Seltene Erden, große Sorgen
Ein Abkommen, das Thailand spaltet: Premier Anutin Charnvirakul und Donald Trump besiegeln beim ASEAN-Gipfel in Malaysia ein Memorandum über seltene Erden – und sofort hagelt es Kritik. Gegner warnen vor geopolitischen Risiken, Umweltgefahren und ungleichen Bedingungen zugunsten der USA. Die US-Botschaft verteidigt das Papier als „reine Kooperation“, doch viele Thais sehen darin mehr als nur technische Zusammenarbeit.
„Kein Zwang, nur Chancen“ – sagt die US-Botschaft
In einer Erklärung vom 30. Oktober betont die US-Botschaft in Bangkok, das Abkommen solle Lieferketten stärken und Investitionen fördern, ohne Thailands Souveränität einzuschränken. Es gehe um gemeinsame Forschung, verantwortungsvolle Rohstoffförderung und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Washington sieht darin einen Ausbau der jahrzehntelangen Allianz – Kritiker dagegen einen Schritt in Richtung Abhängigkeit.
Opposition fordert Aufklärung
Im Parlament brodelt es: Abgeordnete der Pheu-Thai-Partei und der People’s Party verlangen eine dringende Debatte. Sarasnant Arnannopporn, Vorsitzender des Außenausschusses, fordert Premier Anutin auf, die Vertragsdetails offenzulegen. Pheu-Thai-Mann Jittipoj Viriyaroj wirft der Regierung vor, das Abkommen ohne öffentliche Konsultation unterzeichnet zu haben. Er warnt: „Das könnte unsere Beziehungen zu China gefährden!“
„Wir haben uns verrannt“ – scharfe Worte im Parlament
Phatthrapong Lilaphat von der People’s Party geht noch weiter: Das MOU enthalte keine klaren Umweltauflagen und ermögliche den USA, Thailands Rohstoffgebiete zu analysieren und auszudehnen. Damit, so Lilaphat, gebe Bangkok zu viel Kontrolle aus der Hand. Sein bitteres Fazit: „Andere Länder haben besser verhandelt – wir nicht.“
Thailands Bodenschätze im Fokus
Laut dem Department of Mineral Resources verfügt Thailand über mehr als 40 Mineralarten, vor allem Steinsalz im Nordosten. Etwa 19 Prozent der Landesfläche enthalten Rohstoffe. 2024 stieg Thailand überraschend zu einem der Top-Produzenten seltener Erden auf – mit fast 13.000 Tonnen, ein Plus von 261 Prozent gegenüber 2023! Trotzdem bleibt die Branche undurchsichtig, viele Materialien werden weiterhin aus China importiert.
Umweltforscher warnen vor Risiken
Der Umweltwissenschaftler Sonthi Kotchawat mahnt: Der Abbau seltener Erden sei energie- und chemieintensiv. Dabei entstünden gefährliche Abfälle mit radioaktiven Rückständen. Schon kleine Fehler könnten Boden und Wasser verseuchen und Wälder zerstören. Er verweist auf Myanmar, wo ähnliche Projekte schwere Umweltschäden hinterließen.
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Machtspiele um seltene Erden
Ökonom Dr. Supavud Saicheua ordnet das Abkommen geopolitisch ein: China kontrolliert fast die Hälfte der weltweiten Reserven und verarbeitet rund 90 Prozent der globalen Produktion. Trump habe auf seiner Asienreise ähnliche Deals mit mehreren Ländern gesucht – als Teil des US-Plans, Chinas Dominanz zu brechen. Doch Supavud warnt: „Diese Technologie des Fortschritts kann auch neue Ungleichheiten schaffen.“
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