Wirtschaft Tsunami trifft Thailand schlimmer als COVID

⛽ Nach Songkran soll erst der echte Preisschock kommen: Schon +1 Baht beim Sprit drückt das BIP und treibt die Inflation hoch – Wie hart trifft’s dich?

Wirtschaft Tsunami trifft Thailand schlimmer als COVID
ThaiRath

Bangkok, Thailand – Die frühere Ministerin und Politikerin Sudarat Keyuraphan warnt vor einem „echten wirtschaftlichen Tsunami“, der Thailand härter treffen könne als die Covid-19-Krise oder die Asienkrise („Tom-Yum-Kung“) von 1997. Sie fordert die Regierung auf, sich auf ein Worst-Case-Szenario vorzubereiten und kurzfristige wie langfristige Maßnahmen transparent zu kommunizieren.

Sudarat schlägt Alarm: „Schlimmer als Covid und 1997“

In einem Facebook-Post vom 10. April 2026 schreibt Khunying Sudarat Keyuraphan, ein globaler Schock stehe bevor und Thailand müsse sich auf eine große weltweite Krise vorbereiten.

Aus ihrer Sicht werde die kommende Krise deutlich schwerer als frühere Einschnitte und könne bei schlechter Vorbereitung Wirtschaft und Unternehmen „dem Erdboden gleichmachen“.

Ein „zäher, widersprüchlicher und zerstörerischer“ Krieg als Auslöser

Sudarat beschreibt den Konflikt als „langwierig“, selbst wenn es zeitweise Waffenruhen gebe, um Gespräche zu ermöglichen.

Sie verweist dabei auf fragile Verhandlungen in Islamabad (Pakistan) und sieht zudem ein anhaltendes Risiko von Vergeltungsterror als Folge der Eskalation.

„Widersprüchlich“: Regeln gelten nicht mehr wie gewohnt

Mit „widersprüchlich“ meint sie, dass der Krieg aus ihrer Sicht internationale Regeln und bisherige Leitplanken „zerrissen“ habe.

Dadurch werde die Lage schwer vorhersehbar, was Unsicherheit für Märkte, Lieferketten und Investitionen zusätzlich verstärke.

„Zerstörerisch“: Energie-Infrastruktur beschädigt – lange Reparaturzeiten

Besonders gravierend sei laut Sudarat die Zerstörung von Energie-Strukturen, die teils 3 bis 5 Jahre Reparaturzeit erfordern könnten.

Auch wenn Thailand weit vom Kriegsschauplatz entfernt sei, werde das Land die Folgen über Energiepreise, Verfügbarkeit und globale Konjunktur „schwer“ zu spüren bekommen.

Erste Welle: Energiepreise – „teuer im ganzen Land“

Als erste Tsunami-Welle nennt sie eine Preis-Krise bei Öl und Gas, die Thailand stark treffe, weil das Land mehr Energie aus dem Persischen Golf importiere als einige Nachbarn.

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Sie warnt, die aktuell hohen Preise seien noch nicht das „echte“ Ausmaß; nach Songkran oder innerhalb des nächsten Monats könne es deutlich schlimmer werden.

Zahlen aus dem Post: Ölpreis-Effekt auf Wachstum und Inflation

Sudarat nennt konkrete Effekte: Steigt der Ölpreis um 1 Baht, könne das Thailands BIP um 0,04% drücken und die Inflation um 0,32% erhöhen.

Damit würden steigende Energiekosten nicht nur Haushalte belasten, sondern auch die gesamtwirtschaftliche Dynamik bremsen.

Zweite Welle: Knappheit bei Energie, Dünger und Petrochemie-Produkten

Als zweite Welle beschreibt sie eine mögliche Knappheit von Energie und petrochemischen Produkten, selbst bei einer Waffenruhe, weil Infrastruktur stark beschädigt sei.

Sie warnt zudem vor Düngemittelknappheit mit Folgen für Ernährungssicherheit und Bauerneinkommen sowie vor Engpässen bei Vorprodukten wie Kunststoffgranulat – bis hin zu Risiken bei Medikamenten.

Forderung an die Regierung: Worst-Case planen und offen kommunizieren

Die Lage sei so groß, dass die Regierung nicht leichtfertig handeln dürfe und ausdrücklich vom Worst-Case-Szenario ausgehen müsse.

Sie verlangt kurz-, mittel- und langfristige Pläne und eine klare Information der Bevölkerung, damit das Land die Krise „gemeinsam“ bewältigen könne.

Kurzfristig: Energiepreis-Struktur reformieren und gezielt helfen

Die angekündigte Reform der Energiepreis-Struktur unterstützt sie, fordert aber eine konsequente Umsetzung, da die Ära billiger Energie vorbei sein könnte.

Gezielte Hilfen („targeted“) seien sinnvoll, müssten aber flächendeckend, schnell und ausreichend sein, um Betroffene tatsächlich über Wasser zu halten.

Krisenmodus im Staat: Sparen, um Menschen und kleine Betriebe zu stützen

Als zentralen Punkt nennt sie Krisenverwaltung über den Haushalt: Der Staat müsse „extrem“ sparen und nicht dringende Ausgaben aller Ministerien streichen.

Sie nennt als Beispiel große Bauprojekte und Straßenbudgets, die in diesem Jahr mit fast 200 Milliarden Baht angesetzt seien, und fordert, Mittel stattdessen für Bürger, Bauern und KMU (SMEs) einzusetzen.

Temporäre Steuersenkung auf Kraftstoffe als Preisdämpfer

Zusätzlich schlägt sie vor, die Verbrauchsteuer auf Öl vorübergehend auszusetzen, um die Spritpreise zu senken.

Als Beispiele für ähnliche Maßnahmen nennt sie Japan, Südkorea, Australien, Indien und Vietnam.

Mittel- und langfristig: Große Energie-Wende und weniger Fossil-Abhängigkeit

Für die mittlere und lange Frist fordert Sudarat eine grundlegende Umstrukturierung des Energiesystems, um die Abhängigkeit von fossilen Energien so weit wie möglich zu reduzieren.

Haushalte, Landwirte und KMU sollten leichter und günstiger Zugang zu Solaranlagen erhalten und Strom an den Staat zurückverkaufen können.

Transport umbauen: Mehr Schiene und Wasser, mehr E-Mobilität

Sie plädiert dafür, Transporte stärker auf Bahn und Wasserwege zu verlagern, um Energieeffizienz und Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Zudem solle der Umstieg von Nutzfahrzeugen und Bussen auf E-Fahrzeuge (EV) mit Zuschüssen unterstützt und die EV-Produktion in Thailand ausgebaut werden.

„Die ruhige Welt ist vorbei“: Sicherheit wird zum Schlüsselfaktor

Sudarat schreibt, die Phase globaler Ruhe sei beendet; die Welt werde von Volatilität und Unsicherheit geprägt sein.

Entscheidend werde „Sicherheit“ in vielen Dimensionen: Schutz, Energie, Nahrung, Umwelt und Technologie – wer die Lage verstehe und schnell handle, könne überleben und Chancen nutzen.

Deine Meinung

Wie realistisch ist aus deiner Sicht das Szenario eines „wirtschaftlichen Tsunamis“ für Thailand – und welche Bereiche (Energie, Lebensmittel, Jobs, Gesundheit) wären am stärksten betroffen?

Sollte die Regierung eher kurzfristig über Steuersenkungen und Hilfen reagieren oder den Fokus stärker auf strukturelle Reformen wie Solar, Schiene und EV legen? Diskutiere in den Kommentaren.

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Quelle: Thairath

3 Kommentare zu „Wirtschaft Tsunami trifft Thailand schlimmer als COVID

  1. Die Frau hat es meines Erachtens völlig richtig erfasst und die Risiken und Herausforderungen umfassend dargestellt. Der Weg wird kein leichter sein…. 🤔

  2. Steuersenkungen oder Subventionen sind vielleicht kurzfristig eine Hilfe, müssen aber auch irgendwie bezahlbar sein. Solarenergie sollte für Thailand bei den Voraussetzungen eigentlich schon lange ein Thema sein, nicht erst jetzt, wenn eine Krise eintritt. Und EV ist ja weltweit am kommen, da zieht Thailand recht gut mit, finde ich.
    Ansonsten hat die Dame die Realität und auch die Zukunft recht gut erfasst, allerdings wird es, wie so oft, lange dauern bis diese „Anregungen“ mal umgesetzt werden…wenn überhaupt.

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