BANGKOK, THAILAND – Die oppositionelle People’s Party (PP) hat bei der vorgezogenen Wahl eine deutliche Niederlage erlitten und ihrem Rivalen Bhumjaithai Party damit den Weg zur neuen dominanten konservativen Kraft geebnet. Während die PP deutlich Sitze verlor, baute Bhumjaithai unter Anutin Charnvirakul seine Macht mit Hilfe früherer Entscheidungen der People’s Party massiv aus.
Absturz nach hoher Erwartung
Bei der Neuwahl am Sonntagabend rechneten führende Kandidaten der People’s Party noch mit 170 bis 200 Sitzen, doch erste Auszählungen zeichneten rasch ein anderes Bild.
Nach rund 94 Prozent ausgezählter Stimmzettel zeichnete sich am folgenden Mittag ab, dass die PP nur etwa 110 Sitze erreichen würde, während die Bhumjaithai Party auf knapp 200 Mandate zulegen konnte, nachdem sie 2023 noch bei 71 Sitzen gelegen hatte.
Vom Wahlsieger zum Verlierer
Die People’s Party, die zuvor als Move Forward Party aufgetreten war, hatte bei der Parlamentswahl 2023 noch 151 Sitze geholt und war damit stärkste Kraft geworden.
Nun verlor sie deutlich an Boden, obwohl sie in der Hauptstadt Bangkok weiterhin jede Wahlkreisstimme gewann, was den wachsenden politischen Graben zwischen Metropole und Provinz sichtbar machte.
Der Preis einer taktischen Entscheidung
Ausgangspunkt der aktuellen Machtverschiebung war eine Abstimmung im Parlament im September, bei der Natthaphong Ruengpanyawut und die People’s Party dafür stimmten, Anutin zum Regierungschef zu machen und ihm damit unverhofft politischen Rückenwind verschafften.
Anutin konnte diese Phase nutzen, um mehr als 60 Abgeordnete an die Bhumjaithai Party zu binden, Schlüsselpositionen in Behörden und Provinzverwaltungen neu zu besetzen und so den Boden für die Neuwahl strategisch vorzubereiten.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Innere Konflikte und verbrannte Brücken
Beobachter heben hervor, dass die People’s Party wiederholt Verbündete abgestoßen und frühere Unterstützer zu Gegnern gemacht habe, etwa prominente Figuren wie Chuwit Kamolvisit oder ehemalige eigene Abgeordnete.
Interne Zerwürfnisse und Personalstreitigkeiten, wie im Fall der Ex-Abgeordneten Thisana Choonhavan, verstärkten das Bild einer Partei, die politische Energie vor allem nach innen verbrauchte.
Verlorene Themen und verhärtete Lager
Im Wahlkampf fehlten der People’s Party zugespitzte Themen mit emotionaler Strahlkraft, wie zuvor die Reform des Majestätsbeleidigungsgesetzes oder der offene Widerstand gegen die Militärherrschaft.
Gleichzeitig verschärfte sich der Konflikt zwischen dem orangefarbenen Lager der People’s Party und den roten Verbündeten so stark, dass die selbsternannte pro-demokratische Bewegung zersplitterte und sich gegenseitig schwächte.
Echo-Kammer und fehlende Demut
Die Senatorin Angkhana Neelapajit kritisierte auf Facebook, hardcore-nahe Anhänger der People’s Party hätten vor der Wahl jede Kritik aggressiv abgewehrt und sich als allein legitime politische Kraft inszeniert, ohne Bereitschaft zum Zuhören.
Nach der Abstimmung, so Angkhana, hätten einige dieser Unterstützer Wählerinnen und Wähler in den Provinzen herabgewürdigt und ihnen mangelndes Verständnis für Politik vorgeworfen, obwohl viele Abgeordnete selbst kaum tief in Gesetzesprüfungen eingearbeitet seien.
Aufstieg einer neuen konservativen Macht
Die People’s Party hatte mit ihrer Unterstützung für Anutin im September letztlich selbst jene politische Figur gestärkt, die nun als großer Profiteur ihrer Fehleinschätzung dasteht.
Unter Anutin wandelte sich die Bhumjaithai Party von einer mittelgroßen Provinzpartei zu einer neuen, klar royalistisch und militärnah ausgerichteten konservativen Hauptkraft, deren weiterer Kurs die politische Landschaft prägen dürfte.
📊 Prognosen daneben – haben sich die Wähler neu orientiert?
Noch kurz vor der Auszählung rechnete die People’s Party mit einem großen Sieg. Stattdessen deutet alles auf deutliche Verluste hin. Das Ergebnis könnte zeigen, dass sich politische Stimmungen schneller drehen als erwartet.
War das ein Denkzettel der Wähler – oder das Ergebnis einer stärkeren Konkurrenz?
Schreib deine Meinung in die Kommentare.



Die Retourkutsche dass Sie im August 2025 ihre Philosophie verraten haben