BANGKOK, THAILAND – Wenige Tage vor der Parlamentswahl am 8. Februar zeichnet sich ein Dreikampf ab: Bhumjaithai, People’s Party und eine wiedererstarkte Pheu Thai mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Dr. Yotsanan Wongsawat kämpfen um die Gunst der Wähler.
Drei Parteien im Kampf um die Parlamentsmehrheit
Die Schlussphase des Wahlkampfs zeigt ein enges Rennen zwischen der Bhumjaithai Party, der People’s Party und Pheu Thai. Während die People’s Party in landesweiten Umfragen führt, verfügt Bhumjaithai über eine starke lokale Verankerung in den Regionen.
Gleichzeitig hat sich Pheu Thai nach einer schweren Krise im vergangenen Jahr zurückgemeldet und wird wieder als entscheidender Faktor für die Regierungsbildung gehandelt. Die Wahl gilt als offen, da ein hoher Anteil der Wähler noch unentschieden ist.
Wahlkommission untersucht Vorwürfe zu Stimmenkauf
Im Wahlkampf sind Vorwürfe über möglichen Stimmenkauf laut geworden. Die Wahlkommission bestätigte, dass Ermittlungen zu ungewöhnlich hohen Finanzbewegungen laufen, insbesondere zu Bargeldabhebungen in größerem Umfang.
Bereits zuvor hatte Notenbank-Gouverneur Vitai Ratanakorn auf auffällige Transaktionen hingewiesen. Die Wahlkommission arbeitet mit weiteren Behörden zusammen, um den Verdachtsfällen nachzugehen. Konkrete Ergebnisse der Ermittlungen liegen noch nicht vor.
People’s Party führt in nationalen Umfragen deutlich
Parteichef Nattapong Ruangpanyawut nutzte die gute Umfragelage für Warnungen vor einer möglichen Regierung unter fragwürdigem Einfluss. Konkrete Vorwürfe nannte er jedoch nicht.
Aktuelle Umfragen sehen die People’s Party bei der Parteiliste zwischen 32 und 34 Prozent, gefolgt von Pheu Thai mit 16 bis 22 Prozent und Bhumjaithai mit 16 bis 17 Prozent. Die Schwankungsbreite zwischen verschiedenen Erhebungen ist allerdings beträchtlich.
Bhumjaithai setzt auf starke regionale Verwurzelung
Trotz der schwächeren Werte in landesweiten Umfragen verfügt Bhumjaithai über eine gut organisierte Basis in einzelnen Wahlkreisen. Experten verweisen darauf, dass die Partei durch ihre lokale Verankerung Verluste bei der Parteiliste ausgleichen könnte.
Die Wahlkreisorganisation der Partei gilt als eine der stärksten im Land. In einigen Regionen wird mit stabilen Direktmandaten gerechnet, was die Gesamtsituation trotz schwächerer Umfragewerte offenhält.
Pheu Thai erlebte schwere Krise im August 2025
Am 29. August 2025 hatte das Verfassungsgericht Premierministerin Paetongtarn Shinawatra nach einem Verfahren des Amtes enthoben. Der Vorwurf bezog sich auf ein unangemessenes Gespräch mit Hun Sen, das durch einen Leak-Mitschnitt öffentlich geworden war.
Elf Tage später, am 9. September, verurteilte ein Gericht Thaksin Shinawatra zu einem Jahr Gefängnis. Viele Beobachter sahen die Partei damals vor dem politischen Aus und rechneten mit einem deutlichen Absturz bei der Wahl.
Dr. Yotsanan Wongsawat als neuer Hoffnungsträger
Mit der Nominierung von Dr. Yotsanan Wongsawat als Spitzenkandidaten für das Amt des Premierministers gelang Pheu Thai die Wende. Der 46-jährige Biomedizintechniker hat bisher kein Mandat im Parlament, bringt aber eine Laufbahn in Wissenschaft, Innovation und angewandter Forschung mit.
Politisch prägend sind seine familiären Wurzeln: Er ist Neffe von Ex-Premier Thaksin Shinawatra und Sohn des früheren Regierungschefs Somchai Wongsawat. Innerhalb der Partei wird er als moderner, technikaffiner Gegenentwurf zu traditionellen Politikern dargestellt.
Yotsanan holt in Beliebtheitswerten auf
In aktuellen Umfragen zur präferierten Person als Premierminister liegt Nattapong Ruangpanyawut von der People’s Party mit 32 bis 34 Prozent deutlich vorn. Dr. Yotsanan erreicht zwischen 17 und 22 Prozent und liegt damit vor Amtsinhaber Anutin Charnvirakul von Bhumjaithai mit 15 bis 16 Prozent.
Innerhalb der traditionellen Pheu-Thai-Basis wird Dr. Yotsanan häufig mit Thaksin verglichen. Viele Anhänger bescheinigen ihm den sogenannten Thaksin-Touch und sehen in ihm einen möglichen neuen politischen Fixpunkt der Bewegung.
Wirtschaftsprogramm zielt auf Legalisierung grauer Geschäfte
Parallel zur Personaloffensive präsentierte Pheu Thai ein zentrales Wirtschaftsprogramm: die Initiative „9 Millionaires a Day“. Nach Angaben der Partei soll sie Grauzonen-Geschäfte in die regulierte Wirtschaft überführen und so die Steuerbasis verbreitern.
Die Partei beziffert die jährlichen Kosten auf 3,285 Milliarden Baht und stellt dem eine erwartete zusätzliche Steuerbasis von über 100 Milliarden Baht gegenüber. Grundlage sind interne Modellrechnungen, unabhängige Bewertungen liegen nicht vor.
Yotsanan verteidigt Programm in TV-Interview
Am 27. Januar erläuterte Dr. Yotsanan die Pläne in der Sendung „Workers‘ News Talk Off-Screen“ des Moderators Sorayuth Suthasanajinda. Es handle sich nicht um ein Geschenkprogramm, sondern um einen Mechanismus zur Einnahmenerzielung, betonte er.
Die Initiative solle gezielt die Steuerbasis verbreitern und werde jährlich evaluiert. Das Programm ist Teil einer wirtschaftspolitischen Offensive, mit der sich Pheu Thai von den Konkurrenten absetzen will.
Pheu Thai rechnet mit 150 bis 200 Sitzen
Im selben Interview bestätigte Yotsanan, dass Pheu Thai eigene Umfragen nutzt, um Kommunikation und Strategie zu steuern. Methodendetails nannte er nicht. Bei möglichen Sitzgewinnen sprach er von rund 150 Abgeordneten als realistischem Szenario.
Der mögliche Korridor liege zwischen 150 und 200 Sitzen. Er verwies auf die hohe Wahlbeteiligung während seiner Kampagnenreisen und auf den großen Anteil unentschlossener Wähler, der das Ergebnis noch beeinflussen könnte.
Koalitionsbildung bleibt offen
Auf die Frage nach einer Koalitionspräferenz erklärte Yotsanan, die Entscheidung hänge vom Zeitpunkt und der politischen Übereinstimmung ab. Grundsätzlich schloss er eine Zusammenarbeit mit keiner Partei aus.
Für eine Regierungsbildung sind rund 250 Abgeordnete nötig. Welche Konstellation sich nach dem 8. Februar formieren wird, hängt maßgeblich vom Abschneiden der drei großen Parteien ab.
Wähler legen Wert auf Programme statt Parteitreue
Aktuelle Erhebungen zeigen, dass über 71 Prozent der Wähler vor allem auf Inhalte und Programme achten. Parteibindung und Personenfragen rangieren dahinter, was auf einen möglichen Wandel im Wahlverhalten hindeutet.
Die Zahl der noch Unentschlossenen bleibt hoch. Das erschwert Prognosen zur endgültigen Sitzverteilung und lässt verschiedene Koalitionsszenarien weiterhin möglich erscheinen.
Unterstützer heben wissenschaftlichen Hintergrund hervor
Der frühere Generalsekretär des Premierministers, Prommin Lertsuridej, bezeichnete Yotsanan öffentlich als hochausgebildet und einen möglichen Game-Changer mit Stärken in Wissenschaft und Technologie. Auch Pheu-Thai-Parteilistenkandidat Umesh Pandey verwies auf dessen akademische Projekte.
Besonders hervorgehoben werden Yotsanans Rolle in Innovationsprojekten und Initiativen für Menschen mit Behinderungen sowie seine Leitungsfunktion in einer universitären Innovationsabteilung. Diese Vita soll ihn als modernen Politiker positionieren.
Wahlkampf läuft trotz laufender Ermittlungen weiter
Während die Ermittlungen der Wahlkommission zu mutmaßlichem Stimmenkauf weiterlaufen, setzen alle Parteien ihren Wahlkampf ohne Unterbrechung fort. Es gibt Abschlusskundgebungen, Regionalbesuche und intensive Medienarbeit.
Die Wahlkampfauftritte der großen Parteien liefen in den vergangenen Wochen planmäßig ab. Keine Partei hat ihre Aktivitäten aufgrund der Ermittlungen eingeschränkt.
Umfragen deuten auf neue Wählerstruktur hin
Die Erhebungen zeigen eine veränderte Prioritätensetzung bei den Wählern: Politikinhalte sind zum Hauptkriterium geworden, die Bedeutung klassischer Parteitreue nimmt ab. Spitzenkandidaten spielen zwar eine Rolle, sind aber zweitrangig gegenüber den Programmen.
Diese Verschiebung könnte etablierte Wahlmuster aufbrechen und kleineren Parteien mit klaren Programmen Chancen eröffnen. Gleichzeitig erhöht sie die Unsicherheit bei Prognosen.
Pheu Thais Abschneiden wird zur Schlüsselfrage
Im Zentrum der meisten Koalitionsszenarien steht die Frage, wie stark Pheu Thai am 8. Februar abschneiden wird. Von ihrem Ergebnis hängt maßgeblich ab, welche Koalition sich formieren kann und ob die Partei nach der Krise vom August 2025 tatsächlich zurück ist.
Ebenso offen ist, ob Dr. Yotsanan Wongsawat als neuer politischer Fixpunkt etabliert wird oder ob er in Erinnerung bleibt als Kandidat, der mit dem Thaksin-Touch punkten konnte, aber nicht durchsetzte. Die Antwort gibt es am Wahlabend.
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Milliarden-Vorwürfe, angeblicher Stimmenkauf und ein politischer Endspurt mit offenem Ausgang. Gleichzeitig hoffen viele Wähler auf echten Wandel und neue Führung.
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Endlich einmal andere leute in die Regierung nicht immer die thaksin wähler