BANGKOK, THAILAND – Drei chinesische Staatsbürger sind in Bangkok und Chiang Mai wegen eines mutmaßlichen Anlagebetrugs in Milliardenhöhe festgenommen worden. Nach Erkenntnissen der Ermittler sollen sie rund 10.000 Anleger um etwa 7 Milliarden Baht geschädigt haben.
Festnahmen in Bangkok und Chiang Mai
Beamte der Economic Crime Suppression Division und der Immigration in Chiang Mai nahmen die Verdächtigen am Freitag fest. Die Männer im Alter von 41, 46 und 46 Jahren – identifiziert als Yang, Wang und Li – wurden in einem Condominium im Bangkoker Bezirk Huai Khwang sowie in einem Haus im Bezirk Hang Dong in Chiang Mai aufgespürt.
Ihre vollständigen Namen gaben die Behörden nicht bekannt. Gegen alle drei lagen Haftbefehle des chinesischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit vor. Die chinesischen Pässe der Männer waren bereits widerrufen worden.
Versprochene Traumrenditen über Investment-App
Nach Angaben der Ermittler hatten die Verdächtigen in China die Firma Jihui (Hainan) Enterprise Management Consulting Co gegründet. Über dieses Unternehmen sollen sie ohne behördliche Genehmigung Geld von der Öffentlichkeit eingeworben haben.
Sie versprachen angebliche Top-Renditen durch Investitionen in Aktien von Unternehmen, die innerhalb von drei bis fünf Jahren an die Börse gehen sollten. Zur Untermauerung dieser Versprechen entwickelten sie die Investment-App „Jihui Jinfu“, über die Anleger jährlich mindestens 12 % Rendite erhalten sollten.
Geld floss nicht an die Börse
Die Ermittlungen ergaben, dass mehr als 8.000 Investoren auf das Modell hereinfallen und zusammen etwa 1,6 Milliarden Yuan – umgerechnet rund 7 Milliarden Baht – einzahlten. Die Täter hätten ein Bild maximaler Seriosität aufgebaut, so die Polizei.
Anlegern sei erklärt worden, das Geld fließe in Pre-IPO-Aktien aussichtsreicher Firmen, deren Kurse nach dem Börsengang stark steigen würden. „Es wurde der Eindruck erweckt, dass sich die Investitionen nach dem Börsendebüt vervielfachen“, fassten Ermittler den Modus Operandi zusammen.
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Nie investiert!
Tatsächlich seien die über die App transferierten Gelder jedoch nie investiert worden. Stattdessen habe die Finanzabteilung des Unternehmens gemeinsam mit den drei mutmaßlichen Drahtziehern die Konten kontrolliert. Yang soll den täglichen Betrieb geleitet haben, Li war demnach für Marketing und Kundengewinnung zuständig, Wang für Finanzen und Verwaltung.
Wenn die Zeit für Auszahlungen gekommen sei, habe das Unternehmen die versprochenen Renditen nicht mehr bedienen können. Viele Investoren blieben nach Angaben der Behörden ohne jede Rückzahlung.
Flucht, Tarnung als Studenten und Festnahme
Nach dem Zusammenbruch des Modells seien die drei Männer aus China geflohen und durch mehrere Länder gereist, bevor sie nach Thailand einreisten. Dort hielten sie sich in verschiedenen Provinzen versteckt.
Die Ermittler stellten fest, dass die Verdächtigen versucht hatten, sich gegenüber den Behörden als Sprach- oder Hochschulstudenten darzustellen. Sie beantragten Studentenvisa und gaben an, zum Studium eingereist zu sein.
„Wir haben versucht, ein sehr unauffälliges Leben zu führen“, sollen Yang und Wang laut thailändischer Polizei ausgesagt haben. Sie hätten hauptsächlich im Condominium gelebt, seien selten ausgegangen und hätten Vorräte im Zimmer gelagert, um nicht aufzufallen.
Li bestreitet nach Polizeiangaben seine aktive Rolle und erklärte, er sei lediglich Treuhänder eines Kontos gewesen.
Abschiebung nach China vorbereitet
Die thailändischen Behörden haben inzwischen die Aufenthaltsgenehmigungen der drei Verdächtigen widerrufen und Abschiebungsanordnungen erlassen. Die Männer befinden sich in Polizeigewahrsam, bis ihre Rückführung nach China vollzogen ist.
Die Kooperation zwischen den chinesischen Sicherheitsbehörden und den zuständigen Stellen in Thailand gilt in diesem Fall als zentral. Nach dem Entzug der Reisedokumente hatte China die thailändische Seite informiert und so die Festnahme ermöglicht.
🗣 Wenn Gier zur Massenwaffe wird
12 Prozent Rendite. IPO-Versprechen. Eine schicke App.
Und am Ende: Zehntausende Opfer, Milliarden verschwunden, drei Männer in Eigentumswohnungen.
Wie viele solcher Netzwerke operieren noch unbehelligt – mit Thailand als Rückzugsort?
Und warum sind es immer wieder „Investments“, die Menschen am leichtesten in den Abgrund ziehen?
Sag offen: Wird hier wirklich das System zerschlagen – oder nur ein weiteres Trio ausgetauscht?



