Herzlich willkommen zum Sprachkurs für Fortgeschrittene! Wer glaubt, nach drei Jahren in Pattaya oder Hua Hin die thailändische Frauenwelt verstanden zu haben, der irrt gewaltig. Es ist eine Kunstform aus Lächeln und Zwischentönen. Wir haben die gängigsten Floskeln entschlüsselt, damit der nächste Bar-Abend nicht im finanziellen Fiasko endet.
Das „Big Heart“ und das Bankkonto
„You have big heart!“ – Wer diesen Satz hört, fühlt sich meist wie die Reinkarnation von Casanova. Man klopft sich auf den Bauch, bestellt noch ein Singha und strahlt. Doch Vorsicht: In der lokalen Übersetzung bedeutet ein „großes Herz“ oft schlicht eine überdurchschnittliche Belastbarkeit der Kreditkarte für anstehende Familienfeste.
Es ist die charmanteste Art zu sagen, dass man als großzügiger Sponsor wahrgenommen wird. Während der stolze Expat noch an Romantik denkt, berechnet das Gegenüber bereits, ob das „große Herz“ auch für die neue Klimaanlage der Cousine in Udon Thani reicht. Ein Kompliment, das direkt in den Geldbeutel zielt.
Die Legende vom kranken Wasserbüffel
„My Buffalo sick!“ – Der Klassiker der thailändischen Ausreden-Folklore. Kaum hat man sich in die dunklen Augen der Schönheit aus dem Isan verliebt, schlägt das Schicksal im heimischen Stall gnadenlos zu. Es ist ein medizinisches Wunder, dass diese Tierart in Thailand überhaupt noch nicht ausgestorben ist, so oft wie sie „krank“ wird.
In der Realität ist der Wasserbüffel das universelle Symbol für „Ich brauche dringend Bargeld“. Ob die Mopedgebühr fällig ist oder der Bruder beim Kartenspiel verloren hat – der Büffel muss als Sündenbock herhalten. Wer hier zahlt, rettet kein Tier, sondern finanziert den sozialen Frieden im Dorf, meist ohne Quittung.
Die „No have Boyfriend“-Garantie
„I never have boyfriend like you before!“ – Technisch gesehen ist dieser Satz absolut korrekt. Sie hatte wahrscheinlich wirklich noch nie jemanden, der exakt Ihre Schuhgröße trägt und so beharrlich auf sein deutsches Weizenbier besteht. Es ist die perfekte Illusion von Exklusivität, die uns Männern so schmeichelt.
Dass im Hintergrund drei Line-Accounts glühen und der „Ehemann“ im Dorf eigentlich nur ein guter Bekannter ist, der zufällig zwei Kinder mit ihr hat, lassen wir unter den Tisch fallen. In der thailändischen Gegenwart zählt nur das Hier und Jetzt – und wer gerade die Rechnung für das Abendessen bezahlt. Genießen Sie den Moment!
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Der mysteriöse Bruder aus der Schweiz
Wenn plötzlich ein „Bruder“ auftaucht, der verdächtig westlich aussieht und ihr teure Geschenke schickt, ist Vorsicht geboten. Die thailändische Definition von Verwandtschaft ist extrem dehnbar. Oft ist der Bruder einfach ein früherer „Big Heart“-Besitzer, dessen Vertrag noch nicht ganz ausgelaufen ist.
Es ist ein logistisches Meisterwerk der Kommunikation, mehrere Sponsoren als Familienmitglieder zu deklarieren. Solange die Zahlungen pünktlich eingehen, bleibt die Familienidylle gewahrt. Erst wenn sich zwei „Brüder“ zufällig an der Bar treffen, wird es für den europäischen Logik-Verstand kompliziert.
Das Schweigen der Goldkette
„I want gold for my mother“ – Hier geht es selten um den Schmuckgeschmack der Frau Mama. Gold ist in Thailand die härteste Währung nach dem Baht und dient als ultimative Altersvorsorge. Wer Gold kauft, investiert nicht in Liebe, sondern leistet eine Anzahlung auf die emotionale Verfügbarkeit für die nächsten Monate.
Das Metall landet meist schneller beim Pfandleiher, als man „Sawatdee-Khrup“ sagen kann. Die Mutter sieht das Gold oft nur auf einem verschwommenen Foto per WhatsApp. Für den Farang bleibt das gute Gefühl, ein Retter der Tradition zu sein, während das Bargeld bereits in den nächsten Moped-Kredit fließt.
Die Diät der „Som Tam“-Gefühle
„I not hungry“ – Sagt sie, während sie den dritten Teller Papayasalat mit extra Krebsen bestellt. In der thailändischen Welt bedeutet das oft: „Ich bin nicht hungrig auf dein Essen, aber ich erwarte, dass du das gesamte Buffet für meine fünf Freundinnen bezahlst.“ Ein klassisches Missverständnis der Einladungspolitik.
Wer hier den Gentleman spielt, stellt fest, dass „nicht hungrig“ eine sehr teure Angelegenheit werden kann. Am Ende des Abends ist der Tisch leer, die Freundinnen sind weg und man selbst bleibt auf einer Rechnung sitzen, die für eine Kleinstadt gereicht hätte. Aber hey, sie war ja „nicht hungrig“.
Die unendliche Reise ins Dorf
„Go see my family“ – Klingt nach einem gemütlichen Wochenende auf dem Land. In Wahrheit ist es eine Expedition in eine Welt ohne Klimaanlage, aber mit sehr vielen Cousins, die alle ein Problem mit ihrem Pick-up haben. Es ist der ultimative Härtetest für jeden Rentner, der eigentlich nur seine Ruhe wollte.
Man sitzt auf Plastikstühlen, trinkt warmes Bier und wird als der „reiche Onkel aus Übersee“ bestaunt. Die Dorfältesten nicken freundlich, während sie bereits kalkulieren, wie viele Säcke Dünger die Anwesenheit des Farangs wert sind. Eine Reise, die man meistens mit einem leichten Sonnenbrand und einem deutlich leichteren Geldbeutel beendet.
Redaktioneller Hinweis
Dieser Artikel ist eine satirische Glosse. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, verstorbenen Wasserbüffeln oder geleerten Bankkonten sind rein zufällig und absolut beabsichtigt.



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