Atombomben für Thailand?

Atombomben für Thailand?
Facebook/ พรรคทางเลือกใหม่

BANGKOK – Nur wenige Wochen vor der Parlamentswahl sorgt ein Kandidat für einen Eklat. Er verspricht, Thailand mit einem Nuklear-Arsenal auszustatten. Das Internet reagiert mit blankem Entsetzen und beißendem Spott.

Facebook-Post jagt die nächste Kontroverse

Mongkolkit Suksintharanon, Spitzenkandidat der „Neuen Alternative“ für das Amt des Premierministers, hat einen neuen Aufreger gelandet. Auf Facebook schrieb er am 5. Januar:

„Eine Atomwaffe kostet etwa 640 Millionen Baht. Thailand kann bis zu 10 Stück haben, wenn das Land einen Premierminister namens Mongkolkit hat.“

Der Post explodierte im Netz. Über 27.000 Reaktionen und 6.200 Kommentare folgten, die meisten voller Häme und Unverständnis.

Das Netz reagiert mit Spott und Sorge

Die thailändischen Nutzer ließen kein gutes Haar an der Idee. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Mir fehlen die Worte“, schrieb einer.
Ein anderer fragte sarkastisch: „So großzügig, investieren Sie Ihr Privatvermögen für das Land?“ Viele wiesen auf drängendere Probleme hin.
„Ältere Menschen erhalten immer noch nur 600 bis 800 Baht Unterstützung im Monat“, erinnerte ein Kommentar an soziale Missstände.

Kandidat legt nach und rechnet vor

Vor Journalisten verteidigte Mongkolkit seinen Vorschlag. Kleine Atomsprengköpfe kosteten etwa 20 Millionen US-Dollar, größere bis zu 270 Millionen.

Zehn Waffen kämen auf etwa 6,4 Milliarden Baht. Das sei wenig im Vergleich zu U-Booten, die zig Milliarden kosten.

Sein Kalkül: Atomwaffen würden Thailands militärische und wirtschaftliche Sicherheit stärken. Handelspartner würden respektvoller agieren.

Experten zerpflücken die Idee als unrealistisch

Das Fachportal ThaiArmedForce reagierte prompt und deutlich. Die Idee sei völlig unmöglich und Stoff für Stammtisch-Gespräche.

Atomwaffen könne man nicht einfach kaufen. Sie müssten im eigenen Land entwickelt werden, was Zugang zu streng kontrolliertem Uran erfordere.

Selbst wenn, würde Thailand auf massiven internationalen Widerstand stoßen. Wo sollte man die Waffen überhaupt testen?

Nicht der erste Skandal des Kandidaten

Mongkolkit ist kein Unbekannter in der Skandal-Sparte. Im Juli letzten Jahres forderte er ein Sexverbot für Thailänder unter 22 Jahren, um die HIV-Übertragung zu stoppen.

Damals erntete er bereits einen Shitstorm. Seine jüngste Äußerung scheint ein Muster zu bestätigen: Provokation um jeden Preis.

Seine Partei, die „Neue Alternative“, spielt in Umfragen bislang keine entscheidende Rolle. Der Vorstoß könnte reine Wahlkampf-Rhetorik sein.

Ein gefährliches Spiel mit der Angst

Das Thema Atomwaffen berührt in Südostasien einen extrem sensiblen Nerv. Die Region ist atomwaffenfrei.

Ein solcher Vorstoß, selbst wenn unrealistisch, könnte Nachbarn verunsichern und diplomatische Verstimmungen hervorrufen.

Für viele Wähler ist klar: Statt milliardenschwerer Atomfantasien braucht Thailand Lösungen für Alltagsprobleme wie Inflation, Bildung und Infrastruktur.

Der Wahlkampf hat mit diesem Tabubruch eine neue, bizarre Ebene erreicht.

🗣 Grenzenlose Vision – oder verantwortungslose Show?

Atomwaffen als Wahlversprechen: Für die einen ein schlechter Scherz, für andere ein alarmierendes Signal.

Was sagt es über den Zustand eines Wahlkampfs, wenn nukleare Vernichtung plötzlich als politisches Verkaufsargument auftaucht?
Geht es hier noch um Sicherheit – oder nur um Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Wo endet politische Freiheit und wo beginnt gefährliche Irreführung?

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Quelle: The Thaiger

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