jahrzehnte durch die Welt gereist, meine Fremdsprachen lernte ich auf der Straße. Manchmal kommt ein Lächeln über die Lippen der Inländer, dennoch finden sie es schön, dass ich mich mit ihnen in ihrer Sprache unterhalte. Und gegenseitiger Respekt ist eigentlich die Grundvoraussetzung für eine gute Kommunikation. Witzig finde ich es immer, wenn ich mit neuen thailändischen Leuten zusammensitze und sie nach ein paar Wochen merken, dass ich zwar nur rudimentär Thailändisch spreche, aber sehr viel verstehe. Dann sehe ich in ihren Augen immer das Erschrecken und die Frage. „Haben wir mal was Schlechtes oder Unschönes über mich gesagt?🤪

  7. Von Juli 2013 bis Dezember 2015 habe ich “ Foireigen Language Stafe“ an der örtlichen Schule unterrichtet. Man nannte dies damals “ for the Projekt of Mowing towards Asean-Community“. Heute, 10 Jahre später besucht die Tochter meiner Stieftochter dieselbe Schule, punkto englisch Unterrucht hat sich nicht ge- oder verändert! Nach wie vor “ Grama“ ohne Ende, 500 Wörter in der Birne, und niemand ist im Stande einen einigermassen verständlichen Satz zu bilden. Es wird etwas vorgeplappert, die ganze Schule plappert nach, und mit jeder Garntie haben sowohl Schüler als auch Lehrer am Ende der Stunde vergessen was “ gelehrt“ oder „gelernt“ wurde. Aber keine Bange, der jetzige PM hat verlangt, dass in Zukunft punkto Fremdsprachen alles besser wird. ( doch allein mir fehlt der Glaube!) A propo PM, da war vor vielen Jahre ein PM Namens Abhisit (?) hoch intelligenter Mann, verlangte damals umgehend 50’000 neue Lehrer weil das Schulsystem verbessert werden sollte. Hat sich etwas zum Positiven verändert? Da war ein weiterer PM, General senes Zeichens, der verlangte dass auf jeder Polizeistelle mindestens ein Offizier der engl. Sprache mächtig sein müsse, ich habe da so meine Zweifel!! Nicht verzagen, es lann nur besser werden! Bevor ich es vergesse, auch bei der örtliochen Polizei habe ich währen 3 Jahren engl. Sprache unterrichtet. Nachdem was ich heute feststelle, muss ich mir die Frage stellen, ob ich ein schlechter Lehrer war, oder ob die „Studenten“ nicht aufgepasst haben.

Kommentare sind geschlossen.

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