BANGKOK, THAILAND – Schwere Vorwürfe wegen Pannen bei der Vorwahl, juristische Drohkulissen und ein Strafvorstoß gegen 28 Kandidaten haben den Konflikt zwischen der Wahlkommission und den großen Parteien vor der Parlamentswahl 2026 deutlich verschärft. Führende Vertreter der Pheu-Thai-Partei warnen vor der Möglichkeit einer späteren Wahlannullierung und verweisen auf frühere Urteile, während die Kommission beteuert, dass keine Partei benachteiligt werde.
Kritik der Pheu-Thai-Spitze an der Wahlorganisation
Der erfahrene Pheu-Thai-Politiker Julapun Amornvivat und der stellvertretende Parteichef Chusak Sirinil haben am 3. Februar öffentlich scharfe Kritik an der Organisation der Vorwahl vom 1. Februar geäußert.
Sie sehen in den aufgetretenen Problemen keine Einzelfehler, sondern „systemische Schwächen“ im Wahlmanagement, die nach ihrer Darstellung mehrere Parteien gleichzeitig getroffen hätten.
Konkrete Pannen bei der Vorwahl
Nach Angaben von Julapun kam es bei der vorgezogenen Stimmabgabe außerhalb der Wahlkreise zu Fehlern wie falsch zugeordneten Kandidatennummern, fehlenden Stimmzetteln und nicht angebrachten Kandidatenplakaten.
Er warnte, dass solche Versäumnisse dazu führen könnten, dass Wähler ihre Stimme faktisch verlieren, und sprach von „schweren Folgen für die gesamte Gesellschaft“.
Warnung vor Wahlanfechtung und strafrechtlicher Prüfung
Chusak hob die möglichen rechtlichen Konsequenzen hervor und verwies auf vergangene Wahlen, die wegen Verfahrensmängeln von Gerichten aufgehoben worden waren.
Er hielt es für möglich, dass die festgestellten Mängel später als Grundlage für Wahlanfechtungen dienen könnten, und brachte eine Untersuchungskommission ins Gespräch, um zu klären, ob bloße Nachlässigkeit oder Vorsatz vorliege.
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Reaktion der Wahlkommission auf die Vorwürfe
Die Wahlkommission räumte am Dienstag zwar Probleme bei der Vorwahl ein, betonte aber, dass keine Partei dauerhaft benachteiligt werde und bereits Korrekturmaßnahmen angelaufen seien.
Zugleich würdigte sie den Einsatz der unter hohem Druck stehenden Wahlhelfer und erklärte, sie werde die restlichen Phasen des Wahlprozesses sorgfältig begleiten.
Vorgehen gegen 28 Kandidaten vor dem Obersten Gericht
Am Nachmittag desselben Tages verschärfte die Kommission die Lage mit der Ankündigung, den Obersten Gerichtshof wegen 28 Parlamentskandidaten anzurufen, die bei der letzten Wahl nicht gewählt oder ihre Abwesenheit nicht gemeldet haben sollen.
Nach Darstellung der Behörde unterliegen diese Bewerber deshalb rechtlichen Einschränkungen ihrer politischen Rechte nach dem Organischen Gesetz über die MP-Wahlen 2018, sodass nun die gerichtliche Klärung der Wählbarkeit gesucht werde.
Unklare Identitäten, klare Rechtsfolgen
Die Namen der 28 Kandidaten wurden bislang nicht veröffentlicht, die EC Office-Verwaltung arbeitet nach eigenen Angaben an den entsprechenden Eingaben für den Obersten Gerichtshof.
Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung bleiben die Kandidaten auf den Stimmzetteln, im Fall eines Wahlsieges wäre jedoch keine Mandatsbestätigung möglich und eine Neuwahl im betroffenen Wahlkreis vorgesehen.
Mögliche Strafen für Kandidaten und Parteiführungen
Die Kommission verwies zusätzlich auf mögliche Strafbarkeit der Bewerber nach Section 151 des Organischen Wahlgesetzes, falls sie sich in Kenntnis ihrer mangelnden Wählbarkeit registriert haben sollten.
Vorgesehen sind Haftstrafen von einem bis zu zehn Jahren, Geldstrafen zwischen 20.000 und 200.000 Baht sowie ein Entzug der politischen Rechte von bis zu 20 Jahren im Falle einer Verurteilung.
Haftung von Parteichefs und verschärftes politisches Klima
Parallel machte die Kommission deutlich, dass auch Parteivorsitzende und Verantwortliche, die entsprechende Kandidaturen unterzeichnet haben, nach Section 56 des Political Parties Act 2017 ins Visier der Justiz geraten könnten.
Dort sind Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren, Geldstrafen bis 100.000 Baht und ein Entzug der Wahlrechte für fünf Jahre vorgesehen, was die politische Führungsebene zusätzlich unter Druck setzt.
Vorwürfe des Stimmenkaufs und auffällige Bargeldabhebungen
In einem weiteren Schritt prangerte Julapun die nach seiner Einschätzung weiterhin ernste Lage beim Stimmenkauf an und forderte die Wahlkommission zu deutlich schärferen Kontrollen auf.
Er verwies dabei auf Berichte der Zentralbank, wonach kleinere Banken Bargeldabhebungen in der Größenordnung von 200 bis 300 Millionen Baht verzeichnet hätten, und verlangte transparente Aufklärung, ohne eine bestimmte Partei direkt zu beschuldigen.
Erosion des Vertrauens und rechtlich vermintes Umfeld
Beide Pheu-Thai-Politiker betonten, dass die Verantwortung letztlich bei den Institutionen liege und spekulative Vorverurteilungen die Glaubwürdigkeit des gesamten Systems weiter beschädigen würden.
Zugleich verweisen Beobachter darauf, dass das Zusammenspiel von Organischem Wahlgesetz 2018 und der Verfassung von 2017 zunehmend zu juristischen Konfliktlinien führt, während politische Spannungen und Misstrauen im Vorfeld der Wahl sichtbar zunehmen.
⚠️ Wenn Vertrauen in Wahlen wankt
Fehler bei einer Wahl sind mehr als nur organisatorische Probleme – sie treffen den Kern jeder Demokratie. Sobald Parteien öffentlich über eine mögliche Annullierung sprechen, entsteht ein gefährlicher Eindruck: Dass das Ergebnis am Ende nicht nur an der Wahlurne entschieden wird.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt. Kurz vor der Abstimmung können Zweifel schnell in Misstrauen umschlagen – bei Parteien ebenso wie bei Wählern. Genau dieses Vertrauen ist jedoch entscheidend für politische Stabilität.
👉 Wird hier nur politischer Druck aufgebaut – oder zeigen die Pannen tatsächlich ein strukturelles Problem im Wahlsystem?


