BANGKOK, THAILAND – Das Gesundheitsministerium hat eine umfassende Präventionsoffensive gegen Übergewicht und andere chronische Krankheiten gestartet und setzt dabei konsequent auf bessere Ernährung und frühzeitige Aufklärung.
Prävention statt Behandlung
Bei einer Fachveranstaltung unter dem Titel „KIN-D: Key Integration for Nutrition and Defeat NCDs“ stellte Gesundheitsminister Phatthanathorn Promphan die neue Linie seines Ressorts vor. Im Mittelpunkt stehen nicht Medikamente oder Klinikprogramme, sondern Alltagsernährung und Bewegungsverhalten.
„Wir priorisieren Prävention vor Behandlung“, betonte Phatthanathorn und verwies auf einen seit rund 20 Jahren anhaltenden Negativtrend bei Übergewicht und anderen nichtübertragbaren Krankheiten (NCDs) wie Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Der Minister sprach von einem notwendigen Kurswechsel in der Politik, damit Bürgerinnen und Bürger leichter gesunde Lebensmittel auswählen können. Das KIN-D-Forum sei ein wichtiger Schritt, um alle gesellschaftlichen Bereiche dauerhaft in die Reduktion der NCD-Belastung einzubinden.
Internationale Expertise zu Ernährungsstrategien
Ein zentraler Programmpunkt war eine Fachvorlesung von Professor Walter C. Willett von der Harvard University, einem international bekannten Ernährungsmediziner. In seinem Beitrag zu „Diets for Health Promotion and Prevention of NCDs“ stellte er Forschungsdaten vor, die den Zusammenhang zwischen Ernährungsstil, Krankheitsrisiko und Gesundheitsförderung belegen.
Willett zeigte auf, wie Ernährungsmuster angepasst werden können, um chronischen Erkrankungen vorzubeugen, und ging dabei auch auf Übertragungsmöglichkeiten auf den thailändischen Kontext ein. Damit stärkte er das wissenschaftliche Fundament der KIN-D-Initiative.
Kinder im Fokus – Adipositasraten verdoppelt
Besonders deutlich wurde die Lage bei Kindern. Dr. Amporn Benjaphonpiphat, Generaldirektorin des Department of Health, berichtete, dass sich die Adipositasrate bei Kindern in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt habe.
Sie nannte als zentrale Ursachen:
• hohe Aufnahme stark verarbeiteter Lebensmittel
• vermehrter Konsum zuckerreicher Snacks
• übermäßiger Verzehr salziger Speisen
• weiterhin unzureichende Obst- und Gemüsezufuhr
Das Department setze daher auf den Ausbau von Ernährungssystemen, klare Nährwertkommunikation und Umgebungen, die gesundheitsbewusstes Essverhalten erleichtern.
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Ganzes Ernährungssystem in der Verantwortung
Dr. Somrerk Jeamsamran, Ständiger Sekretär im Gesundheitsministerium, hob hervor, dass der Kampf gegen NCDs nur funktioniere, wenn sowohl Wissen als auch Umfeld stimmen. Die Auseinandersetzung mit NCDs sei darauf ausgerichtet, Ernährungswissen aufzubauen und gesundheitsförderliche Lebensräume zu schaffen, so sein Tenor.
Über die KIN-D-Plattform arbeiten Akteure entlang der gesamten Lebensmittelkette zusammen. Ziel ist eine langfristige und nachhaltige Wirkung auf die Ernährung im Land.
Handel, Aufsicht und Landwirtschaft an einem Tisch
Zum Abschluss diskutierten Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Ernährung und Privatwirtschaft konkrete Umsetzungsschritte. Mit am Tisch: Vertreter der Food and Drug Administration (FDA) und der Thai Retailers Association.
Im Fokus standen Maßnahmen, um
• gesunde Lebensmittelproduktion zu fördern
• Lebensmittelsicherheits-Regeln zu verbessern
• Verkaufsumgebungen so zu gestalten, dass gesundheitsbewusste Kaufentscheidungen leichter fallen
Über KIN-D will das Ministerium wissenschaftliche Erkenntnisse mit breiter sektorübergreifender Zusammenarbeit verbinden, um die Belastung durch NCDs zu senken und die Ernährungssituation nachhaltig zu verbessern.
🍔 Eine Generation in Gefahr – wer trägt die Verantwortung?
Fettleibigkeit bei Kindern hat sich in Thailand in 20 Jahren verdoppelt. Das Gesundheitsministerium warnt vor einer stillen Epidemie aus Zucker, Fett und Bewegungsmangel.
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