BANGKOK, THAILAND – Die US-Handelsbehörde USTR führt Thailand auch für 2025 weiter auf der Watch List des Special-301-Verfahrens und mahnt umfassende Nachbesserungen beim Schutz geistigen Eigentums an. Die Regierung in Bangkok verweist auf einen neuen IP-Aktionsplan und einen Entwicklungsplan bis 2027, um von der Liste gestrichen zu werden.
USA lassen Thailand auf der Watch List
Quellen aus dem Government House erklärten, das Kabinett habe die Bedenken und Empfehlungen des United States Trade Representative (USTR) offiziell zur Kenntnis genommen.
Auslöser ist ein Bericht des Handelsministeriums zum Status des Schutzes geistigen Eigentums nach Abschnitt 301 (Special 301) des US-Handelsgesetzes für das Jahr 2025, in dem Thailand auf der Watch List verbleibt.
Kritik an Durchsetzung und Online-Piraterie
Der USTR bemängelte, dass weiterhin zahlreiche marken- und urheberrechtsverletzende Waren auf dem Markt seien, insbesondere über Online-Kanäle.
Rechteinhaber äußerten laut Bericht Sorge, dass Strafverfolgungsbehörden sich vor allem auf Kleinhändler konzentrieren, während große Hersteller und Distributoren weit weniger ins Visier geraten.
Forderung nach härteren Maßnahmen und Gesetzesreformen
Die USA drängen Thailand, die Strafverfolgung gegen Hersteller von Plagiaten zu verschärfen und wirksamer zu gestalten, damit Maßnahmen eine abschreckende Wirkung entfalten.
Zwar berichten einige Rechteinhaber von Erfolgen mit den seit 2021 bestehenden Notification-Maßnahmen unter dem Memorandum of Understanding zum Schutz geistigen Eigentums im Internet, andere sehen angesichts weiter steigender Online-Verstöße jedoch nur begrenzte Wirkung.
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Langwierige Verfahren und geringe Strafen
Nach US-Einschätzung reichen die bisherigen Präventions- und Repressionsmaßnahmen gegen Online-Piraterie über Geräte und Apps zum unerlaubten Download urheberrechtlich geschützter Inhalte nicht aus.
Strafverfahren gegen Online-Urheberrechtsverletzer ziehen sich demnach in die Länge, und selbst bei Verurteilungen fallen die Strafen nach Ansicht des USTR zu niedrig aus, um künftige Taten wirksam zu verhindern.
Problemfelder Software, Patente und Geografische Angaben
Die Nutzung unlizensierter Software im privaten Sektor bleibe ein Problem, Zivilverfahren im IP-Bereich gälten als zeitaufwendig, und zugesprochene Schadensersatzsummen würden von Rechteinhabern als zu gering bewertet.
Die USA fordern Thailand zudem auf, den Rückstand bei Patentanmeldungen, insbesondere im Pharmabereich, abzubauen und die Novelle des Geographical Indications Protection Act 2003 so auszugestalten, dass der Schutz geografischer Angaben transparent ist und die Nutzung allgemeiner Bezeichnungen nicht unzulässig einschränkt.
Druck auf Urheberrechts- und Filmgesetzgebung
Beim Urheberrecht regt der USTR an, die Copyright Act-Novelle zu beschleunigen und den WIPO Performances and Phonograms Treaty (WPPT) zügig zu ratifizieren.
Zusätzlich empfehlen die USA weitere Anpassungen, um etwa Hürden bei Festnahmen wegen illegalen Camcordings in Kinos, unberechtigte Geltendmachung von Vergütungsansprüchen sowie zu weitreichende Ausnahmen bei Verboten der Umgehung Technologischer Schutzmaßnahmen (TPM) zu beseitigen.
Testdaten, Filmquoten und neuer Film Act
Die USA regen an, ein wirksames System zu schaffen, das die unfaire kommerzielle Nutzung und unautorisierte Offenlegung von für die Zulassung eingereichten Prüf- und Testdaten im Pharma- und Agrarchemiebereich verhindert.
Gleichzeitig äußert der USTR Sorge über den Motion Pictures and Video Act 2008, der Quoten zwischen thailändischen und ausländischen Filmen erlaubt, und unterstützt daher die zügige Umsetzung des im September 2024 veröffentlichten neuen Film Act, der diese Quotenvorgaben streicht.
Regierung setzt auf IP Work Plan und Entwicklungsplan
Das Handelsministerium betonte, dass trotz des Verbleibs auf der Watch List nun ein gemeinsamer IP Work Plan mit den USA vorliege, der als zentrale Richtschnur für Maßnahmen zur Streichung von der Liste diene.
Das Kabinett hatte am 27. Mai 2025 einen Beschluss gefasst, der den IP Work Plan billigt und die zuständigen Behörden anweist, entsprechend zu handeln.
Umsetzung bis 2027 soll Fortschritte bringen
Der Nationale Ausschuss für die Politik zum geistigen Eigentum hat darüber hinaus den Intellectual Property Development Plan 2026–2027 verabschiedet, der konkrete Schritte der beteiligten Behörden festlegt.
Die Abteilung für geistiges Eigentum im Handelsministerium hat diesen Entwicklungsplan bereits an die relevanten Stellen weitergeleitet und dem Kabinett zugesichert, Fortschritte bei der Umsetzung des IP Work Plan systematisch zu verfolgen und zu berichten.
Piraterie kostet Vertrauen – und Milliarden
Produktfälschungen und Raubkopien wirken auf den ersten Blick wie ein Randproblem. Tatsächlich entscheiden sie jedoch darüber, ob internationale Unternehmen investieren oder Abstand halten. Wo geistiges Eigentum nicht geschützt ist, leidet langfristig die gesamte Wirtschaft.
Besonders kritisch ist der boomende Onlinehandel. Während Behörden gegen kleine Händler vorgehen, bleiben große Netzwerke offenbar schwer greifbar. Genau hier wird sich zeigen, ob neue Aktionspläne mehr sind als politische Symbolik.
Was denkst du – braucht es härtere Strafen oder bessere digitale Kontrolle? Schreib deine Meinung in die Kommentare.


