Thailand-Wahl: Parteien versprechen Schutz für Sexarbeiter

Thailand-Wahl: Parteien versprechen Schutz für Sexarbeiter
The Pattaya News

BANGKOK, THAILAND – Wenige Tage vor der Parlamentswahl am 8. Februar haben mehrere große Parteien öffentlich mehr rechtlichen Schutz und gesellschaftliche Anerkennung für Sexarbeiter zugesagt. Damit rückt ein Sektor in den Fokus, der seit Jahrzehnten Milliarden in die Tourismuswirtschaft bringt, aber rechtlich im Schatten steht.

Wahlkampf im Rotlichtviertel

Bei einer Diskussionsveranstaltung der Organisation Service Workers in Group (SWING) Foundation in der Bar Cowboy 2 im Ausgehviertel Soi Cowboy in Bangkok bekannten sich Vertreter mehrerer Parteien zu Reformen im Umgang mit Sexarbeit.

Teilgenommen hatten Delegierte der Pheu-Thai-Partei, der People’s Party, der Movement Party, der Thai Sang Thai Party und der Democrat Party, die unter dem Titel „Sex (Worker) and the City“ über mögliche Gesetzesänderungen für mehr Schutz der Beschäftigten sprachen.

Illegale Realität und wirtschaftliche Bedeutung

Sexarbeit ist in dem Königreich nach wie vor unter dem Prevention and Suppression of Prostitution Act formal verboten, was Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter rechtlich verwundbar macht und ihnen den Zugang zu vielen Sozialleistungen erschwert.

Gleichzeitig gilt die Branche als offenes Geheimnis und als wichtiger Einkommensmotor für Haushalte und die stark tourismusabhängige Wirtschaft, insbesondere in Städten wie Bangkok, Pattaya und Patong, wo Tausende in einem rechtlichen Graubereich arbeiten.

Spannungen zwischen Gesetz und Praxis

Die geltende Rechtslage produziert seit Jahren ein angespanntes Verhältnis zwischen Branche und Behörden, die das Ausmaß der Sexarbeit offiziell häufig herunterspielen oder abstreiten.

Diese Strategie stößt zunehmend auf Kritik aus verschiedenen politischen Lagern, die der Staatsmacht vorwerfen, das Thema zu verdrängen, statt nach tragfähigen Lösungen zu suchen.

Forderung nach formaler Anerkennung

Die Pheu-Thai-Kandidatin Patdarasm Thongsaluaykorn betonte die ökonomische Rolle der Branche mit den Worten, „Es gibt keinen Zweifel, dass Sexarbeiter erheblich zur Wirtschaft beitragen, sowohl auf nationaler Ebene als auch in den Haushalten“.

Sie sprach sich dafür aus, Sexarbeiter unter das Entertainment Places Act zu fassen, um ihnen den Status regulärer Beschäftigter mit Arbeitsrechten und Zugang zu sozialer Absicherung zu geben und Decriminalisierung als ersten Schritt in einem längeren Reformprozess zu verstehen.

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Menschenrechte und Korruptionsrisiken

Die Kandidatin Natthaya Boonphakdi von der People’s Party stellte das Thema als Frage der Menschenrechte dar und argumentierte, dass die Kriminalisierung Betroffene von zentralen rechtlichen und sozialen Schutzmechanismen ausschließe.

Nach ihrer Darstellung eröffnet das Verbot zudem Raum für Korruption und Erpressung durch staatliche Stellen, weil Sexarbeiter aus Angst vor Strafverfolgung kaum gegen Missbrauch vorgehen können.

Politische Fronten und offene Positionen

Das Forum in Bangkok zeigte, dass Parteien von links bis konservativ-mitte dem Reformdruck im Sektor stärker Rechnung tragen, während das Land mit seinem widersprüchlichen Verhältnis zum Tourismus ringt.

Vollständige Entkriminalisierung bleibt zwar umstritten und prominente Kräfte wie die eher zentristisch-konservative Bhumjaithai-Partei waren der Runde ferngeblieben und haben sich bisher nicht eindeutig positioniert, doch die Wahlversprechen deuten auf einen Kurswechsel hin zu mehr Sicherheit, formeller Anerkennung und weniger Stigmatisierung.

Wunsch nach rechtlichem Schutz

Laut früheren Umfragen und Feldstudien von SWING und anderen Organisationen wünschen sich viele Sexarbeiter rechtlichen Schutz, Zugang zu medizinischer Versorgung und Sozialleistungen sowie die Möglichkeit, Missbrauch durch Kunden ohne eigenes Risiko anzeigen zu können.

Die Nachfrage nach besserer rechtlicher Absicherung wird von Interessenvertretungen seit Jahren vorgetragen und findet nun erstmals breitere politische Resonanz im Wahlkampf verschiedener Parteien.

Sorgen vor Überregulierung

Gleichzeitig gibt es in der Branche Sorgen vor Überregulierung, stärkerer Besteuerung und restriktiven Zonenkonzepten für einen auf Milliardenhöhe geschätzten Markt, der als wesentlicher, aber schwer steuerbarer Faktor des Tourismus gilt.

Befürchtungen richten sich vor allem gegen mögliche bürokratische Hürden und staatliche Eingriffe, die den Zugang zum Arbeitsmarkt erschweren oder bestimmte Tätigkeitsformen ausschließen könnten.

Einbettung in breitere Debatten

Im Wahlkampf werden die Rechte von Sexarbeitern zunehmend in breitere Debatten über Arbeitsrechte, Geschlechtergleichheit und wirtschaftliche Realitäten eines dynamischen Gesellschaftssystems eingebettet.

Die Diskussion verbindet Themen wie soziale Absicherung, Arbeitnehmerschutz und gesellschaftliche Teilhabe mit den spezifischen Herausforderungen eines Sektors, der bisher rechtlich weitgehend unsichtbar blieb.

Offene Umsetzung nach der Wahl

Ob die jetzt abgegebenen Zusagen nach der Wahl tatsächlich in konkrete Gesetzesinitiativen münden, bleibt offen und dürfte die Politik über den 8. Februar hinaus beschäftigen.

Beobachter gehen davon aus, dass eine Reform erhebliche Verhandlungen zwischen verschiedenen Ministerien, Interessengruppen und gesellschaftlichen Akteuren erfordern würde.

Realität anerkennen oder Tabu bewahren

Kurz vor der Wahl sprechen mehrere Parteien offen über mehr Rechte und Schutz für Sexarbeiter – eine Branche, die offiziell illegal ist, aber wirtschaftlich eine große Rolle spielt. Die Diskussion wirft grundsätzliche Fragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz und rechtlichen Behandlung auf.

Folgende Aspekte stehen im Zentrum der Debatte:

– Ist es Zeit für eine ehrliche Reformpolitik, die wirtschaftliche Realitäten rechtlich abbildet
– Welche Auswirkungen hätte eine Entkriminalisierung auf Arbeitsbedingungen und Sicherheit
– Wie lassen sich Schutzrechte gewährleisten ohne staatliche Überregulierung
– Öffnet das Thema eine notwendige oder eine heikle gesellschaftliche Debatte

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Quelle: The Pattaya News

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