PATTAYA, THAILAND – Der britische Unternehmer und ASOS-Mitgründer Quentin John Griffiths ist am 9. Februar nach einem Sturz von einem Balkon im 17. Stock in Pattaya ums Leben gekommen, die Ermittler sehen derzeit deutliche Hinweise auf einen Suizid. Gleichzeitig bleibt der Fall aufgrund offener Gerichtsverfahren, ausstehender Autopsie-Ergebnisse und der öffentlichen Dementis seiner getrennt lebenden thailändischen Ehefrau weiter offiziell ungeklärt.
Tod nach Sturz aus dem 17. Stock
Griffiths, 58 Jahre alt, stürzte am Abend des 9. Februar von einem Balkon in einem Hochhaus in Pattaya, nachdem die Polizei gegen 20.30 Uhr über einen aus großer Höhe gestürzten Ausländer informiert worden war.
Rettungskräfte fanden ihn leblos neben dem Gebäude, erklärten ihn noch am Ort für tot, sperrten den Bereich ab und ließen den Leichnam zur Obduktion überführen.
Verschlossene Wohnung und CCTV-Aufnahmen
Nach Angaben von Police Colonel Anek Sarathongyoo wohnte Griffiths allein in einer Einheit im 17. Stock, deren Tür doppelt von innen verschlossen war und somit nur intern gesichert werden konnte.
Überwachungskameras zeigten ihn laut Polizei allein beim Betreten der Wohnung, ohne dass eine weitere Person vor Eintreffen der Beamten hinein- oder hinausging, weshalb zunächst keine unmittelbaren Hinweise auf eine Beteiligung Dritter gesehen wurden.
Tatortbefunde und Ermittlungshinweise
Ermittler fanden in der Wohnung keine Einbruchsspuren und keine Anzeichen eines Kampfes, stellten aber Spuren von Alkoholkonsum fest.
Zwei geöffnete Flaschen Wein, eine Wasserflasche sowie ein auf dem Balkon an das Geländer gerückter Stuhl, den die Polizei als mögliche Einstiegshilfe über die Brüstung wertet, gehören zu den dokumentierten Funden.
Juristische Konflikte und mutmaßliches Motivbild
In der Wohnung und in seinem in Chonburi registrierten Fahrzeug entdeckten Beamte umfangreiche Unterlagen zu zwei Verfahren vor dem Pattaya Provincial Court, die unter den Aktenzeichen A310/2568 (schwarze Nummer, noch anhängig) und A1355/2568 (rote Nummer, bereits entschieden) geführt wurden.
Laut Polizei ging es dabei um Streitigkeiten mit seiner getrennt lebenden thailändischen Ehefrau über ein gemeinsam geführtes Unternehmen, wobei sie ihm vorwarf, rund 500.000 Pfund veruntreut sowie Dokumente gefälscht zu haben, um Grundstücke und Unternehmensanteile ohne ihr Wissen zu verkaufen.
Strafanzeigen, Verhöre und psychischer Druck
Im vergangenen Jahr war Griffiths nach einer entsprechenden Anzeige seiner Ehefrau festgenommen, von Ermittlern vernommen und anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt worden, doch die Untersuchungen liefen bis zu seinem Tod weiter.
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Im Januar 2025 wurde er nach Medienberichten erneut am Flughafen Suvarnabhumi zu denselben Vorwürfen festgenommen, bestritt jedoch alle Anschuldigungen und beharrte darauf, alle Geschäfte rechtmäßig abgewickelt zu haben, während die Verfahren aktiv blieben.
Aussage einer Freundin und Bewertung der Ermittler
Ein thailändischer Freund schilderte den Ermittlern laut Polizeibericht, Griffiths habe sich deutlich wegen der laufenden Klagen und der juristischen Auseinandersetzungen gesorgt.
Die Polizei wertet diesen Druck zusammen mit den aufgefundenen Prozessunterlagen in Auto und Wohnung als relevanten Faktor und sieht die Gesamtlage derzeit als Hinweis auf einen wahrscheinlichen Suizid, ohne andere Szenarien endgültig auszuschließen.
Öffentliche Dementis der getrennt lebenden Ehefrau
Die 43-jährige, von ihm getrennt lebende thailändische Ehefrau Ploy Kringsinthanakun, mit der Griffiths fünf Jahre verheiratet war und zwei Kinder hat, bestritt im Gespräch mit der britischen Zeitung Daily Mail jede Verwicklung in seinen Tod.
Sie betonte, zur fraglichen Zeit in Bangkok gewesen zu sein und sich nicht in Pattaya aufgehalten zu haben, und erklärte wörtlich, sie habe „absolut nichts damit zu tun“.
Karriere als ASOS-Mitgründer und Vermögen
Griffiths war einer der Mitgründer von ASOS, das 2000 unter dem Namen As Seen On Screen gestartet und 2003 umbenannt wurde, und trug zunächst in leitender Funktion das Marketing mit, bevor er nach vier Jahren ausstieg, aber eine bedeutende Beteiligung behielt.
Er profitierte von der internationalen Expansion des Online-Modehändlers in über 150 Märkte, erzielte laut Berichten 2010 und 2015 jeweils rund 15 Millionen Pfund durch Aktienverkäufe und führte später einen Rechtsstreit gegen BDO, weil er sich wegen angeblich falscher Steuerberatung um mehr als 4 Millionen Pfund benachteiligt sah.
Leben in Pattaya und Familienbilder in sozialen Medien
Nach der Scheidung von seiner ersten Frau im Vereinigten Königreich zog Griffiths 2007 dauerhaft nach Pattaya, heiratete später eine Thailänderin, mit der er einen Sohn und eine Tochter bekam, bevor auch diese Ehe zerbrach.
In sozialen Netzwerken zeigen Fotos ihn mit den Kindern auf Reisen nach Schweizer Skigebieten, Paris und Bournemouth, bei luxuriösen Urlauben mit First-Class-Flügen und Fünf-Sterne-Hotels sowie beim Engagement in einem Waisenhaus in Pattaya, die letzte bekannte Aufnahme datiert aus dem Jahr 2021.
Reaktionen von ASOS und britischen Behörden
Eine Sprecherin von ASOS erklärte, das Unternehmen sei über seinen Tod sehr betroffen und würdigte ihn als einen der ursprünglichen Mitgründer mit prägendem Beitrag in der Frühphase der Firma.
Das britische Foreign, Commonwealth and Development Office teilte mit, man unterstütze die Familie von Griffiths und stehe in Kontakt mit den thailändischen Behörden, während forensische Untersuchungen noch Monate dauern könnten und unter thailändischem Recht die Ermittlungen bis zum endgültigen Autopsiebericht offiziell weiterlaufen.



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