Zwischen Mehlsack, Mittelmeer und Comeback – meine ungewöhnliche Bäckerkarriere
Ich habe die meiste Zeit meines Lebens nach einer einfachen Lebensweisheit gelebt: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Vielleicht war genau das mein größter Vorteil. Ich habe zwei Berufe gelernt – Bäcker und Konditor – und diese Kombination hat mir Türen geöffnet, von Kreuzfahrtschiffen über Hotels bis ins Airline-Catering.
Später baute ich in internationalen Schulen komplette Bäckereien auf, schulte Personal und entwickelte Produktionsabläufe. Parallel dazu lief unsere eigene Firma gut: sechs Schulen als Kunden, sieben Irish Pubs, dazu Gespräche mit Supermärkten. Es war Wachstum geplant, die Expansion vorbereitet – eigentlich lief alles nach Plan.
Dann kam ein Angebot aus einem regionalen Airline-Catering. Erst vier Monate als Berater, danach ein Zweijahresvertrag als Corporate Bakery & Pastry Chef. Eine spannende Aufgabe, die auch gut funktionierte – bis der erfahrene thailändische Catering-Manager in Pension ging. Sein Nachfolger sollte ein arabischer Koch werden, den ausgerechnet ich einarbeiten sollte, damit er mein Vorgesetzter werden konnte. Für mich war das der Moment, die Reißleine zu ziehen. Ich kündigte mit sechs Monaten Frist – im November.
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt ein stabiles Geschäft und einen klaren Expansionsplan. Anfang März 2020 kamen meine Frau und ich nach einem Skiurlaub voller Energie in Bangkok an. Am Flughafen wurde bereits Fieber gemessen, es kursierten Gerüchte über ein Virus aus China. Wenige Wochen später war klar, was das bedeutete.
Montag produzierten wir noch 30.000 Mahlzeiten.
Am nächsten Tag waren es 800.
Kurz darauf war alles dicht: Airline-Catering, Schulen, Irish Pubs.
Alle Körbe gleichzeitig leer.
Statt abzuwarten, griff ich zum Telefon und rief einen Freund in der Schweiz an. Seine Antwort: „Auf dem Schiff brauchen wir immer Leute wie dich.“ Also Impfungen, Gesundheitsnachweise, Quarantäne – und dann ging es für die TUI Group in den hohen Norden.
Ich arbeitete auf drei Schiffen, sprang zweimal als Chefkonditor ein und war im Mittelmeer, in Nordeuropa und später in der Karibik unterwegs. Ich hatte ein motiviertes Team, arbeitete mit Begeisterung und fühlte mich tatsächlich wieder wie 30.

Kaum zurück in Bangkok, wartete schon das nächste Angebot: Princess Cruises. Nach ein paar Wochen mit meiner Familie flog ich über Tokio nach Anchorage. Alaska wiederzusehen war ein besonderer Moment.
Auf dem Schiff leitete ich ein 20-köpfiges Team und produzierte für rund 1.500 Gäste – Brot, Gebäck, Croissants, Kuchen und elegante Desserts. Sieben Tage die Woche, 13 Stunden täglich. Anstrengend, aber großartig. Unsere Bewertungen gehörten fast auf jeder Reise zu den besten der Flotte.


Die Route führte nach 2 Monaten Alaska von Los Angeles über Tahiti, Haiti und Bora Bora nach Sydney. Ein Highlight war das Mittagessen mit meiner Tante auf Deck 14 – mit Blick auf das Sydney Opera House. Danach ging es wöchentlich nach Neuseeland, immer ein anderer Hafen. Rückflug von Auckland nach Bangkok – nach anderthalb Jahren einmal um den halben Globus.
Zurück in Thailand lief unsere Firma langsam wieder an. Zwar bremsten Alkoholverbote zeitweise die Pub-Bestellungen, doch seit 2022 geht es deutlich bergauf. Drei gute Jahre liegen hinter uns, die Zukunft sieht rosig aus.
Mein persönliches Geheimnis ist simpel: Ich stehe immer einmal öfter auf, als ich hinfalle. Und ich sorge dafür, dass ich mehr als nur einen Korb habe.
Denn am Ende ist Alter wirklich nur eine Zahl – aber Leidenschaft ein Handwerk.

