Trump fordert internationale Kriegsflotte: Hormus vor der Eskalation

Drohnenangriffe, Ultimaten und steigende Ölpreise: Donald Trump drängt Verbündete zu einer Militärkoalition im Persischen Golf. Während Iran selektiv blockiert und Europa zögert, wächst die Gefahr einer direkten Konfrontation mit globalen Folgen.

Trump fordert internationale Kriegsflotte: Hormus vor der Eskalation
Ein 3D-gedrucktes Miniaturmodell von US-Präsident Donald Trump und eine iranische Flagge sind auf dieser Illustration vom 18. Juni 2025 zu sehen. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

DUBAI, VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE – Donald Trump bittet nicht mehr, er befiehlt: Der US-Präsident fordert von seinen Alliierten eine gemeinsame Kriegsflotte gegen den Iran, während Drohnenschwärme die Lebensadern am Persischen Golf attackieren.

Trump spielt die diplomatische Brechstange

Donald Trump verlangt von sieben Nationen die sofortige Entsendung von Kriegsschiffen in die Straße von Hormus. In einem Interview mit der „Financial Times“ stellte er unmissverständlich klar, dass die USA nicht länger allein für die Sicherheit der globalen Ölrouten bezahlen. Wer Energie aus dem Golf bezieht, muss nun auch militärisch Farbe bekennen und die Kosten der Überwachung mittragen.

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, droht er offen mit der Absage seiner geplanten China-Reise. Er verlangt von Peking eine Antwort innerhalb der nächsten zwei Wochen. Sollte die Volksrepublik zögern, werde Washington die laufenden Handelsgespräche in Paris und den Staatsbesuch kurzerhand auf Eis legen, um den wirtschaftlichen Druck auf die Führung in Peking zu maximieren.

Drohnenangriffe legen den Flugverkehr lahm

Der Krieg erreichte am Montag mit voller Wucht die zivile Infrastruktur der Emirate, als eine Drohne ein Treibstofflager am Flughafen Dubai traf. Die Behörden mussten den Betrieb am geschäftigsten internationalen Drehkreuz der Welt zeitweise komplett einstellen, während dicke Rauchwolken über den Terminals aufstiegen. Erst nach Stunden rollten die ersten Maschinen wieder, doch das logistische Chaos hielt die Stadt weiter in Atem.

Zusätzlich meldeten auch Saudi-Arabien und Bahrain schwere Angriffe durch iranische Flugkörper. In Fujairah brach in einer Industriezone ein Großbrand aus, während die saudische Luftabwehr über 60 Drohnen im Anflug auf Riad abfing. In Abu Dhabi forderte ein Raketeneinschlag das Leben eines palästinensischen Zivilisten, womit die Zahl der Todesopfer in den Emiraten seit Kriegsbeginn am 18. Februar weiter ansteigt.

Araghchi sortiert Freund und Feind

Irans Außenminister Abbas Araghchi provoziert mit einer gezielten Auswahl der Schifffahrtssperre. Die Straße von Hormus bleibe für den Großteil der Welt offen, so der Diplomat am Montag in Teheran. Nur Schiffen aus den USA, Israel und jenen Nationen, die er als Komplizen der Aggression bezeichnet, verweigere die Revolutionsgarde die Durchfahrt. Er will so einen Keil zwischen die westliche Allianz treiben.

Gleichzeitig streut das Regime unbewiesene Vorwürfe, um die Golfstaaten gegen Washington aufzuwiegeln. Die USA nutzten angeblich Stützpunkte in den Emiraten, um Angriffe auf das wichtige Ölterminal der Insel Kharg zu fliegen. Damit konstruiert Teheran eine Rechtfertigung für die massiven Schläge gegen zivile Ziele in Dubai und Abu Dhabi, während die Ölpreise auf über 105 Dollar pro Barrel klettern.

Starmer verweigert den Gehorsam

Der britische Premierminister Keir Starmer geht auf Distanz zu den martialischen Tönen aus Washington. Zwar verurteilt er die Angriffe auf Israel scharf, lehnt die Entsendung schwerer Kriegsschiffe jedoch kategorisch ab. Er wolle das Vereinigte Königreich nicht in einen regionalen Flächenbrand ziehen lassen, dessen Ausgang völlig ungewiss bleibt und die britischen Streitkräfte überfordern könnte.

Stattdessen setzt London auf technische Unterstützung durch Unterwasser-Drohnen zur Minenjagd, die bereits in der Region stationiert sind. Trump reagierte erzürnt auf diese Zurückhaltung und warf Starmer mangelnde Solidarität vor. Besonders die Weigerung, britische Basen für Angriffe auf den Iran freizugeben, sorgt für eine gefährliche Eiszeit zwischen den beiden traditionell engsten Partnern.

Wadephul verlangt klare Kriegsziele

In Brüssel fordert Bundesaußenminister Johann Wadephul von den USA und Israel eine ehrliche Bestandsaufnahme ihrer Strategie. Er verlangt Klarheit darüber, wann die militärischen Ziele erreicht seien und ab wann eine diplomatische Lösung wieder Raum greife. Ohne eine definierte Architektur für die regionale Sicherheit bleibe jeder Einsatz nur ein blindes Agieren im Pulverfass, warnte der Minister.

Dennoch sieht auch Berlin die Gefahr, die von der iranischen Blockadepolitik ausgeht. Wadephul unterstützt daher gezielte Sanktionen gegen jene Kader in Teheran, die den freien Schiffsverkehr sabotieren. Er plädiert dafür, den Druck auf das Regime aufrechtzuerhalten, fordert aber gleichzeitig, die Kommunikationskanäle nach Teheran nicht gänzlich abreißen zu lassen, um eine unkontrollierte Eskalation zu vermeiden.

Kallas plant die europäische Antwort

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bereitet unterdessen zwei Optionen für eine europäische Marinemission vor. Eine Möglichkeit besteht darin, die bestehende „Aspides“-Mission aus dem Roten Meer bis tief in den Persischen Golf auszuweiten. Alternativ diskutieren die Mitgliedstaaten über eine „Koalition der Willigen“, bei der einzelne Nationen ihre Kapazitäten auf freiwilliger Basis bündeln, um den Schutz der Handelswege zu garantieren.

Steigende Preise für Energie und Düngemittel zwingen die Europäer zum Handeln, da die wirtschaftlichen Folgen der Krise die Haushalte der Union bereits direkt treffen. Kallas betonte vor dem Treffen der Außenminister in Brüssel, dass ein offener Hormus-Kanal im fundamentalen Interesse der gesamten Gemeinschaft liege. Die Entscheidung über das militärische Engagement wird die Belastbarkeit der europäischen Außenpolitik erneut testen.

Peking übt sich in vornehmer Zurückhaltung

Chinas Außenamtssprecher Lin Jian wich den direkten Fragen zu Trumps Ultimatum geschickt aus. Er wiederholte lediglich die Standardrufe nach einem sofortigen Ende der Feindseligkeiten und verwies auf die Bedeutung des stabilen Welthandels. Peking beobachtet die Lage genau, scheut aber bisher jede Zusage für eine militärische Beteiligung an der US-geführten Koalition, um seine eigenen Beziehungen zum Iran nicht zu gefährden.

Dennoch wissen die chinesischen Strategen, dass die Zeit drängt. Die Diplomatie auf höchster Ebene spiele eine unersetzliche Rolle, so Lin Jian mit Blick auf den drohenden Abbruch des Trump-Besuchs. Da China massiv von Rohölimporten aus der Region abhängt, wächst auch dort hinter verschlossenen Türen die Sorge vor einem dauerhaften Versiegen der Energiezufuhr und den damit verbundenen Preissprüngen.

Australien schließt die Entsendung aus

Die australische Verkehrsministerin Catherine King stellte am Montag klar, dass Canberra kein Kriegsschiff in den Nahen Osten schicken wird. Trotz der Aufforderung aus dem Weißen Haus sieht Australien seine Rolle eher in der defensiven Unterstützung der Emirate. Von einer direkten Beteiligung an einer offensiven Flottenmission will die Regierung vorerst absehen, um die eigenen Kapazitäten im indopazifischen Raum zu binden.

Anstatt Zerstörer zu entsenden, liefert Australien Überwachungsflugzeuge der Luftwaffe und Luft-Luft-Raketen an die Vereinigten Arabischen Emirate. King betonte, dass diese Maßnahmen rein der Verteidigung gegen Drohnenangriffe dienen. Damit folgt Australien einem vorsichtigen Kurs, der die Allianz mit den USA zwar stützt, aber eine direkte Konfrontation mit iranischen Seestreitkräften im engen Golf tunlichst vermeidet.

Shoshani meldet Erfolge gegen Teheran

Israels Militärsprecher Nadav Shoshani verkündete unterdessen massive Schläge gegen das iranische Waffenarsenal. Nach Schätzungen der Armee sind bereits 70 Prozent der iranischen Raketenwerfer vernichtet und 85 Prozent der Luftabwehrsysteme ausgeschaltet. Israel weitete zudem seine Angriffe auf iranische Atomanlagen aus, um die nukleare Bedrohung dauerhaft zu neutralisieren, während die Luftwaffe täglich hunderte Ziele attackiert.

Im Südlibanon rücken israelische Bodentruppen derweil gegen die Elite-Einheiten der Hisbollah vor. Shoshani rechtfertigte den Einsatz als notwendigen Schutz für die Gemeinden im Norden Israels, die seit Wochen unter Beschuss stehen. Er kündigte an, dass die Operationen so lange andauern werden, bis die Gefahr durch die Radwan-Kämpfer an der Grenze vollständig beseitigt ist, ungeachtet der internationalen Kritik an der Intensität der Angriffe.

Das menschliche Leid hinter den Zahlen

Während die Generäle ihre Erfolge zählen, versinkt der Libanon in einer humanitären Katastrophe. Mehr als 850.000 Menschen sind auf der Flucht, während israelische Schläge auch Helfer ins Visier nehmen. In Kfar Sir starben zwei Sanitäter der Hisbollah-Gesundheitsorganisation bei dem Versuch, Verletzte aus den Trümmern eines getroffenen Wohnhauses zu bergen, was die verzweifelte Lage der zivilen Rettungskräfte vor Ort unterstreicht.

Auch im Gazastreifen verschärft sich das Elend durch neue Tragödien. Der Einsturz einer Mauer in Khan Younis begrub Frauen und Kinder unter sich, die in Zelten Schutz gesucht hatten. Die UN schätzen die Trümmerberge in Gaza mittlerweile auf 61 Millionen Tonnen – eine Menge, die 25 Eiffeltürme aufwiegen würde. Hinter jedem dieser Steine steht ein zerstörtes Leben in einer Region, die kaum noch Hoffnung auf ein friedliches Morgen findet.

Heiligt der Schutz des Öls jedes Mittel?

Steht die Weltgemeinschaft vor einem Abgrund, den sie durch jahrelanges Zögern selbst gegraben hat? Der Ölpreis von 105 Dollar pro Barrel zeigt, dass der Markt längst nicht mehr an eine friedliche Lösung glaubt. Wenn Trump seine Drohung wahrmacht und die Diplomatie durch Kanonenboote ersetzt, stellt sich die Frage: Wer kontrolliert die Kettenreaktion, die ein direkter Angriff auf den Iran auslösen würde und heiligt der freie Handel wirklich jedes zivile Opfer?

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Quelle: Khaosod English

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