Von roter Erde zur grünen Oase: Mein Gartenabenteuer in Thailand

Wassertank reinigen: So habe ich’s Schritt für Schritt geschafft
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Thailand ist ein Land der Gegensätze: Wolkenkratzer neben Reisfeldern, Tuk-Tuks neben High-End-Limousinen – und roter, staubiger Boden, der sich in eine grüne Oase verwandeln lässt. Als ich mich entschloss, meinen eigenen Garten in Thailand anzulegen, wusste ich nicht, wie groß die Unterschiede zu Deutschland sein würden. Heute, nach vielen Schweißperlen, Rückschlägen und Erfolgserlebnissen, blicke ich auf ein Stück Land, das blüht, wächst und lebt.

Im Folgenden erzähle ich, wie ich Schritt für Schritt aus nackter Erde einen tropischen Garten gemacht habe – und welche Tipps ich jedem mitgeben möchte, der in Thailand selbst zum Hobby-Gärtner werden will.

Der erste Eindruck: Staubige rote Erde

In Deutschland war ich gewohnt, mit dunkler, nährstoffreicher Erde zu arbeiten. In Thailand dagegen bekam ich es mit Laterit-Boden zu tun: rot, hart und voller Steine. Auf den ersten Blick sah er unfruchtbar aus, und tatsächlich war er für die meisten Pflanzen zu mager.

Doch dieser Boden ist typisch für große Teile Zentralthailands. Er speichert Wasser nur schlecht, wird bei Regen schlammig und bei Sonne steinhart. Mein erster Gedanke: „Hier wächst nie etwas.“

Alte Pflanzen entfernen: Platz schaffen für Neues

Bevor ich überhaupt an Gestaltung denken konnte, musste ich die vorhandene Vegetation entfernen. Auf dem Grundstück wuchsen verkrüppelte Sträucher, abgestorbene Bananenstauden und ein paar Dornenbüsche.

Mit der Machete – ein Werkzeug, das in Thailand fast jeder Haushalt besitzt – ging ich ans Werk. Anders als in Deutschland, wo man sich im Baumarkt mit Gartenscheren und Astsägen eindeckt, lernt man hier schnell, dass eine scharfe Klinge fast alles ersetzen kann.

Tipp: Alte Wurzeln nicht einfach im Boden lassen. Sie ziehen Termiten an und behindern das Wachstum neuer Pflanzen. Ich habe sie ausgegraben und verbrannt – ein in Thailand übliches Verfahren.

Boden vorbereiten: Ohne Kompost geht nichts

Die größte Herausforderung war die Bodenverbesserung. In Deutschland kann man oft direkt pflanzen, in Thailand nicht. Also begann ich, den Boden Schicht für Schicht zu verbessern:

  • Kompost: Ich legte einen Komposthaufen an – Küchenabfälle, Bananenblätter, Rasenschnitt. Nach wenigen Monaten hatte ich fruchtbaren Humus.
  • Kuhdung: Auf lokalen Märkten bekommt man getrockneten Kuhdung in Säcken. Ein preiswerter Dünger, der Wunder wirkt.
  • Kokosfasern (Cocopeat): Sie lockern den Boden und speichern Wasser – perfekt für tropische Hitze.

Nach einigen Wochen hatte ich eine lockere, dunklere Erdschicht, in die ich die ersten Pflanzen setzen konnte.

Tropische Pflanzen auswählen: Farbenpracht statt Rosenbeet

In Deutschland hätte ich vielleicht Rosen, Lavendel oder Apfelbäume gepflanzt. In Thailand musste ich umdenken. Die Hitze, der starke Regen und die Schädlinge verlangen robuste, tropische Pflanzen. Meine Auswahl:

  • Frangipani (Leelawadee): Blüht fast das ganze Jahr, pflegeleicht.
  • Heliconien: Tropische Prachtstauden mit roten und gelben Blüten.
  • Bananenstauden: Wachsen schnell, spenden Schatten, liefern Früchte.
  • Papaya: Einfach aus Samen gezogen, nach einem Jahr erntebereit.
  • Orchideen: Statt im Beet besser an Bäumen oder auf Holzstücken befestigen.

Ein wichtiger Unterschied: In Thailand pflanzt man oft nicht nach klaren Beeten, sondern kombiniert Nutz- und Zierpflanzen. So entstand mein „chaotischer“ Garten, der aber unglaublich lebendig wirkt.

Setzlinge kaufen: Märkte statt Gartencenter

Während man in Deutschland in den Baumarkt oder in eine Gärtnerei fährt, gibt es in Thailand unzählige Wochenmärkte, auf denen Pflanzenhändler ihre Ware anbieten.

Ich kaufte meine ersten Setzlinge auf dem Markt in Hua Hin: Bananen, Papaya und Kräuter. Der Preis überraschte mich: Ein Papaya-Setzling kostete umgerechnet 50 Cent, eine große Banane 1 Euro.

Auch große Pflanzenmärkte wie Chatuchak in Bangkok sind ein Paradies für Hobby-Gärtner. Dort findet man alles – von Bonsai über Palmen bis zu exotischen Heilpflanzen.

Bewässerung: Kampf gegen Sonne und Trockenheit

Die thailändische Sonne brennt gnadenlos. Ohne Bewässerung wäre mein Garten in wenigen Tagen vertrocknet. Zunächst schleppte ich Gießkannen, doch das war mühsam. Also investierte ich in ein Tropfbewässerungssystem, das ich mit Schläuchen und Plastikdüsen selbst installierte.

Wichtig:

  • In der Trockenzeit zweimal täglich bewässern (morgens und abends).
  • In der Regenzeit eher aufpassen, dass die Pflanzen nicht im Wasser stehen.

Tipp: Plastikschläuche und Zubehör bekommt man günstig in jedem HomePro oder Thai Watsadu (vergleichbar mit Bauhaus).

Schädlinge: Eine neue Dimension des Ärgers

In Deutschland kämpfte ich mit Schnecken und Blattläusen. In Thailand lernte ich eine ganz neue Palette an Plagegeistern kennen:

  • Rote Ameisen: Aggressiv, schmerzhaft, zerstören Blätter.
  • Termiten: Fressen Holzpflanzen von innen heraus.
  • Schnecken und Raupen: Besonders nach Regen aktiv.
  • Tokay-Geckos: Nützlich, aber ihre lauten Schreie nachts sind gewöhnungsbedürftig.

Ich wollte möglichst ohne Chemie arbeiten. Deshalb setzte ich auf natürliche Methoden:

  • Neem-Öl gegen Blattläuse und Raupen.
  • Kalkringe um junge Pflanzen gegen Ameisen.
  • Gemisch aus Chili, Knoblauch und Wasser als Spray gegen Schädlinge.

Es braucht Geduld, doch nach einigen Monaten fand ich ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen.

Unterschiede zur Gartenarbeit in Deutschland

Die größten Unterschiede zwischen meinen Garten-Erfahrungen in Deutschland und Thailand:

  1. Klima: Keine Winterpause, Pflanzen wachsen das ganze Jahr – aber Hitze und Regen stellen hohe Ansprüche.
  2. Boden: In Deutschland meist humusreich, in Thailand oft karg und rot.
  3. Schädlinge: Insekten und Termiten sind hier eine ständige Bedrohung.
  4. Kosten: Pflanzen, Erde und Dünger sind deutlich günstiger.
  5. Arbeitsweise: In Thailand wird viel improvisiert, mit Bambus, Seilen und einfachen Werkzeugen.

Mein persönlicher Rhythmus im Garten

Heute habe ich eine feste Routine entwickelt:

  • Morgens: Gießen, Blätter kontrollieren, neue Triebe zurückschneiden.
  • Nachmittags: Kleine Arbeiten wie Unkraut entfernen oder Erde lockern.
  • Wöchentlich: Kompost umsetzen, Düngen mit organischem Material.

Anders als in Deutschland gibt es kein klares „Saison-Ende“. Der Garten lebt ständig, und ich lerne, dass man hier mit der Natur arbeiten muss – nicht gegen sie.

Konkrete Tipps für Thailand-Gärtner

Wer selbst in Thailand einen Garten anlegen möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  1. Standort analysieren: Wo ist Sonne, wo Schatten? Manche Pflanzen verbrennen sonst in der Mittagshitze.
  2. Boden verbessern: Kompost, Mist und Kokosfasern sind Pflicht.
  3. Richtig einkaufen: Märkte sind günstig, HomePro bietet Materialien, spezialisierte Gärtnereien haben Qualität.
  4. Wasser einplanen: Ohne Tropfbewässerung oder Sprinkler wird es mühsam.
  5. Einheimische Pflanzen bevorzugen: Sie sind an Klima und Schädlinge angepasst.
  6. Geduld mitbringen: Manchmal dauert es Monate, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.

Der Lohn der Mühe: Eine tropische Oase

Heute, nach zwei Jahren, sieht mein Garten nicht mehr nach roter Erde aus. Zwischen den Palmen spenden Bananenstauden Schatten, Papayas liefern Früchte, und überall blühen Frangipani und Orchideen. Abends sitze ich im Garten, höre Grillen und Frösche und denke: Jeder Schweißtropfen war es wert.

Was in Deutschland oft nur ein Hobby ist, wurde für mich in Thailand zu einem Lebensgefühl. Ein eigener Garten hier bedeutet nicht nur Arbeit, sondern auch tiefes Verständnis für Klima, Natur und Kultur.


Kurz gesagt

Ein Garten in Thailand verlangt Geduld, Anpassungsfähigkeit und eine Portion Abenteuerlust. Wer glaubt, einfach deutsche Methoden übertragen zu können, wird schnell scheitern. Aber wer bereit ist, von der Natur und den Einheimischen zu lernen, wird belohnt – mit einer tropischen Oase, die man in Europa nie haben könnte.

Checkliste: Werkzeuge für Hobby-Gärtner in Thailand

Viele Werkzeuge kennt man aus Deutschland, doch in Thailand gibt es einige Spezialitäten, die wirklich hilfreich sind. Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Machete (Dab) – ersetzt Astschere, Gartenschere und Spaten in einem.
  • Hacke (Hoe) – ideal, um harten roten Boden aufzulockern.
  • Wasserkanister und Eimer – günstiger als deutsche Gießkannen, auf jedem Markt erhältlich.
  • Tropfbewässerungssystem – Schläuche, Düsen, kleine Sprinkler: spart enorm viel Zeit.
  • Handschuhe – unbedingt notwendig gegen Ameisen, Dornen und scharfe Blätter.
  • Bambusstäbe – stützen junge Pflanzen, kosten fast nichts und sind überall verfügbar.
  • Schubkarre – in Thailand meist einfacher und leichter, ideal für Erde oder Kompost.
  • Kokosnuss-Schale – wird oft zweckentfremdet, z. B. als Pflanzgefäß oder Wasserschale.

👉 Tipp: Vieles bekommt man günstig bei Ruangsangthai, HomePro, Global House oder Thai Watsadu – den großen Baumarktketten. Auf lokalen Märkten gibt es zudem handgemachte Werkzeuge, die oft langlebiger sind.

Checkliste: Materialien für den Start

Damit der Garten nicht nur grün wird, sondern auch bleibt, braucht man einige Grundmaterialien:

  • Kuh- oder Hühnerdung – günstiger organischer Dünger, meist in Säcken erhältlich.
  • Kompost – selbst angelegt oder fertig im Sack zu kaufen.
  • Kokosfasern (Cocopeat) – verbessert Wasserspeicherung im Boden.
  • Reisstroh – als Mulchschicht gegen Austrocknung und Unkraut.
  • Plastikplanen – schützen Setzlinge bei Starkregen.
  • Blumentöpfe aus gebranntem Ton – atmungsaktiver als Plastik, besonders für Orchideen geeignet.
  • Netze gegen Insekten – schützen junge Pflanzen vor Heuschrecken und Raupen.
  • Bambusgitter – selbstgebaut oder fertig, ideal als Rankhilfe.

Top 10: Pflanzen für Einsteiger in Thailand

Wer noch keine Erfahrung mit tropischen Gärten hat, sollte mit robusten Arten beginnen. Hier meine persönliche Top 10:

  1. Papaya – wächst schnell, liefert Früchte in weniger als 1 Jahr.
  2. Bananenstauden – spenden Schatten, pflegeleicht, dekorativ.
  3. Frangipani (Leelawadee) – herrlich duftende Blüten, sehr robust.
  4. Hibiskus – blüht fast ganzjährig, farbenprächtig.
  5. Bougainvillea – liebt Sonne, wächst fast von allein, knallige Farben.
  6. Orchideen – anspruchslos, wenn man sie an Bäumen befestigt statt in Erde pflanzt.
  7. Mango-Baum – braucht Geduld, wird aber zum Highlight des Gartens.
  8. Chili – unkompliziert, wächst in Töpfen und Beeten, immer nützlich in der Küche.
  9. Lemongrass – dekorativ und praktisch zum Kochen, vertreibt außerdem Mücken.
  10. Heliconien – tropische Zierpflanze mit spektakulären Blüten.

Extra-Tipp: Wo kaufen?

  • Wochenmärkte – kleine Setzlinge, Kräuter, günstige Auswahl.
  • Chatuchak Pflanzenmarkt (Bangkok) – größter Pflanzenmarkt Thailands, alles von Bonsai bis Palmen.
  • Spezialisierte Gärtnereien – vor allem für Obstbäume und seltene Pflanzen empfehlenswert.
  • Online-Shops (z. B. Lazada, Shopee) – bieten Samen, Dünger und Bewässerungssysteme, Lieferung bis vor die Haustür.

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