Über 10 Zeugen belasten Ex-Vizepolizeichef

Über 10 Zeugen belasten Ex-Vizepolizeichef
Pornprom Satrabhaya, Bangkok Post

BANGKOK, THAILAND – Im Verfahren gegen den früheren stellvertretenden Polizeichef Surachate Hakparn haben sich nach Angaben der Ermittler inzwischen mehr als zehn Zeugen aus dem Polizeidienst gemeldet. Die zentralen Strafverfolger sehen sich damit mit einer wachsenden Zahl an Aussagen zu mutmaßlicher körperlicher Gewalt und psychischer Schikane konfrontiert.

Mehr als zehn Zeugen aus engem Umfeld

Die Central Investigation Bureau (CIB) teilte am Freitag mit, dass sich über zehn Polizeibeamte gemeldet hätten, die zu den Vorwürfen aussagen wollen.

Nach Angaben von Pol Maj Gen Jruykiat Pankaeo, stellvertretender Chef der CIB, handelt es sich um Polizisten, die früher in der Residenz von Pol Gen Surachate lebten oder dort Dienst taten. Sie seien bereit, detailliert zu schildern, was sie dort erlebt oder beobachtet hätten.

„Alle Zeugen werden vernommen“, sagte Jruykiat. Einige hätten die angeblichen Zwischenfälle direkt miterlebt, andere stützten sich auf Berichte unmittelbar Beteiligter.

Chauffeure, Wachen und Hauspersonal als Kernzeugen

Nach CIB-Angaben waren alle Zeugen eng im Alltag des früheren Vizepolizeichefs eingebunden.

Die Beamten hätten als Chauffeure, Wachleute und für die Instandhaltung des Grundstücks gearbeitet, erklärte Jruykiat. Durch diese Funktionen hätten sie direkten Einblick in Abläufe und Umgangsformen in der Residenz gehabt.

Im Zentrum der neuen Aussagen stehen Vorwürfe von körperlichen Übergriffen und psychischem Druck gegen unterstellte Beamte. Die Ermittler prüfen nun, inwieweit sich die Darstellungen decken und strafrechtlich relevant sind.

Strafanzeige durch zwei frühere Untergebene

Ausgelöst wurde das Verfahren durch zwei frühere Mitarbeiter Surachates.

Pol Lt Col Krit Priyaket und Pol Col Aris Kuprasitrat hatten bereits Anfang der Woche Strafanzeigen gegen ihren ehemaligen Vorgesetzten gestellt. Sie werfen ihm Nötigung, Einschüchterung und körperliche Angriffe vor.

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Die Untersuchung wird von der Crime Suppression Division (CSD) geführt, einer Spezialeinheit der Polizei für besonders schwere und komplexe Delikte.

Langer Konflikt um Karriereende von Surachate

Die Affäre trifft einen der bekanntesten Polizisten des Landes, der lange als Anwärter auf die Spitze der Polizei galt.

Pol Gen Surachate war im Jahr 2024 wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Online-Glücksspiel-Geschäften aus dem Dienst entfernt worden. Eine polizeiliche Disziplinarkommission empfahl im März 2025, ihn ohne Pensionsanspruch zu entlassen.

Der frühere Spitzenbeamte wehrt sich seitdem juristisch. Doch das Supreme Administrative Court wies am 9. Januar dieses Jahres seine Klage gegen die Entlassungsverfügung von 2024 ab.

Weitere Ermittlungen wegen mutmaßlicher Bestechung

Parallel zu den aktuellen Vorwürfen der Gewaltanwendung läuft bereits ein weiteres Verfahren gegen Surachate.

Er steht im Verdacht, in einem separaten Fall Bestechung organisiert zu haben. Ihm wird vorgeworfen, die Lieferung von Goldbarren im Wert von 16 Millionen Baht an ein Mitglied der National Anti-Corruption Commission (NACC) angeordnet zu haben.

Die Goldbarren sollen an ein NACC-Mitglied gegangen sein, das mit der Prüfung früherer Vorwürfe gegen Surachate befasst war.

Der frühere Vizepolizeichef hat sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen. Er spricht von einem Komplott innerpolizeilicher Rivalen, die seinen Weg an die Spitze der Behörde blockieren wollten.

Nächste Schritte der Ermittler

Die CIB will nun alle Zeugen systematisch vernehmen und ihre Aussagen mit den bereits vorliegenden Beschwerden abgleichen.

Für die Ermittler stehen dabei vor allem folgende Punkte im Fokus:

• mögliche strafbare körperliche Übergriffe

• Vorwürfe der psychischen Einschüchterung unterstellter Beamter

• der Zusammenhang zu bereits laufenden Verfahren und Disziplinarmaßnahmen

Ob es zu einer weiteren strafrechtlichen Anklage kommt, hängt nun von der Bewertung dieser neuen Zeugenaussagen ab.

🗣 Wenn die Uniform nicht mehr schützt

Mehr als zehn Beamte sagen aus – nicht gegen Kriminelle, sondern gegen einen der ihren.
Was passiert, wenn Machtstrukturen jahrelang unangetastet bleiben und erst bröckeln, wenn der Druck zu groß wird?
Braucht Thailand unabhängige Stellen, die Polizisten vor ihren eigenen Vorgesetzten schützen? Oder zeigt dieser Fall, dass das System nur dann reagiert, wenn es öffentlich brennt?
Schreib, was du darüber denkst. Denn Vertrauen in den Rechtsstaat beginnt dort, wo auch die Mächtigen nicht mehr schweigen lassen können.

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Quelle: Bangkok Post

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