PHNOM PENH, KAMBODSCHA – Kambodschas Regierungschef bittet Frankreich um Hilfe bei einem Grenzstreit mit Thailand. Es geht um historische Dokumente aus der Kolonialzeit. Im letzten Jahr gab es wegen der Grenze blutige Kämpfe. Nun soll Klarheit über den Verlauf der Grenze her.
Hilfe aus Paris gesucht
Ministerpräsident Hun Manet hat einen Brief an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron geschrieben. Er bittet darin um Einsicht in alte technische Unterlagen zur Grenze. Kambodscha erhofft sich durch das Wissen der Experten eine Lösung für den langen Streit.
Das Außenministerium in Phnom Penh bestätigte die Anfrage offiziell in einer Mitteilung. Frankreich soll beratend zur Seite stehen und bei der Vermessung helfen. Das Ziel ist ein Ende der Spannungen mit dem Nachbarland Thailand durch klare Fakten.
Die Wurzeln des Konflikts
Die Grenze zwischen den beiden asiatischen Ländern ist insgesamt 817 Kilometer lang. Erstmals wurde dieser Verlauf im Jahr 1907 von der damaligen Kolonialmacht Frankreich festgelegt. Als Grundlage diente damals die natürliche Wasserscheide in der Region.
Da Kambodscha zu dieser Zeit eine französische Kolonie war, liegen viele Originalkarten noch in Europa. Thailand erkennt diese alten Aufzeichnungen jedoch nicht in jedem Detail an. Daraus ergeben sich immer wieder Unklarheiten über das Staatsgebiet.
Streit um heilige Stätten
Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen mehrere historisch bedeutende Orte im Grenzgebiet. Besonders wichtig ist die Tempelanlage Preah Vihear aus dem elften Jahrhundert. In Thailand ist dieser Ort unter dem Namen Khao Phra Viharn bekannt und sehr geschätzt.
Beide Nationen beanspruchen das Gebiet rund um den alten Hindu-Tempel für sich. Diese kulturellen Schätze machen den Grenzverlauf zu einem hochemotionalen Thema für die Bevölkerung. Eine friedliche Einigung konnte bisher noch nicht erzielt werden.
Eskalation im letzten Sommer
Im Juli des vergangenen Jahres kam es nach wochenlangen Spannungen zu einem offenen Konflikt. Auslöser war der Tod eines kambodschanischen Soldaten bei einem Gefecht Ende Mai. Die Lage zwischen den Nachbarn spitzte sich daraufhin massiv zu und endete in Gewalt.
Die Kämpfe dauerten fünf Tage an und forderten insgesamt 43 Menschenleben. Erst durch Vermittlung aus Malaysia und der USA konnte ein Waffenstillstand erreicht werden. Doch die Ruhe hielt nicht lange an und die Fronten blieben weiterhin verhärtet.
Hoher Preis der Gewalt
Im Dezember flammten die Feindseligkeiten erneut auf und hielten über drei Wochen lang an. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, die bestehenden Abkommen gebrochen zu haben. Die Bilanz dieser neuen Welle der Gewalt war für die Region erschütternd.
Bei den Kämpfen starben 101 Menschen und über eine halbe Million Bewohner mussten fliehen. Erst kurz vor dem Jahreswechsel wurde am 27. Dezember eine neue Waffenruhe vereinbart. Seitdem schweigen die Waffen weitgehend, doch die Lage bleibt instabil.
Schwieriger Weg zum Frieden
Bisher haben sich beide Seiten an die vereinbarte Ruhe gehalten, trotz kleinerer Zwischenfälle. Versuche für tiefergehende Gespräche über die Grenzziehung sind jedoch bisher gescheitert. Es fehlt weiterhin an einer gemeinsamen Basis für dauerhafte Sicherheit.
Der kambodschanische Regierungschef setzt nun große Hoffnung in die Unterstützung durch Frankreich. Präsident Macron soll bereits in früheren Treffen seine Bereitschaft zur Hilfe signalisiert haben. Ob dies für eine endgültige Lösung reicht, bleibt abzuwarten.
Ihre Meinung zum Grenzstreit
Alte Karten aus der Kolonialzeit sollen nun für Frieden in Südostasien sorgen. Glauben Sie, dass Europa sich in solche regionalen Konflikte einmischen sollte? Oder müssen die Nachbarn ihre Probleme ohne fremde Hilfe lösen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu.


